Die Grenzen innerer Hygiene

17. Februar 2012, 16:59
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Nicht nur der politische Strom wird immer reißender - Auch "der Business-Strom riss uns noch nie so erbarmungslos schnell herum"

Nicht nur der politische Strom wird immer reißender. Auch der Business-Strom riss uns noch nie so erbarmungslos schnell herum, behauptet zumindest Christian Mucha in seinem "Extradienst", um dann in einer schonungslosen Abrechnung seine Leiden an einer von ihm mitgeprägten Branche auszubreiten. Und die sind nicht gering, obwohl es um nur ganz wenige Schreihälse & Neurotiker, die Medien-Vertreter rücksichtslos niedermachen, geht. Aber: Jetzt ist Schluss damit, und wenn er dafür anderthalb kleinbedruckte Seiten braucht.

Man glaubt ja nicht, was alles im erbarmungslosen Business-Strom so mittreibt. Auch wir als Medienunternehmer haben es in den letzten Jahre leider gehäuft mit neurotisierten, auszuckenden, Verbalinjurien durch die Gegend spuckenden Gegenübern zu tun, die glauben, den Frust über die eigene Unfähigkeit an uns auslassen zu müssen. Ausgerechnet an Mucha! Aber da haben sie die Rechnung ohne ihn gemacht. Denn er ist ehrlich glücklich darüber, dass 35 Jahre sparsames Wirtschaften mich so reich gemacht haben, dass ich es mir leisten kann, den Neurotikern, Auszuckern und Schreihälsen die Türe zu weisen.

Und weist er ihnen, gelassen in seinem Reichtum ruhend, die Tür? Weit gefehlt. Er behauptet zwar: Wer freilich glaubt, uns über die Grenzen unserer inneren Hygiene treiben zu können, der ist bei uns an der falschen Adresse, aber nur, um sich im selben Schriftzug über diese Grenzen - nicht treiben zu lassen, sondern sie hechelnd zu überschreiten. Ansatzlos, völlig unmotiviert wird man von langjährigen Kunden plötzlich angeschrien, angepöbelt, beschimpft. All das kommt quasi aus dem Nichts, weshalb es kein Wunder ist: Solch neurotische Choleriker suchen sich gerne Fachzeitschriften als Opfer.

Vielleicht suchen sie überhaupt nur Mucha, denn das Interessante an diesem Phänomen, über das Sie nirgendwo außer hier etwas lesen werden, liegt darin, dass die Gruppe der Ausraster und Sich-Abreagierer umso größer wird, je weniger sich der Mitarbeiter des betroffenen Mediums wehren kann. Was kaum für einen gilt, den 35 Jahre sparsames Wirtschaften reich gemacht haben, aber der garantiert, dass er die Grenzen unserer inneren Hygiene sprengt, wenn er als Menschenkenner taxiert: Verbalinjurien, Beschimpfungen, Tobsuchts- und Schreianfälle und Formulierungen weit unter der Gürtellinie sind bei derartigen Typen gang und gebe.

Wo die Grenzen unserer inneren Hygiene mit der Gürtellinie derartiger Typen zusammenfallen, kann es keinen Pardon geben. Bei so manchem fragt man sich ja dann, ob's nicht nur der geschäftliche Misserfolg ist, der ihn treibt oder ob vielleicht das eine oder andere Neuroserl oder Psychoserl zusätzlich derartiges Verhalten auslöst. Ich hege so den fürchterlichen Verdacht, dass dem einen oder anderen dieser Egotyrannen nicht einmal mehr Viagra hilft. Irgendwann kommt Mucha aber ein noch fürchterlicherer Verdacht - man klopft sich auf die eigene Brust, und fragt: Vielleicht sind wir ja selber daran Schuld, dass uns gewisse Menschen so erbärmlich schlecht behandeln? Gute Idee.

Aber keine Sorge, solch Verdacht ist erbarmungsloser unterdrückt, als uns der Business-Strom erbarmungslos schnell herumreißt. Bei Egotyrannen, denen nicht einmal mehr Viagra hilft, gibt es nur eins: In Hinkunft wird den diesbezüglich sattsam bekannten, einschlägig seit Jahren agierenden Herrschaften B., ebenso wie D., oder wie der (sic!) selbstsüchtige, den Verlagen Regeln vorschreiben wollende R. (um nur die Extremfälle zu nennen, die sich hiermit schlagartig wiedererkennen) der Mucha Verlag ebensowenig wie unser Mitbewerb als Ventil zur Verfügung stehen.

Sollte es sich bei den sattsam bekannten, einschlägig seit Jahren agierenden Herrschaften um dieselben handeln, von denen sich Mucha kurz vorher noch ansatzlos, völlig unmotiviert plötzlich angeschrien, angepöbelt, beschimpft gefühlt hat? Dann muss man ihm zubilligen, er habe das Leiden an seinen mit neurotisierenden, auszuckenden, Verbalinjurien durch die Gegend spuckenden Gegenübern lange Zeit mit einer Geduld ertragen, die den ganz unfürchterlichen Verdacht nährt, dass da nicht einmal mehr Viagra hilft. Doch jetzt sucht er Verbündete. Sollte es auch Ihnen in Ihrer Tätigkeit mit immer wieder denselben Kotzbrocken so ergehen wie uns, dann würde ich mich über die entsprechende Geschichte sehr freuen. Sie müssen ja nicht unbedingt die Namen nennen. Das Beste will man uns immer vorenthalten. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19.2.2012)

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