Zeitreise im Zeitraffer

17. Februar 2012, 20:33
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Eine opulent bebilderte Monografie zum Jubiläum einer Traumfabrik: "100 Jahre Babelsberg-Studios"

Vorhang auf, Scheinwerfer an - uuund Action! Fokus Richtung Berlin - anlässlich der derzeit stattfindenden Berlinale und anlässlich des Jubiläums einer Traumfabrik: 100 Jahre Babelsberg Studios. Alfred Polgar apostrophierte die 1912 gegründeten ersten deutschen Filmstudios als "romantisches Gelände" mit einer "vielgestaltigen Phantasiekulisse", als "künstliche Paradiese auf begrenzte Zeit" "am äußersten Ende der Stadt, wo sie das schon eigentlich gar nicht mehr ist".

Federführende Betreiber war ein kreatives Dreigestirn, bestehend aus Regisseur Urban Gad, Kameramann Guido Seeber und der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen. Deren Stummfilm Der Totentanz ist das erste cinematografische Kunstwerk aus den Neubabelsberger Studios.

Eine opulent bebilderte Monografie spannt den Bogen über die äußerst wechselhafte, auch von politischen Turbulenzen geprägte Geschichte der Filmindustrie. In Babelsberg schufen Fritz Lang, Josef von Sternberg, Marlene Dietrich, Ernst Lubitsch, Billy Wilder et alii Klassiker wie Metropolis, Der blaue Engel, M und Der letzte Mann. Die bis 1921 unter dem Namen "Decla-Bioscop" agierende Filmfirma war vorrangig durch innovative Entwicklungen geprägt. Ab 1921 firmierte die Produktion unter UFA und war, ab 1933, maßgeblich an der Propagandamaschinerie des Nationalsozialistischen Regimes beteiligt. Emil Jannings, Hans Albers, Veit Harlan, Zarah Leander, aber auch Heinz Rühmann, Marika Rökk und Kristina Söderbaum zählten, nach Flucht und Vertreibung der kreativen Intelligenz, zu den Stars der Ufa.

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die nunmehr auf DEFA umbenannten Studios auf sowjetischem, dann auf dem Terrain der DDR. 1993 kehrte man zum ersten Namen zurück. Seitdem agieren die unter der Ägide von Volker Schöndorff und Roland Emmerich revitalisierten Studios international. Sie produzierten zahlreiche erfolgreiche Blockbuster - mit Schauspiel- und Regiestars wie Roman Polanski, Tom Hanks, Tom Twyker, Brad Pitt, Quentin Tarantino, Kate Winslet. Armin Müller-Stahl erinnert an "mutige Künstler", die zu jeder Zeit gegen den Strom schwammen, konstatiert resümierend: "Vor mehr als einem halben Jahrhundert habe ich in Babelsberg meinen ersten Film gedreht. Ich habe zwei Systeme erlebt und überleben dürfen, Babelsberg fünf. Überlebenskünstler ersten Ranges." (Gregor Auenhammer  / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)

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"100 Jahre Babelsberg-Studios".  € 59,90 / 264 Seiten. Verlag teNeues, Kempen 2012
    foto: standard / cremer

     

    "100 Jahre Babelsberg-Studios". € 59,90 / 264 Seiten. Verlag teNeues, Kempen 2012

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