FlyNiki bekam den Zuschlag, erstmals nach Tel Aviv zu fliegen - und startet kommenden Montag. Die AUA kämpft weiter dagegen an
Mit dem Versuch, das mittels aufschiebender Wirkung zu
verhindern, blitzte die AUA ab.
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Wien - Die AUA hat bei den Höchstgerichten eine Beschwerde eingebracht, weil
FlyNiki ab kommendem Montag erstmals dreimal wöchentlich (Montag, Mittwoch,
Freitag) nach Tel Aviv fliegen darf. Die AUA selbst fliegt die Strecke bereits
zweimal täglich (in Summe wird Israel 14-mal wöchentlich angeflogen) und El Al
fünfmal wöchentlich. Zusätzliche Frequenzen bekam die AUA nicht.
Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Skurilität:
FlyNiki-Geschäftsführer Otmar Lenz hat sich intensiv um die Verkehrsrechte in
Israel bemüht, wie er dem Standard versichert. Das österreichische
Verkehrsministerium hat - als dann das Okay aus Israel kam, eine internationale
Ausschreibung für die Flugfrequenzen gemacht. FlyNiki bekam den Zuschlag, die
AUA unterlag - nicht zuletzt weil die AUA ja bereits Tel Aviv anfliegt.
Weil gegen den Bescheid keine ordentlichen Rechtsmittel möglich sind, hat die
AUA versucht, beim Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshof eine aufschiebende
Wirkung gegen den Bescheid zu bekommen - und blitzte ab. Im
Verfassungsgerichtshof landete der Fall übrigens beim interimistischen
Flughafen-Chef Christoph Herbst. Nun müssen sich beide Höchstgerichte mit der
Beschwerde der AUA, keine zusätzlichen Flugrechte nach Israel zu bekommen,
weiter befassen. Mit ein Grund für die Entscheidung pro FlyNiki war wohl auch
der Umstand, dass der Lufthansa-Konzern in Summe bereits genügend Flugrechte
nach Israel hat, FlyNiki hingegen noch keine. Die AUA will die Causa nicht
kommentieren. Vom Verkehrsministerium kam eine Bestätigung.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass die AUA sich ganz vehement dagegen
wehrte, dass der Golf-Carrier Emirates seine Wien-Flüge aufstockt - Emirates
muss nach wie vor bangen, dass die Landerechte in Wien jeweils verlängert
werden. Und zuletzt war Emirates sogar schuld, dass die AUA ihre Flüge nach
Mumbai (Indien) einstellen muss.
Michaelis-Brief
Die Kündigung des Kollektivvertrages durch die AUA-Führung schlägt nach wie
vor hohe Wellen. Die Lufthansa hat einen Brief voller Versprechen, den
Ex-ÖIAG-Chef Peter Michaelis an Ex-Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber anlässlich
der Übergabe der AUA geschickt hat, in Händen. Darin wird den Deutschen u. a.
Unterstützung bei der Verwertung der ehemaligen AUA-Konzernzentrale in Oberlaa
versprochen, ebenso Unterstützung seitens der Österreich Werbung und des Wien
Tourismus. Es geht auch darum, der Lufthansa zu helfen, die Sicherheitsgebühren
und die Kosten der Austro Control zu senken. Davon sei bis heute nichts
eingetroffen.
Insider spielen Szenarien durch, wie es in der Partnerschaft zwischen
Lufthansa und AUA weitergehen kann: Häufig heißt es, am Ende des Tages werde die
Gewerkschaft wohl nachgeben. Und kaum einer glaubt, dass die KV-Kündigung
seitens der AUA aus heiterem Himmel kam: So was mache man nicht über Nacht. Es
gibt Stimmen, die meinen, wenn nichts Signifikantes passiert, sperrt die
Lufthansa die AUA zu und fliegt auf den lukrativen Routen mit einem Gerät. Dann
allerdings stellt sich die Frage, was mit den 500 Mio. Euro geschieht, die die
Deutschen seinerzeit als Mitgift bekamen, werden die zurückgezahlt?
Wenn die AUA weiter bestehen will, dann müsse sie so billig werden, dass die
Deutschen das Geschäft nach Wien auslagern können. Nicht zuletzt deshalb, weil
die Lufthansa selbst im Europaverkehr massive Verluste einfliegt.
Wie aber AUA-Chef Jaan Albrecht bei der AUA 200 Mio. Euro einsparen will,
bleibt für Eingeweihte ein Rätsel. Denn mit Cost Cutting alleine sei noch keine
Airline saniert worden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgagebe, 18./19.2.2012)