Büros mit Nase im Wind

19. Februar 2012, 11:22
1 Posting

Das erste Projekt in der neuen Seestadt Aspern befindet sich bereits in Bau. Bis August soll das Bürogebäude IQ fertiggestellt sein, das übers Jahr gerechnet mehr Energie produzieren als verbrauchen wird

Wien - Noch bis morgen, Sonntag, ist die Baumesse Bauen & Energie Wien zu sehen. Viel Durchschnittsware wird ausgestellt und beworben, doch immer größer wird der Anteil an energie- und ressourcenschonenden Projekten, ökologischen Baustoffen und neuen Technologien. Glaubt man den Herstellern und Projektentwicklern, befindet sich die Nachfrage nach Niedrigenergie- und Passivhaustechnologie stark im Steigen.

Eines der neuesten und ungewöhnlichsten Projekte ist das sogenannte IQ in der Seestadt Aspern. Noch befindet sich das auf den ersten Blick wenig spektakuläre Bürohaus in Bau. Der Rohbau ist bereits abgeschlossen. Bis Mitte August soll das Gebäude, das im Vorfeld bereits von der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (ÖGNB) zertifiziert wurde, an seine Nutzer übergeben werden. Wunschmieter wären forschungsorientierte Unternehmen, die zum "innovativen Image" des Projekts beitragen könnten.

Server-Raum heizt Wasser

"Das ist kein 08/15-Projekt, sondern wir sehen das Haus vielmehr als eine Art gebauten Richtungsweiser", erklärt Georg Rauhs, Projektleiter der Wirtschaftsagentur Wien. Sie ist die Bauherrin des 15 Millionen Euro teuren Baus. "Wir wollen damit aufzeigen, wie sich nachhaltiges Bauen in den nächsten Jahren entwickeln wird." Im Vordergrund steht nicht nur die Energieeinsparung, sondern auch die aktive Energieproduktion.

Geheizt wird mit Fernwärme, gekühlt mit Grundwasser. Neben einer Bauteilaktivierung soll im Bereich der Fassade auch eine Quelllüftung zum Einsatz kommen. Keine Kilowattstunde bleibt ungenutzt: Sogar die Abwärme aus dem Server-Raum wird rezykliert und wird in Zukunft die Warmwasserspeicher in den Küchen speisen. Der restliche Heizwärmebedarf beträgt 8 kWh/m2a.

Auch beim Strom wird gespart: In den Gängen und Büros wird das gesamte Haus mit LED-Beleuchtung ausgestattet. Alle Lampen sind tageslichtgesteuert und an einen Anwesenheitssensor angebunden.

Weitaus spannender liest sich die Ausstattungsliste im Bereich der Energiegewinnung: Den 6600 Quadrametern Nutzfläche stehen rund 1400 Quadratmeter PV-Flächen gegenüber. "Es gibt in diesem Projekt drei unterschiedliche Varianten, Fotovoltaik anzuwenden", sagt Rauhs und zählt auf: "Es gibt eine klassische aufgeständerte Konstruktion auf dem Dach, eine fassadenintegierte Anlage sowie vorgesetzte Verschattungselemente an der Südostfassade." Ziel sei es, den Nutzern die Vielfalt der Technologie näherzubringen.

Windräder auf dem Dach

Darüber hinaus wird das IQ Aspern über eine Kleinwindkraftanlage verfügen. "In unserem Wettbewerbsbeitrag hatten wir eigentlich vorgesehen, die Anlage direkt an der Fassade zu montieren", sagt Hannes Achammer, Projektleiter im Architekturbüro ATP. "Aber das wäre nicht sehr wirtschaftlich gewesen." Stattdessen werden sich die futuristischen Symbole - schon von weitem sichtbar - nun auf dem Dach drehen.

Unterm Strich erreicht das IQ-Gebäude Plusenergiebilanz. Das heißt: Übers Jahr gerechnet produziert die Immobilie mehr Strom, als sie verbraucht. Die überschüssige Energie wird ins lokale Netz gespeist. "Das IQ ist ein Beispiel dafür, wie wir erneuerbare Energieträger in Zukunft effizient nutzen können", sagt Susanne Geissler, Geschäftsführerin der ÖGNB, auf Anfrage des STANDARD. "Es entspricht voll und ganz der Idee der sogenannten Smart City."

Projekte wie diese hätten einen hohen Stellenwert, denn sie zeigten, wie die ambitionierten Ziele des 20-20-20-Plans der EU erreicht werden könnten. Greissler: "Noch sind die Projektentwickler solcher Immobilien auf Förderungen angewiesen. Doch mit diesen Subventionen wird nicht nur das jeweilige Projekt gefördert, sondern auch die Marktentwicklung. Damit sinken die Preise für die neuen Technologien, und bald kommt der Stein ins Rollen." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.2.2012)

  • 1400 Quadratmeter Fotovoltaikpaneele, Grundwassernutzung und eine 
Kleinwindkraftanlage auf dem Dach: Die Betriebskosten im 
Technologiezentrum IQ sollen besonders niedrig sein.
    visualisierung: atp architekten

    1400 Quadratmeter Fotovoltaikpaneele, Grundwassernutzung und eine Kleinwindkraftanlage auf dem Dach: Die Betriebskosten im Technologiezentrum IQ sollen besonders niedrig sein.

  • Mitte August soll das Gebäude an seine Nutzer übergeben werden.
    foto: atp architekten

    Mitte August soll das Gebäude an seine Nutzer übergeben werden.

Share if you care.