16 Bilder ohne Affäre

17. Februar 2012, 20:18
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In London lieferte die Generation Post War & Contemporary eine gute Performance. Zum Star der Woche kürte man die Muse Francis Bacons

Henrietta Moraes war legendär, aufgrund ihres freizügigen Lebensstils und auch aufgrund ihrer Launen. Eine Bohémienne, die sich in den 1950/60er-Jahren in den Ateliers von Soho als Modell und Muse austobte. Im Leben und Werk Lucian Freuds - drei Bilder und eine Affäre - hinterließ sie ebenso ihre Spuren wie in jenem von Francis Bacon, mit 16 Bildern und ohne Affäre. Fotos, die Bacons Liebhaber John Deakin von Henrietta machte, hatten als Vorlage gedient. Als Motiv machte sie auf der Bühne des internationalen Kunstmarktes erstmals 2002 von sich reden, als Ernst Beyeler die Studie zu einem Porträt aus dem Jahr 1964 verkaufte: via Phillips de Pury in New York und für stolze 6,71 Millionen Dollar.

Zum Vergleich: Noch 1995 hatte ein Käufer für ein Aktporträt Henriettas gerade mal das Limit von 1,37 Millionen bewilligt. Solche Preise sind längst Geschichte, auch, weil Roman Abramowitsch kräftig an der Preisspirale drehte, als er im Mai 2008 bei Sotheby's in New York für sein Triptych (1976) den seither gültigen Rekordpreis von 86,3 Millionen Dollar springen ließ.

Diese Woche stand im Zuge des Evening Sales bei Christie's neuerlich ein Porträt Henriettas zum Verkauf, das aus dem Besitz des amerikanischen Grundstücksmaklers Sheldon Solow stammte. Aus der gleichen Provenienz hatte Christie's vergangene Woche für Joan Mirós Painting Poem (16,84 Mio. Pfund) sowie Henry Moores Reclining Figure: Festival (19,08 Mio. Pfund) Spitzenwerte notieren dürfen.

Bacon vor Richter

In 500.000er-Schritten trieb eine Gruppe von Telefonbietern die Gebote von zwölf auf 19 Millionen, inklusive Gebühr des Auktionshauses hat der neue, anonyme Besitzer dieser Tage nun 21,3 Millionen Pfund (33,42 Mio. Dollar / 25,43 Mio. Euro) zu überweisen. Ein Preis, den weder Christie's noch ein anderes Auktionshaus diese Woche übertreffen konnten. Für den zweiten Platz nominierte man Abstraktes Bild (1994) von Gerhard Richter (9,89 Mio. Pfund / 11,8 Mio. Euro). Nach Wert notierte Christie's Dienstagabend eine Absatzquote von 95 Prozent und einen Umsatz in der Höhe von 80,57 Millionen Pfund (96,12 Mio. Euro).

Tags davor schrammte Bonhams mit seiner kleinen Entourage an einer Bauchlandung vorbei: Nur für elf von 20 angebotenen Werken fiel der Hammer zum Gesamtgegenwert von 1,1 Millionen Pfund. Auch auf dem vermeintlichen Zugpferd, einer Skulptur von Urs Fischer (2006), blieb man sitzen, hatte dem Einbringer allerdings im Vorfeld eine Garantie erteilt (400.000-600.000).

Eine deutlich bessere Performance lieferte Sotheby's (15. 2.), wo 57 von 63 angebotenen Positionen (90,5%) deutlich über den monetären Erwartungen (total 50,68 Mio. Pfund / 60,71 Mio. Euro) den Besitzer wechselten. Dazu gehörte auch eine Gruppe von sechs Arbeiten Gerhard Richters, die Auktionator Tobias Meyer teils über den angesetzten Schätzwerten allesamt in Privatsammlungen weiterreichte (u. a. Ice (1981), 4,29 Mio. Pfund / 5,14 Mio. Euro).

Zum Abschluss trennte sich Phillips de Pury (16. 2.) von 92 Prozent seines Angebots (total 5,69 Mio. Pfund), angeführt von Lucio Fontana, für dessen Concetto spaziale Attese (1960) mit etwas mehr als einer Million Pfund jedoch nur das Limit bewilligt worden war.  (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

  • Eines von 16  Bildern, in denen Bacon Henrietta Moraes verewigte: 25,43 
Mio. Euro war einem anonymen Sammler diese Aktdarstellung wert, die 
zuletzt im Zuge einer Retrospektive 1997 im  Haus der Kunst  in München 
zu   sehen war.
    foto: christie's

    Eines von 16 Bildern, in denen Bacon Henrietta Moraes verewigte: 25,43 Mio. Euro war einem anonymen Sammler diese Aktdarstellung wert, die zuletzt im Zuge einer Retrospektive 1997 im Haus der Kunst in München zu sehen war.

  • Gerhard Richters „Abstraktes Bild 768-4 aus dem Jahr 1992 wechselte via Sotheby’s für umgerechnet 5,8 Millionen Euro in eine Privatsammlung.
    foto: sotheby’s

    Gerhard Richters „Abstraktes Bild 768-4 aus dem Jahr 1992 wechselte via Sotheby’s für umgerechnet 5,8 Millionen Euro in eine Privatsammlung.

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