Eine Klimazeugin berichtet

18. Februar 2012, 08:00
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Während die KlimaexpertInnen auf internationaler Ebene lediglich Kompromisse schließen, verstehen die BäuerInnen in Uganda das Wetter nicht mehr - Ein bindendes globales Klimaschutzabkommen scheint auch in Zukunft aussichtlos - Gibt es Alternativen?

Rose Nakiro versteht ihre Welt nicht mehr. Früher wusste die Frau aus Karamoja, wann es regnen würde und wann die Trockenzeiten kamen. Aber heute? "Die Dürrezeiten werden länger, unterbrochen von starken Überschwemmungen," sagt die 38-Jährige. Sie lebt im Nordosten Ugandas, wo die meisten Menschen Nomaden sind, Vieh halten und manchmal auch etwas anpflanzen. Was Frau Nakiro früher geerntet hat, war nie sehr viel, wie sie sagt. Ein wenig Hirse, ein wenig Mais. Aber nun ist es noch weniger. Und es wird noch schwieriger, ihre drei Kinder durchzubringen. Geht die Saat nicht auf, fehlt auch das Geld, diese zur Schule zu schicken.

Der Ehemann von Rose treibt die kleine Kuhherde der Familie über das Land. Auf der Suche nach Weideland und Wasser, muss er immer weitere Wege zurücklegen und kommt oft wochenlang nicht mehr nach Hause. Rose muss also oft alleine klarkommen.

Aber sie hat den Mut nicht verloren. Ihr Name kommt schließlich vom Wort Akiro, und das heißt in ihrer Sprache Regen. Sie kam in der Regenzeit zur Welt, für die Familie war das ein gutes Zeichen. Und daran glaubt sie.

Es sind Gebiete wie Karamoja in Uganda, die angesichts des Klimawandels in eine ungewisse Zukunft blicken. Die Wetterextreme werden offenkundig größer, wie Bauern und Hirten beobachten. Das sagen auch Entwicklungsexperten wie der Deutsche Kai Windhorst, der mit der ugandischen Forstbehörde ein von den UN zertifiziertes Aufforstungsprojekt leitet. "Die Wissenschaft belegt, dass wir Wetterextreme haben, die früher in dieser Form und Häufigkeit, nicht existiert haben." Dies betrifft Rose aus Uganda, aber auch Millionen anderer Frauen die in den trockenen Regionen der Sahelzone leben.

Das Klima und die Frauen

Obwohl der Klimawandel alle auf der Welt betrifft, sind die Auswirkungen vor allem für jene zu spüren, die bereits im Teufelskreis der Armut stecken. Und wie Windhorst erklärt, betreffen die Auswirkungen des Klimawandels besonders stark die Frauen. "Etwa 80 Prozent der Landwirtschaft in Uganda wird von Frauen betrieben. Obwohl das Haushaltsoberhaupt in den meisten Fällen der Mann ist, sind die Frauen die Ernährerinnen. Es sind die Frauen, die davon betroffen sind, wenn sie zu spät säen." Und der Klimawandel bringt Probleme, die erst nach und nach sichtbar werden. Das erlebt nun auch die Mutter Rose. Wenn eines ihrer Kinder krank wird, dann stellt sie aus medizinischen Pflanzen traditionelle Heilmittel her. Zunehmend sucht sie nach diesen aber vergeblich, da sich mit dem Klima auch die Vegetation ändert. Sie kann die nötige Medizin nicht mehr selber machen. Und um westliche Pillen zu kaufen, fehlt das Geld.

Aber es gibt doch auch viel, was man tun kann, um sich an die wechselnden Bedingungen anzupassen. "Um die Felder können Feuerholzhecken gepflanzt werden, Wasser kann gespart und angesammelt werden", sagt der Forstexperte Windhorst. "Wir müssen die 'guten' Projekte fördern, jene, die lokal wirken und die den kleinen Bauern direkt helfen. Als Berater sehe ich darin meine Aufgabe: Projekte zu entwickeln und umzusetzen, die einen Bauern dazu befähigen von seinem Boden zu leben, klimaresilient zu werden, auf Klimaänderungen antworten zu können."(Patricia Otuka-Karner, dieStandard.at, 18.2.2012)

Patricia Otuka-Karner lebt seit 2005 in Uganda wo sie zu afrikanischen Kulturen forscht. Sie schreibt als freie Journalistin.

  • Eine Frau in Zentraluganda, kürzlich von Patricia Otuka-Karner fotografiert.
    foto: patricia otuka-karner

    Eine Frau in Zentraluganda, kürzlich von Patricia Otuka-Karner fotografiert.

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