Hinweise auf Manipulation bei Zinssätzen verdichten sich

17. Februar 2012, 17:59
55 Postings

Via Emails und SMS sollen Banken und Händler den für Kreditgeschäfte wichtigen Libor-Zinssatz manipuliert haben

New York - Bei den internationalen Ermittlungen gegen mehrere Großbanken verdichten sich nun Hinweise auf die Manipulation von einigen der wichtigsten Zinssätze der Weltwirtschaft. Händler verschiedener Institute sollen sich zusammengeschlossen haben, um den Libor-Zins für das Interbanken-Geschäft zu beeinflussen, schreibt das Wall Street Journal. Die Gruppe habe demnach Emails und Kurzmitteilungsdienste zur Abstimmung genutzt.

Auch Händler der Deutschen Bank seien daran beteiligt gewesen. Dies habe eines der von den internationalen Untersuchungen betroffenen Institute der kanadischen Finanzaufsicht gesagt. Bei dem Geldhaus handle es sich um die Schweizer Großbank UBS, berichtete das Blatt aus dem Umfeld der Ermittlungen. Die Institute wollten sich dazu nicht äußern.

Auch Händler der US-Institute Citigroup und JPMorgan sowie der britischen Geldhäuser HSBC und Royal Bank of Scotland sollen sich dem Bericht zufolge an den Absprachen beteiligt haben. Sie wollten so ihre Handelspositionen verbessern. Allerdings hätten sich nicht alle Verabredungen auf den Zinssatz ausgewirkt.

Noch keine Anklagen

Anklagen seien noch nicht erhoben worden. Die kanadische Finanzaufsicht geht dem Verdacht nach, dass sich Händler von Banken mit Brokerfirmen zu Zinsabsprachen zusammengetan haben. Die UBS hatte unlängst erklärt, die Schweizer Wettbewerbsaufsicht und die Antitrust-Division des US-Justizministeriums hätten ihr für ihre Kooperation bedingte Immunität zugesichert.

Der Libor (London Interbank Offered Rate) ist ein täglich festgelegter Referenzzinssatz im Interbanken-Geschäft und die Grundlage für viele andere Finanzmarktgeschäfte, Kredite sowie Hypotheken weltweit.

Auch in Europa sind Zinsgeschäfte von Banken ins Visier der Wettbewerbshüter geraten. So prüft die EU-Kommission, ob es im Zusammenhang mit dem sogenannten Euribor-Zins zu einem Marktkartell gekommen ist.

Der Euribor ist der Zinssatz, den europäische Banken untereinander beim Handel von Einlagen mit einer festgelegten Laufzeit von einer Woche bis zwölf Monate verlangen. Die Euribor-Werte werden täglich festgesetzt und auch als Berechnungsgrundlage für andere Zinsprodukte wie etwa Swaps oder Futures genutzt. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In geheimen Absprachen sollen Händler und Banken Zinssätze manipuliert haben, um damit Profit zu machen.

Share if you care.