Markus Aspelmeyer vom VCQ an der Uni Wien erhält "Proof of Concept"-Förderung des Europäischen Forschungsrats
Wien - Perfekte Spiegel sind das Ziel eines Projekts des Physikers
Markus Aspelmeyer vom Vienna Center for Quantum Science and Technology (VCQ) an
der Universität Wien, das nun vom Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert
wird. Aspelmeyer, der bereits 2009 mit einem hochdotierten "Starting Grant" des
ERC ausgezeichnet wurde, war nun auch in der neuen ERC-Förderschiene "Proof of
Concept" erfolgreich, wie aus einer Aussendung des Forschungsrats hervorgeht.
Mit dem neuen Förderprogramm will der ERC die Kluft zwischen
Grundlagenforschung und frühen Phasen einer marktfähigen Innovation überbrücken.
Im Rahmen des Programms "Proof of Concept" können Wissenschafter, die bisher
schon eine ERC-Förderung bekommen haben, bis zu 150.000 Euro erhalten. Zunächst
wurden in der ersten Ausschreibungsrunde 30 Wissenschafter ausgezeichnet,
darunter der Chef des Wiener Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM),
Giulio Superti-Furga. Nun wurden weitere 22 Förderpreise vergeben, einer davon
an Aspelmeyer.
Der Physiker versucht, die Effekte der Quantenphysik, die
bisher nur auf sehr kleinem Maßstab beobachtet wurden, auch an größeren Objekten
nachzuweisen. Aspelmeyer arbeitet dazu seit Jahren mit winzigen, mechanischen
schwingenden Spiegeln aus Silizium, bis zu mehreren zehntel Millimeter lang und
weniger als einige hundertstel Millimeter breit. Um diese mechanischen Schwinger
für die Experimente möglichst stark abzukühlen, wird Laserlicht verwendet -
deshalb muss das Material sehr gute Reflexionseigenschaften haben.
Quanteneffekte herauskitzeln
"Wir bemühen uns ständig, die Qualität dieser mechanischen Schwinger zu
verbessern, um möglichst gut die Quanteneffekte herauskitzeln zu können", sagte
Aspelmeyer gegenüber der APA. Hohe Qualität bedeutet neben guten Reflexions-
auch hervorragende Schwingungseigenschaften. Die mechanischen Brücken sollten
möglichst lange schwingen. Das gelingt dann, wenn das System gut von seiner
dämpfenden Umgebung entkoppelt ist.
Spiegel mit solchen Eigenschaften haben einen weiteren Vorteil: je besser sie
schwingen können, desto besser sind ihre sogenannten Rauscheigenschaften. Oder
umgekehrt: "Wenn die mechanische Dämpfung in einem System groß ist, fluktuiert
die Oberfläche des Spiegels regelrecht - was exakte Messungen erschwert", so
Aspelmeyer. Das ist etwa in sogenannten "optischen Cavities" der Fall, wo ein
Lichtstrahl zwischen zwei einander gegenüberstehenden Spiegel pendelt. Sobald
solche Spiegel rauschen, wird der Lichtstrahl mit jeder Reflexion ein bisschen
schlechter. "Wir wollen in dem ERC-Projekt der Frage nachgehen, ob unsere
Erfahrungen bei der Optimierung von mechanischen Schwingern dabei helfen können,
Spiegel mit besseren Rauscheigenschaften zu bauen", so Aspelmeyer. (APA)