Freude für das Volk

Einserkastl17. Februar 2012, 18:12
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Der Typus des volkstümlichen Korruptionisten ist kein Zyniker - Kartnig versteht wirklich nicht, was da so falsch gewesen sein soll

"Es sind viele Fehler passiert, aber wir haben auch dem Volk viel Freude bereitet", sagte Hannes Kartnig, der Ex-Präsident des Fußballklubs Sturm Graz, in seinem Schlusswort vor Gericht. Und dafür gibt's fünf Jahre unbedingt und 6,6 Millionen Geldstrafe?

Der Typus des volkstümlichen Korruptionisten ist kein Zyniker. Er versteht wirklich nicht, was da so falsch gewesen sein soll. Er gab zu bedenken, dass sich "Millionen Menschen mit uns gefreut haben". Außerdem sei man auch "großartiger Steuerzahler, nicht nur Hinterzieher" gewesen. Die Steuerhinterziehung habe er ja immer zugegeben, "aber ich habe nie jemanden betrogen". Außer den Staat natürlich, aber das ist ja kein Betrug, oder?

Kartnig ist ein Typus. Nicht einmal ganz unsympathisch, trotz seiner Parvenu-Allüren. Seine Verteidigungslinie vor Gericht: Geh, seids net aso! Des machen doch alle! Und: Dem Volk hat's doch gefallen!

Beim Volkssport Fußball und im Sport überhaupt ist alles erlaubt, denken viele. Dürfen wir daran erinnern, dass Jörg Haider die Zustimmung zum Skandal-Verkauf der Hypo Alpe Adria von einem Millionen-Sponsoring für die heimische Fußballtruppe abhängig machte?

Die geschäftlichen Verflechtungen im Skisport sind nur ansatzweise untersucht worden. Das Volk kriegt seine Spiele, will nicht so genau wissen, wo das Geld dafür herkommt, weiß aber, dass "eh alle Gauner sind". (DER STANDARD Printausgabe 18./19.2.2012)

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