Busenredakteur - ein scharfer Job!

Kolumne17. Februar 2012, 17:26
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Über geile Zeitungsseiten

Es wird Zeit, dass ich Ihnen wieder einmal etwas Gamsiges erzähle. Etwas vom Gamsigsten, was es in Österreich gibt, sind Tageszeitungsfotos mit ausgezogenen Frauen. Superscharfer Klassiker: "Die Nackerte von Seite fünf" in der Krone! Ein wahres Eldorado für erotische Feinspitze und Liebhaber des Femininen!

Nacktfotos haben viele Vorteile. Erstens stärken sie die Leser-Blatt-Bindung. Zweitens ganseln sie den Leser auf, und das in aller Herrgottsfrühe: Kaum macht man sich ans Aufklopfen des weichen Eies, fällt auch schon der Blick auf zwei possierliche Nippel. Drittens erfährt man viel Wissenswertes über den Nackedei. Denn das Nacktfoto (Verzeihung für das müde Wortspiel) kommt niemals nackt daher, sondern immer mit einer informativen Bildunterschrift.

Das Verfassen dieser Bildunterschrift ist die Aufgabe des blatteigenen Busenredakteurs (kurz: BR). Bei Zeitungen gibt es kaum ein verantwortungsvolleres Amt als das des BRs. Es kann nur von erprobten Journalisten mit viel Gefühl für den korrekten Tonfall in einer solch delikaten Materie bekleidet werden.

Bedenklich wäre eine Bildunterschrift wie diese: "Exklusiv für euch Geilspechte hat unser Tuttelbär Amelie (22) die Möpse und den Biber ausgepackt! Wer da nicht den Schirm aufspannt, dem ist nicht mehr zu helfen!" Die Metaphorik sieht auf ersten Anhieb tierisch harmlos aus ("Specht", "Bär", "Mops", "Biber" etc.). Ein versierter BR würde diese Sätze aber dennoch nicht ins Blatt rücken, weil sie einfach eine Spur zu anlassig klingen.

Bessere Formulierungen sind diese: "Investmentbankerin Sabrina (27) zeigt nur eines nicht: ihren Kontostand!" "Die Rheumadecke bleibt im Kasten: Sex-Oma Vavrik (82) liebt es textilfrei!" "Der verrückteste Sex-Traum von Fiona (46): Mit dem Boyfriend Liebe in einer Gefängniszelle machen!"

Der härteste Monat für einen BR ist ein Februar wie dieser, weil jedermann intuitiv spürt, dass kein Mensch bei diesen Temperaturen freiwillig nackt herumläuft. Es gibt aber ein paar Tricks, um schnell Entblößungsvorwände zu schaffen. Trick eins: "Wenn die Eiszapfen herunterhängen, kramt Jana (18) gern ihre Nacktfotos vom letzten Juli heraus." Trick zwei: "Bei uns stürmt und schneit es, aber am Strand von Malibu zeigt Vanessa ... (blablabla)". Sehr raffiniert! Und wenn Sie mich fragen: auch höllisch gamsig!   (DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

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