AUA zieht gegen FlyNiki und Ministerium vor Gericht

17. Februar 2012, 19:26
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FlyNiki bekam den Zuschlag, erstmals nach Tel Aviv zu fliegen - und startet kommenden Montag. Die AUA kämpft weiter dagegen an

Mit dem Versuch, das mittels aufschiebender Wirkung zu verhindern, blitzte die AUA ab.

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Wien - Die AUA hat bei den Höchstgerichten eine Beschwerde eingebracht, weil FlyNiki ab kommendem Montag erstmals dreimal wöchentlich (Montag, Mittwoch, Freitag) nach Tel Aviv fliegen darf. Die AUA selbst fliegt die Strecke bereits zweimal täglich (in Summe wird Israel 14-mal wöchentlich angeflogen) und El Al fünfmal wöchentlich. Zusätzliche Frequenzen bekam die AUA nicht.

Die Situation entbehrt nicht einer gewissen Skurilität: FlyNiki-Geschäftsführer Otmar Lenz hat sich intensiv um die Verkehrsrechte in Israel bemüht, wie er dem Standard versichert. Das österreichische Verkehrsministerium hat - als dann das Okay aus Israel kam, eine internationale Ausschreibung für die Flugfrequenzen gemacht. FlyNiki bekam den Zuschlag, die AUA unterlag - nicht zuletzt weil die AUA ja bereits Tel Aviv anfliegt.

Weil gegen den Bescheid keine ordentlichen Rechtsmittel möglich sind, hat die AUA versucht, beim Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshof eine aufschiebende Wirkung gegen den Bescheid zu bekommen - und blitzte ab. Im Verfassungsgerichtshof landete der Fall übrigens beim interimistischen Flughafen-Chef Christoph Herbst. Nun müssen sich beide Höchstgerichte mit der Beschwerde der AUA, keine zusätzlichen Flugrechte nach Israel zu bekommen, weiter befassen. Mit ein Grund für die Entscheidung pro FlyNiki war wohl auch der Umstand, dass der Lufthansa-Konzern in Summe bereits genügend Flugrechte nach Israel hat, FlyNiki hingegen noch keine. Die AUA will die Causa nicht kommentieren. Vom Verkehrsministerium kam eine Bestätigung.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die AUA sich ganz vehement dagegen wehrte, dass der Golf-Carrier Emirates seine Wien-Flüge aufstockt - Emirates muss nach wie vor bangen, dass die Landerechte in Wien jeweils verlängert werden. Und zuletzt war Emirates sogar schuld, dass die AUA ihre Flüge nach Mumbai (Indien) einstellen muss.

Michaelis-Brief

Die Kündigung des Kollektivvertrages durch die AUA-Führung schlägt nach wie vor hohe Wellen. Die Lufthansa hat einen Brief voller Versprechen, den Ex-ÖIAG-Chef Peter Michaelis an Ex-Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber anlässlich der Übergabe der AUA geschickt hat, in Händen. Darin wird den Deutschen u. a. Unterstützung bei der Verwertung der ehemaligen AUA-Konzernzentrale in Oberlaa versprochen, ebenso Unterstützung seitens der Österreich Werbung und des Wien Tourismus. Es geht auch darum, der Lufthansa zu helfen, die Sicherheitsgebühren und die Kosten der Austro Control zu senken. Davon sei bis heute nichts eingetroffen.

Insider spielen Szenarien durch, wie es in der Partnerschaft zwischen Lufthansa und AUA weitergehen kann: Häufig heißt es, am Ende des Tages werde die Gewerkschaft wohl nachgeben. Und kaum einer glaubt, dass die KV-Kündigung seitens der AUA aus heiterem Himmel kam: So was mache man nicht über Nacht. Es gibt Stimmen, die meinen, wenn nichts Signifikantes passiert, sperrt die Lufthansa die AUA zu und fliegt auf den lukrativen Routen mit einem Gerät. Dann allerdings stellt sich die Frage, was mit den 500 Mio. Euro geschieht, die die Deutschen seinerzeit als Mitgift bekamen, werden die zurückgezahlt?

Wenn die AUA weiter bestehen will, dann müsse sie so billig werden, dass die Deutschen das Geschäft nach Wien auslagern können. Nicht zuletzt deshalb, weil die Lufthansa selbst im Europaverkehr massive Verluste einfliegt.

Wie aber AUA-Chef Jaan Albrecht bei der AUA 200 Mio. Euro einsparen will, bleibt für Eingeweihte ein Rätsel. Denn mit Cost Cutting alleine sei noch keine Airline saniert worden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgagebe, 18./19.2.2012)

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    Auch das beschäftigt die AUA: mit aller Kraft verhindern, dass der Mitbewerber FlyNiki ebenfalls nach Israel fliegen darf.

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