In London lieferte die Generation Post War & Contemporary eine gute Performance. Zum Star der Woche kürte man die Muse Francis Bacons
Henrietta Moraes war legendär, aufgrund ihres freizügigen Lebensstils
und auch aufgrund ihrer Launen. Eine Bohémienne, die sich in den
1950/60er-Jahren in den Ateliers von Soho als Modell und Muse austobte.
Im Leben und Werk Lucian Freuds - drei Bilder und eine Affäre -
hinterließ sie ebenso ihre Spuren wie in jenem von Francis Bacon, mit 16
Bildern und ohne Affäre. Fotos, die Bacons Liebhaber John Deakin von
Henrietta machte, hatten als Vorlage gedient. Als Motiv machte sie auf
der Bühne des internationalen Kunstmarktes erstmals 2002 von sich reden,
als Ernst Beyeler die Studie zu einem Porträt aus dem Jahr 1964
verkaufte: via Phillips de Pury in New York und für stolze 6,71
Millionen Dollar.
Zum Vergleich: Noch 1995 hatte ein Käufer für ein Aktporträt Henriettas
gerade mal das Limit von 1,37 Millionen bewilligt. Solche Preise sind
längst Geschichte, auch, weil Roman Abramowitsch kräftig an der
Preisspirale drehte, als er im Mai 2008 bei Sotheby's in New York für
sein Triptych (1976) den seither gültigen Rekordpreis von 86,3 Millionen
Dollar springen ließ.
Diese Woche stand im Zuge des Evening Sales bei Christie's neuerlich ein
Porträt Henriettas zum Verkauf, das aus dem Besitz des amerikanischen
Grundstücksmaklers Sheldon Solow stammte. Aus der gleichen Provenienz
hatte Christie's vergangene Woche für Joan Mirós Painting Poem (16,84
Mio. Pfund) sowie Henry Moores Reclining Figure: Festival (19,08 Mio.
Pfund) Spitzenwerte notieren dürfen.
Bacon vor Richter
In 500.000er-Schritten trieb eine Gruppe von Telefonbietern die Gebote
von zwölf auf 19 Millionen, inklusive Gebühr des Auktionshauses hat der
neue, anonyme Besitzer dieser Tage nun 21,3 Millionen Pfund (33,42 Mio.
Dollar / 25,43 Mio. Euro) zu überweisen. Ein Preis, den weder Christie's
noch ein anderes Auktionshaus diese Woche übertreffen konnten. Für den
zweiten Platz nominierte man Abstraktes Bild (1994) von Gerhard Richter
(9,89 Mio. Pfund / 11,8 Mio. Euro). Nach Wert notierte Christie's
Dienstagabend eine Absatzquote von 95 Prozent und einen Umsatz in der
Höhe von 80,57 Millionen Pfund (96,12 Mio. Euro).
Tags davor schrammte Bonhams mit seiner kleinen Entourage an einer
Bauchlandung vorbei: Nur für elf von 20 angebotenen Werken fiel der
Hammer zum Gesamtgegenwert von 1,1 Millionen Pfund. Auch auf dem
vermeintlichen Zugpferd, einer Skulptur von Urs Fischer (2006), blieb
man sitzen, hatte dem Einbringer allerdings im Vorfeld eine Garantie
erteilt (400.000-600.000).
Eine deutlich bessere Performance lieferte Sotheby's (15. 2.), wo 57 von
63 angebotenen Positionen (90,5%) deutlich über den monetären
Erwartungen (total 50,68 Mio. Pfund / 60,71 Mio. Euro) den Besitzer
wechselten. Dazu gehörte auch eine Gruppe von sechs Arbeiten Gerhard
Richters, die Auktionator Tobias Meyer teils über den angesetzten
Schätzwerten allesamt in Privatsammlungen weiterreichte (u. a. Ice
(1981), 4,29 Mio. Pfund / 5,14 Mio. Euro).
Zum Abschluss trennte sich Phillips de Pury (16. 2.) von 92 Prozent
seines Angebots (total 5,69 Mio. Pfund), angeführt von Lucio Fontana,
für dessen Concetto spaziale Attese (1960) mit etwas mehr als einer
Million Pfund jedoch nur das Limit bewilligt worden war. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)