Eine opulent bebilderte Monografie zum Jubiläum einer Traumfabrik: "100 Jahre Babelsberg-Studios"
Vorhang
auf, Scheinwerfer an - uuund Action! Fokus Richtung Berlin - anlässlich
der derzeit stattfindenden Berlinale und anlässlich des Jubiläums
einer Traumfabrik: 100 Jahre Babelsberg Studios. Alfred Polgar
apostrophierte die 1912 gegründeten ersten deutschen Filmstudios als
"romantisches Gelände" mit einer "vielgestaltigen Phantasiekulisse", als
"künstliche Paradiese auf begrenzte Zeit" "am äußersten Ende der Stadt,
wo sie das schon eigentlich gar nicht mehr ist".
Federführende Betreiber
war ein kreatives Dreigestirn, bestehend aus Regisseur Urban Gad,
Kameramann Guido Seeber und der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen.
Deren Stummfilm Der Totentanz ist das erste cinematografische Kunstwerk aus den Neubabelsberger Studios.
Eine opulent bebilderte
Monografie spannt den Bogen über die äußerst wechselhafte, auch von
politischen Turbulenzen geprägte Geschichte der Filmindustrie. In
Babelsberg schufen Fritz Lang, Josef von Sternberg, Marlene Dietrich,
Ernst Lubitsch, Billy Wilder et alii Klassiker wie Metropolis, Der blaue Engel, M und Der letzte Mann.
Die bis 1921 unter dem Namen "Decla-Bioscop" agierende Filmfirma war
vorrangig durch innovative Entwicklungen geprägt. Ab 1921 firmierte die
Produktion unter UFA und war, ab 1933, maßgeblich an der
Propagandamaschinerie des Nationalsozialistischen Regimes beteiligt.
Emil Jannings, Hans Albers, Veit Harlan, Zarah Leander, aber auch Heinz
Rühmann, Marika Rökk und Kristina Söderbaum zählten, nach Flucht und
Vertreibung der kreativen Intelligenz, zu den Stars der Ufa.
Nach dem Zweiten
Weltkrieg standen die nunmehr auf DEFA umbenannten Studios auf
sowjetischem, dann auf dem Terrain der DDR. 1993 kehrte man zum ersten
Namen zurück. Seitdem agieren die unter der Ägide von Volker Schöndorff
und Roland Emmerich revitalisierten Studios international. Sie
produzierten zahlreiche erfolgreiche Blockbuster - mit Schauspiel- und
Regiestars wie Roman Polanski, Tom Hanks, Tom Twyker, Brad Pitt, Quentin
Tarantino, Kate Winslet. Armin Müller-Stahl erinnert an "mutige
Künstler", die zu jeder Zeit gegen den Strom schwammen, konstatiert
resümierend: "Vor mehr als einem halben Jahrhundert habe ich in
Babelsberg meinen ersten Film gedreht. Ich habe zwei Systeme erlebt und
überleben dürfen, Babelsberg fünf. Überlebenskünstler ersten Ranges."
(Gregor Auenhammer / DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.2.2012)