"Gorillas haben unsere Bananen gefressen"

Florian Niederndorfer, 17. Februar 2012, 16:51
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    Alena Krempaska: "Wer in den vergangenen zehn Jahren in der Politik war, muss von den Vorgängen gewusst haben."

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    Demonstration am 3. Februar vor einem Regierungsgebäude im Zentrum Bratislavas, im Vordergrund Alena Krempaska.

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    Der Gorilla muss hinter Gitter, fordert dieser Demonstrant.

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    Tausende strömten auf den zentralen SNP-Platz, dessen Name an die slowakische Volkserhebung erinnert.

Alena Krempaska ist das Gesicht der slowakischen Wutbürger - Die Korruptionsaffäre Gorilla dürfte die Politlandschaft umkrempeln

Es ist ungewöhnlich leise am Hviezdoslavovo námestie in Bratislavas Altstadt an diesem Donnerstagmittag. Dichter Schneefall erstickt die Stimmen und Schritte der Passanten. Nur im Studentenbeisl herrscht jetzt, zur Stoßzeit, hektische Betriebsamkeit. Alle paar Minuten läutet Alena Krempaskas Blackberry. Alles sei so schnell gegangen, sagt sie. Und klingt, wenn sie über die vergangenen Wochen spricht, wie eine Historikerin, die über längst vergangene Zeiten räsoniert. "Man hat immer gedacht, die Slowaken seien eine passive Nation, die nie streikt und nie auf die Straße geht. Dass das nicht stimmt, haben wir auf jeden Fall bewiesen", sagt sie und nimmt einen Bissen vom vegetarischen Mittagsmenü.

Dabei sind die Tage, auf die sie anspielt, kaum drei Wochen her. Die 23-Jährige Studentin der Internationalen Beziehungen ist das Gesicht der sogenannten Gorilla-Proteste und Wortführerin der slowakischen Variante des Wutbürgers. Der Name der Bewegung rührt von einem Codenamen her, den der slowakische Geheimdienst 2005 für eine Abhöraktion gegen mutmaßlich korrupte Spitzenpolitiker und die Begehrlichkeiten einer Investorengruppe namens Penta ersann. Ruchbar wurde die Affäre erst, als eine Abschrift des Lauschangriffs im vergangenen Dezember im Internet auftauchte. Und ein System des Filzes offenbarte, das nahezu alle politischen Lager umfasste. "Alle wussten, dass diese Affäre irgendwann bekannt wird", sagt Krempaska, "aber jetzt kann jeder die Namen der Politiker nachlesen." Was Krempaska und ihresgleichen fordern? "Die Gorillas, die unsere Bananen essen, müssen verschwinden", sagt sie. 

"Kauza Gorila"

Des Volkes Zorn manifestiert sich jetzt, drei Wochen vor der Parlamentswahl, vor allem auf der Straße - 30.000 Menschen haben nach Angaben der Organisatoren vor zwei Wochen landesweit demonstriert - und in den sozialen Netzwerken, allen voran Facebook. Dort ist die "Protest Gorila"-Bewegung, so wie alle Bürgerbewegungen der jüngsten Zeit, auch entstanden. "Ein paar Leute, vor allem Studenten, haben auf Facebook über die Affäre diskutiert und überlegt, ob man dagegen nicht auf die Straße gehen muss. Das Ergebnis war, dass 5.000 Menschen zu der Kundgebung gekommen sind." Mehr als 12.000 "Likes" hat die Seite Kauza Gorila unterdessen gesammelt. Krempaska, die ein Studienjahr an der renommierten Universität Science Po in Paris absolviert hat und heute bei einer Anti-Rassismus-Organisation arbeitet, übernahm die Pressearbeit. Nach den ersten Erfolgen der Bewegung wuchs der Druck auf die Organisatoren, "jeder wollte mitreden und auf dem Podium stehen", schlaflose Nächte folgten. Als linke Bewegung will Krempaska die Proteste nicht verstanden wissen - auch wenn sie selbst sich durchaus als Linke versteht. "Wir wurden alle viel zu lange belogen."

Die Forderungen der Demonstranten sind schnell aufgezählt: Aufklärung der Gorilla-Affäre, Rücktritt der involvierten Politiker, Durchleuchtung der Parteifinanzierungen. Aber eigentlich gehe es mittlerweile um viel mehr, sagt Krempaska und reiht sich in den Chor der #occupy-Bewegung ein, der seit Wochen schon landauf, landab erschallt: "Wir wollen mehr soziale Gerechtigkeit und nicht acht Stunden am Tag für einen Hungerlohn arbeiten, während es sich die alten Eliten bequem richten."

Kurz vor Parlamentswahl

Das politische System in dem 5,5-Millionen-Einwohner-Land scheint jedenfalls nachhaltig erschüttert. Die Christdemokraten von Ministerpräsidentin Iveta Radicova und Parteichef Mikulas Dzurinda, der von 1998 bis 2006 Regierungschef war und im Mittelpunkt der Gorilla-Affäre steht, könnten Umfragen zufolge unter die Parlamentshürde von fünf Prozent fallen. Zwar darf Dzurindas Nachfolger Robert Fico mit seiner sozialdemokratischen Smer-Partei auf eine satte Mehrheit hoffen, aber auch der damalige Oppositionschef wird in den Gorilla-Akten genannt. Die wirklichen Profiteure der Aufdeckung der Affäre dürften andere sein. Eine Gruppierung namens "99%" kommt in den Umfragen auf fast sieben Prozent, die "Partei der gewöhnlichen Leute", eine Abspaltung der marktradikalen SaS-Partei, auf neun. Krempaska glaubt ihnen allen nicht. "Wer in den vergangenen zehn Jahren in der Politik war, muss von den Vorgängen gewusst haben." (flon, derStandard.at, 17.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 36
1 2
Dein schönster Traum
01
Die SaS...

...war die einzige Partei, die das eigene Land vor dem Raubzug der Griechen beschützen wollte!

manto bamminger
00
18.2.2012, 15:56
und für wann sind proteste in österreich geplant???

also material würds ja genug geben, ist auch alles jetzt schon bekannt.

Aber für wann ist denn eine mediale veröffentlichung geplant?
Und wer soll davon profitieren?

Scholem Alejchem
 
01
18.2.2012, 13:04
Ich verstehe den ganzen "Skandal" nicht,

denn es unterscheidet sich nicht von den seit Jahren gängigen Praktiken im Burgenland, außer daß die Geldsummen höher sind.

Ingrimm
07
18.2.2012, 06:21

Stolz kann mein sein auf die Slowaken, wär Österreich nur gar so weit...

Der Jakobiner
02
18.2.2012, 07:08
Na ganz so stolz braucht man nicht zu sein:

Zur Enttäuschung beigetragen hat auch die Zensur des Gorilla-Enthüllungsbuchs aus der Feder des slowakisch-kanadische Journalisten Tom Nicholson.

“Das Gericht in Bratislava hat die Veröffentlichung des Buches über die Gorilla-Akte untersagt”, berichtet SME.

Damit gaben die Richter der Klage der in den Skandal verwickelten Investitionsgruppe Penta wegen Rufschädigung statt.

Der Tageszeitung SME zufolge ist die Entscheidung “absurd”, wenn es wirklich um Rufschädigung geht, denn das Dokument ist seit Wochen im Internet frei zugänglich.

Nicholson ist dennoch “überzeugt”, dass sein Buch noch vor den Wahlen erscheinen wird. “Das Verbot könnte seine beste Werbung sein”, erklärt SME: “Gibt es eine spannendere Literatur als die Verbotene?”

Friedman Tobin
10
18.2.2012, 08:37

Kleine Korrekturen: Das Dokument ist zwar schon zugänglich aber das Buch soll viel mehr enthalten. Und nicht vergessen: 1. Der Inhalt des Dokuments wurde bis von niemandem bewiesen. 2. Das Dokument ist nur eine indirekte Nacherzählung in 3. Person des Geschehenen ist (es wird also nicht die Tonaufnahme schriftlich widergegeben).

Die "Zensur" ist nur eine einstweilige Verfügung, die bis zur gerichtlichen Lösung des ganzen Falles gilt (also bis sich jd. endlich mit dem Ganzen ernsthaft rechtlich auseinandersetzt statt nur Vermutungen in die Welt zu setzen). Und die Entscheidung wurde angefochten oder irgendetwas in der Richtung.

Friedman Tobin
00
18.2.2012, 08:38

- bis jetzt - , - des Geschehenen ( -

)so(
07
18.2.2012, 01:53
Danke für die Reportage aus dem Nachbarland

Dank an die (Chef-)Redaktion für's Zulassen und an den Autor für's Schreiben. Welche Firmen waren eigentlich die Schmiergeldzahler? Und für welche Leistung? Im Artikel findet sich dazu leider keine Info.

Der Jakobiner
02
18.2.2012, 06:53
Constell
00
18.2.2012, 06:48
Unter Anderem

war und ist es die Penta Gruppe, ein diversifiziertes Investmenthaus mit Holdings in Real Estate, Versicherung, etc. Weiters zahlen bis heute die meisten Unternehmen fuer gewisse Verguenstigungen wie z.B. J&T. Penta wurde in 2005 gezielt in diese Affaire gezogen als Vergeltung fuer eine zu geringe Zahlung an den damaligen Wirtschaftsminister.

Friedman Tobin
00
18.2.2012, 08:28

Könnten Sie auch die Quelle dieser Info nennen?

Der Jakobiner
04
18.2.2012, 00:30
Was der Florian Niederndorfer vergessen hat zu erzählen:

Die Provisionen für die Privatisierung beliefen sich auf mehrere Millionen Euro und wurden

zwischen Politikern der Slowakischen Demokratischen und Christlichen Union (SDKU),

der Partei der Ungarischen Koalition (SMK)

und der Christdemokraten (KDH) aufgeteilt.

Allein der damalige Wirtschaftsminister Jirko Malacharek soll mehr als 300 Millionen Kronen (rund eine Mio. Euro) Provision bekommen haben.

Aber der Florian Niederndorfer hat dafür nicht vergessen zu erwähnen:
Dass Robert Fico in den Gorilla-Akten genannt wird, in welchem Zusammenhang, das hat der Florian Niederndorfer vergessen zu erwähnen!

Der Jakobiner
05
17.2.2012, 23:03
Was will uns der Florian Niederndorfer da verklickern?

Robert Fico mit seiner sozialdemokratischen Smer-Partei darf zwar auf eine satte Mehrheit hoffen

aber die wirklichen Profiteure der Aufdeckung der Affäre dürften andere sein:

Eine Gruppierung namens "99%" kommt in den Umfragen auf fast sieben Prozent

- wirklich fantastisch!!!

und die "Partei der gewöhnlichen Leute" auf neun

- das ist ja noch fantastischer

Wenn die zusammengehen kommen sie auch fantastische FAST 16% !!!

Ist das nicht ein Hammer?

Wer hätte das gedacht?

Danke Florian, sie haben uns erleuchtet!

Friedman Tobin
00
17.2.2012, 23:58

Es ist nicht sicher ob es die zwei Parteien überhaupt ins Parlament schaffen, die Umfrageergebnisse sind in dieser Hinsicht zu verschieden. Vor allem die zweite Partei wird es eher schwer haben.

§126c Verfechter K.ing Leissner
00
17.2.2012, 22:32

OK, und warum hat der Gorilla jetzt einen Schal an????

KhalilG
 
110
17.2.2012, 19:58
Bravo

"Wir wollen mehr soziale Gerechtigkeit und nicht acht Stunden am Tag für einen Hungerlohn arbeiten, während es sich die alten Eliten bequem richten."
Weltweit mehren sich die Proteste gegen diese Garde der Einsackler, das läßt hoffnung aufkommen, vor allem das die Jugend sich zu wehren beginnt!

Friedman Tobin
02
18.2.2012, 00:01

Wenn in Österreich wie in der Slowakei fast 40 % der unter 30-jährigen arbeitslos sind und der Rest (abgesehen von ein Paar Reichen) von 300 Euro netto leben muss, werden sich auch die Österreicher wehren. Der Tag wird kommen, die Frage ist nur wann.

Threonin
01
17.2.2012, 23:28

8 Stunden ist eh noch gut...

E Pie
 
05
17.2.2012, 19:55
frau alena bitte einbürgern...

E Pie
 
21
17.2.2012, 19:54
wenn sich die slowakischen politiker...

noch ein wenig verbessen dann könnte man wieder über einen zusammenschluß reden .... wie schön war´s damals als behmen und ungarn noch bei österreich war....

Der Wutbürger1
 
19
17.2.2012, 19:15
Mein Respekt gilt allen Mutigen die sich die Hochnäsigkeit der Eliten nicht mehr gefallen lassen

Schade NUR, dass den Österreichern der Mut fehlt ihre Unzufriedenheit auf diese Weise zu bekunden

José Atento
01
17.2.2012, 23:46
Protest alleine ist halt zu wenig.

Da benötigt man schon (geniale) Lösungsansätze.
Die hat derzeit leider niemand.

WIE kann man wieder mehr Moral in die politischen und wirtschaftlichen Eliten zurückbringen?
Wohl nur durch eine Revolution. Die Leute, die heute dort sitzen müssen jedenfalls von dort weg kommen.

daBart
02
17.2.2012, 19:41

Hindert dich niemand daran mit Klarnamen Aktionen/Standpunkte zu setzen.

Raptor Jesus
17
17.2.2012, 19:08
Stellt euch das mal vor! Ein Land frei von Christdemokraten!

Friedman Tobin
00
17.2.2012, 23:22

In der SK gibt es zwei christdemokratische Parteien. Die eine (KDH) hat von der ganzen Aktion auf Kosten der anderen profitiert. Ist halt alles viel komplizierter als es aussieht.

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