Unter Ballgästen

"So ein Arsch, macht die Oper dreckig"

17. Februar 2012, 18:07
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    foto: matthias cremer

    Das Schaulaufen in und vor der Oper ist für den Großteil der Gäste ein mindestens ebenso zentraler Punkt des Abends wie die eigentliche Eröffnung.

Das Promi-Heischen steht für die Besucher des Opernballs ebenso auf dem Programm wie die Suche nach Skandalen und versteckten Oasen der Ruhe

Wien - "Zahlt sich das aus?" fragen sich Fotografen auf der Feststiege gegenseitig, wenn sie nicht wissen, wer gerade an ihnen vorbeischiebt. Bei dem Promi-Aufmarsch, der von der A bis Z-Liga alles bedient, kann das passieren. Durch das Gedränge der rund 5000 eintrudelnden Gäste im Eingangsbereich ist Haarschopf-Bingo angesagt. "Ist das dieser Geiger mit dem Pferdeschwanz?" Eine Frau zückt ihr Handy und macht ein Foto von David Garrett. Weil den "Loddar" Matthäus, meint sie, den kennt ihre Tochter wohl nicht mehr. Dafür scheinen die männlichen Gäste des Opernballs dessen Begleitung, ein Unterwäschemodel in roter Robe, um so besser zu kennen, so viele Fotos wie sie von ihr schießen.

"Das ist der Spindi! Der ist so klein, den sieht man nicht so schnell", ertönt es verzückt aus den hinteren Reihen, als Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) versucht zu seiner Loge zu kommen. "Mit dem bin ich per Du, das ist ein guter Freund vom Hansi", raunt es von der anderen Seite. Damit ist wohl der größte Unterschied zu anderen Bällen in Wien auf den Punkt gebracht.

Das Schaulaufen in und vor der Oper ist für den Großteil der Gäste ein mindestens ebenso zentraler Punkt des Abends, wie die eigentliche Eröffnung. Wer weder über einen Logenplatz noch über wirkungsvolle Ellbogen-Technik verfügt, der muss sich auch Inhouse das Spektakel auf Bildschirmen ansehen. So wie die rund 1,6 Millionen Zuschauer zu Hause. Nicht alle wussten das, viele, vor allem ausländische Gäste, sind enttäuscht, dass sie weder das Ballett noch den Debüt-Aufritt der rumänischen Star-Sopranistin Angela Gheorghiu live miterleben, wo sie doch schon einmal hier sind.

Weniger Society-Spektakel

Ein junger Mann versucht über die Bande in den Ballsaal zu klettern, über die Treppe geht das längst nicht mehr. Etwas ungelenk und wild strampelnd schafft er es nach ein paar Minuten. Aber seine Lackschuhe haben dicke, schwarze Fahrer an die Wand gemacht. "So ein Arsch, macht die ganze Oper dreckig", quittiert einer der umherstehenden Frackträger dessen Chuzpe.

Das Gerangel um die besten Plätze geht auch in den Nebenräumen weiter, wo sich ganze Trauben von Menschen vor den kleinen Fernsehern sammeln. "Wenn du so weit weg stehst," ruft eine Blondine ihrem Mann an der Bar zu, "kann ich doch gar nicht richtig ablästern."

So viel Läster-Stoff wie in den Jahren zuvor gibt es heuer nicht: Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh und Hausherr Dominique Meyer kommen ihrem Ziel, den Opernball stärker in Richtung Kunst zu rücken, wieder ein Stück näher. Nicht einmal der sonst für Aufruhr bekannte Richard Lugner sorgt für den erhofften Opernball-Eklat: Sein dänischer Ball-Aufputz, Dschungelkönigin Brigitte Nielsen, zeigt sich extrem entspannt und ging - im Gegensatz zu seinen Begleitungen in den Vorjahren - nicht sofort nach der Eröffnung, sondern erst gegen ein Uhr. Und Roger Moore, ganz Sir, kam, sah und genoss den ganzen Abend in Lugners Loge.

Skandale schaffen

Die "Skandale" mussten also geschaffen werden. Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner wird gegen Mitternacht fündig: Mit dem Handy am Ohr flattert er an den Logen vorbei. "Zwei Männer tanzen zum Donauwalzer. Und küssen sich" diktiert er aufgeregt an seine Redaktion. Das Resultat seiner scharfen Beobachtung, inklusive Zoom des ahnungslosen Pärchens, konnte man tags daraufseinem Blatt entnehmen.

Der Opernball ist auch für die Polit-Prominenz ein regelmäßiges Stelldichein: FPÖ-Chef Heinz Christian Strache rauscht mit Begleitung, dafür ohne Orden, über den roten Teppich. Der größte Orden sei ohnehin das Vertrauen der Wähler, kommentiert er die Frage nach dem von Bundespräsident Heinz Fischer verweigerten Ehrenzeichens wegen seines Juden-Sagers am WKR-Ball.

Der Opernball bringt - bei Gesamtkosten von rund 3,8 Millionen Euro - etwa 1,5 Millionen Euro ein. Ein Glas Chardonnay aus Niederösterreich kostet zwölf Euro. "Wenn alle Veranstaltungen so viel Umsatz machen würden, wäre das der richtige Beitrag zum Sparen", beantwortet Bundeskanzler Faymann (SPÖ) die Frage, ob ein Besuch in Sparpaket-Zeiten das richtige Signal ist. Auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SP) nimmt die ewige Diskussion um den Opernball mit Gelassenheit. "Das ist der einzige Tag im Jahr, an dem die Oper Gewinn macht."

Relax-Treff Kantine

Die Opernkantine in den Untergeschossen gilt weitgehend als politiker- und promifreie Zone. Ein paar erschöpfte Kameraleute, Techniker und Kellner machen hier Rauchpause. Fotos wollen sie auf gar keinen Fall. "Sonst heißt es am Ende, wir hakeln nix." Ihre Schicht wird noch bis in die Morgenstunden gehen. "Dem Stress kann man entkommen", schmunzelt Gottfried, der seit 1981 keinen einzigen Opernball ausgelassen hat. Die Atmosphäre, die sei doch wirklich besonders. Immer noch und immer wieder. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

Kommentar posten
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consul
21
19.2.2012, 15:07

wer es schon nicht auf den opernball schafft, kann wenigsten hier posten. das ist wahre gerechtigkeit....
prost mit bier

Ingrid Goeschl
04
20.2.2012, 08:19

Glauben Sie mir, es "auf den Opernball" zu schaffen ist für die wenigsten völlig unerschwinglich, das ist bloß eine Frage der Wertigkeiten (es gibt auch Eintrittskarten ohne Loge oder Tisch).

Ich würde dort auch nicht hingehen, wenn es kostenlos wäre, allerdings vergönne ich es jedem, der hingehen will.

Wo mein Verständnis aufhört ist allerdings der Umstand, dass die Einnahmen und Ausgaben und die Freikarten nicht veröffentlicht werden und dass ich nicht sicher weiß, ob ich nicht mit meinen Steuergeldern die Freikarten für irgendwelche Waffenschieber bezahle.

kater bruno
72
19.2.2012, 13:17

Die sollen endlich den schiachen alten Lugner entmündigen, der hat ja den Opernball so lächerlich gemacht und kauft sich Leute.

Ingrid Goeschl
00
20.2.2012, 08:20

Punkto Lächerlichkeit hat er aber zweifellos kein Monopol :o)

Martina77
12
19.2.2012, 15:15
feine Leut'

das machen aber die Anderen auch....

hans der 3te
00
19.2.2012, 13:07
nicht gelesen

weil opernball, und deshalb auch völlig uninteressant was irgendwelche society kaputtnicks oder von mir aus staatskasperln zum sagen haben.

das spiel dreht sich.

zimbo
 
00
19.2.2012, 09:05
bei Gesamtkosten von rund 3,8 Millionen Euro - etwa 1,5 Millionen Euro ein.

Also den Verlust versteht nur einer, der unsere Gelder verspekuliert als Gewinn.

Satzende
00
19.2.2012, 13:48
das is hoffentlich als scherz gemeint?

der ball setzt 5,3 mill um )1,5 bleiben als gewinn) okay

Stefanxy
00
20.2.2012, 01:31
Der Opernball bringt etwa 1,5 Millionen Euro ein.

"bringt ein" hört sich eher nach Umsatz an, als nach Reingewinn.

Kontrahent1
03
19.2.2012, 11:41
und eh nix zahlen für den Eintritt.

Also die Eröffnung in der 'Kaiserloge' würd ich auch noch gratis geben, aber dann solltens für ihre Logen genauso zahlen wie jeder andere oder nach Hause gehen und im zwangsbezahlten Staats-TV zuschaun!

zimbo
 
00
19.2.2012, 12:05
Behängt mit selbstverliehenen Orden, in Gratisloge und von Speichelleckern umgeben und vorgelegten selstinszenierten Propagandaumfragen um geben, gerdezu ein Paradefall einer Parallelgesellschaft ohne Bezug zur Wirklichkeit.

Thomas Johannes
31
18.2.2012, 21:17

Der Artikel ist einseitig, ordinär und einer Qualitätszeitung wie dem Standard nicht würdig.

stop-making-sense
00
19.2.2012, 13:46
Standard Stil eben!

wakeup
01
19.2.2012, 10:12
wieso?

Mirabeau
11
18.2.2012, 21:59
Da haben sie absolut recht!

Angesichts von Dauerkrise, Sparpaketen und Korruption wohin man auch blickt, finde ich es auch überaus ordinär, über eine derartige Veranstaltung zu berichten.

tramezzino
10
20.2.2012, 13:36

weil´s es dann nicht gibt, wenn man nicht darüber berichtet? meingott bist du aber naiv....

Ingrid Goeschl
00
19.2.2012, 13:26

Und am allerordinärsten finde ich Waffenhändler, korrupte Politiker und die Glückritter in deren Dunstkreis.

Seria
12
18.2.2012, 21:51

nicht der Artikel ist ordinär. Der Ball ist es geworden mit sogen Promis, die besser im Urwald Kakerlaken fressen können als andere abgetakelte Adabeis

Ingrid Goeschl
04
19.2.2012, 10:47

Mir sind "Kakerlakenfresser" weitaus sympathischer als Waffenschieber, wenn ich ehrlich sein soll.

THE MGT.
23
18.2.2012, 20:49

Opernball/gäste-Bashing ist eh ok. Das gehört halt genauso zum alljährlichen Ritual, wie das Spektakel vor Ort.

Nur sollte man, frau, dann halt zumindest wissen wen sie da basht. Das "Unterwäschemodel" war keines. Das war Rosario Dawson, Schauspielerin (die einzige tatsächliche Hollywood-Bekanntheit am Ball dieses Jahres wenn ich nicht irre), zu sehen u.a. in Tarantinos Death Proof, in Sin City, Men in Black, Alexander u.v.a.

Ingrid Goeschl
00
20.2.2012, 08:25

Mir ist da eher aufgefallen, dass die Begleitung des angeblichen Unterwäschemodels (Lothar ??? - mir fällt der Name nicht ein) im Interview sagte, er sei eingeladen worden.

Ich sehe das halt eher von der Seite...

THE MGT.
00
20.2.2012, 10:18
Sie haben wohl recht - und Sie haben mich auf einen Irrtum meinerseits aufmerksam gemacht.

Ich muss Fr. Herrnböck um Entschuldigung bitten, weil ich schlampig gelesen hatte und dachte, sie hätte(n) die Begleitung David Garrets mit dem Unterwäschemodel gemeint. Der teilte sich eine Loge mit Rosario Dawson. Dabei hatte ich die Erwähnung Lothar Matthäus' überlesen. Dumm von mir. Rote Kleider trugen beide, deshalb wohl mein falscher Vorwurf an die Autorin hier.

Dawson und Garret waren auch eingeladen, meines Wissens vom Sponsor des "Cinema For Peace" Dinners am Vortag. Wüsste nicht, was es dagegen einzuwenden geben sollte. Wer Mathhäus und seine Begleiterin eingeladen hat weiß ich nicht. Ist doch wurscht, oder?

Ingrid Goeschl
00
20.2.2012, 10:24

Wurscht ist es dann, wenn die Karten bezahlt wurden.

THE MGT.
00
20.2.2012, 10:37
Da bin ich ganz bei Ihnen.

Wobei, ein gewisses Kontingent an Regiekarten bzw. für spezielle Gäste gibt es bei praktisch jeder Veranstaltung. Ich glaub eher nicht, dass Matthäus von den Ballveranstaltern eingeladen wurde. Wen die ggf. eingeladen haben weiß ich nicht.

Pierre d´Aubusson
03
18.2.2012, 19:57

Aha, die Oper soll sich also in Richtung Kunst bewegen?
Und was hams bisher g'macht? Sport?

Wobei - ich hab zwar selbst keinen Fernseher - so eine monatliche Übertragung von Theater/Oper/Festspielen....
Aber auf das ist ja der Kunstgenießer offenbar nicht scharf, da guckt man lieber, ob man einen Blick auf der Jungfer Wurst Conchita....

Kunst? Kunnst ma ned wos leichn?

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