Bausparkassen drängen auf mildere Kürzung

17. Februar 2012, 14:49
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Die heimischen Bausparkassen warnen vor einem massiven Schlag gegen das Bauspar-System, durch Halbierung der staatlichen Förderprämie

Wien - Die heimischen Bausparkassen warnen vor einem massiven Schlag gegen das Bauspar-System, wie ihn die mit dem Sparpaket geplante Halbierung der staatlichen Förderprämie bringen würde. Sie drängen darauf, die Bandbreite der Prämien nur auf 2 bis 6 Prozent statt 1,5 bis 4 Prozent abzusenken. Zudem sollte die Kürzung - wie bei der Zukunftsvorsorge - nur befristet bis 2016 erfolgen, erklärten die vier Bauspar-Chefs am Freitag. Den Plan der Regierung qualifiziert man als "nicht durchdachten Schnellschuss in letzter Minute", ohne über die Folgen für Wohnungswirtschaft, Gewerbe, Stabilität des Bausparsystems und den Bundeshaushalt nachgedacht zu haben. Zu dieser "Panne" steht man mit der Politik in Gesprächen.

Drohende Rückgänge beim Neugeschäft bzw. auf der Einlagenseite wollen die Bauspar-Chefs heute noch gar nicht quantifizieren, man wolle sich das Bauspar-System nicht selbst schlecht reden. Klar sei aber, dass "jeder Euro weniger fehlen wird, um einen 25-jährigen Bauspar-Kredit zu vergeben", warnte s-Bauspar-General Josef Schmidinger. "Wir können keine neuen Darlehen vergeben, wenn wir kein neues Geld hereinbekommen, so Raiffeisen-Bauspar-Chef Manfred Url: "Je unattraktiver das Produkt ist, desto weniger wird es sein."

Eine Kürzung der Bauspar-Prämie nicht erst ab Anfang 2013, sondern bereits mit Anfang April diesen Jahres, wie im Finanzministerium derzeit auch überlegt, kann sich Wüstenrot-Bauspar-Vorstandschefin Susanne Riess schon gar nicht vorstellen: "Das ist rechtlich nicht machbar, das ist denkunmöglich." Alle Politiker - exemplarisch nannte sie Kanzler, Finanzministerin und Finanzstaatssekretär - hätten versichert, dass eine Rücknahme erst 2013 kommen werde. 2011 gab es für die mehr als 5,1 Millionen Ansparverträge in Summe 114 Mio. Euro Förderung.

Rechnen mit rückläufigen Einnahmen

Derzeit rechnen die Institute laut ABV-Chef Erich Hackl gerade durch, wo bei rückläufigen Einlagen der "break-even" wäre, ab dem man nicht mehr ausreichend Mittel für die Vergabe neuer Darlehen hat, die ja nur aus der Rückführung alter Darlehen und frischem Einlagen-Geld gespeist werden können. Momentan stelle man sich die Frage: "Was ist wenn es 10 oder 20 Prozent weniger neue Bauspar-Verträge gibt?"

Vorzeitige Kündigungen - sie sollen für 2010 bis 2012 abgeschlossene Verträge heuer ohne Rückzahlung der Prämie möglich sein - befürchtet man nicht in größerem Ausmaß: "Die Leute werden sich das überlegen. Der durchschnittliche Österreicher wird nicht vorzeitig kündigen", glaubt Schmidinger.

Österreich habe im Vergleich zu anderen Ländern - etwa Tschechien, Slowakei - ein "sehr effizientes Bauspar-System", sagte Schmidinger, deshalb brauche man zumindest einen Korridor von 2 bis 6 Prozent Prämienförderung - gegenwärtig sind es 3 bis 8 Prozent. Eine Befristung der Kürzung sei nötig, da die Bausparkassen höchstens "einige Jahre mit weniger PS" auskommen könnten, so Url. Andere Geschäftsfelder, mit denen man allfällige Ausfälle "subventionieren" könne, habe man, im Gegensatz zu Kommerzbanken, nicht, betonte Riess.

Insgesamt würden durch das Bausparen pro Jahr knapp 5 Mrd. Euro Leistungen in die Wohnungswirtschaft fließen, rechnete Url vor - davon 3 1/2 Mrd. Euro direktes Finanzierungsvolumen, der Rest Ersparnisse (Eigenmittel) der Bausparer. Aus diesen Bauspar-Finanzierungen resultiere mehr als 1 Mrd. Euro an Steuereinnahmen. Eine Förderkürzung sei also auch ökonomisch unsinnig. Zudem seien "die eigenen vier Wände" eine der wichtigsten Altersvorsorge-Formen, denn damit könne man die Wohnkosten im Alter niedrig halten, sagt Url. Die geplanten Einschnitte - laut Schmidinger die gravierendsten seit es das Bauspar-System gibt - würden ferner Bestrebungen zuwiderlaufen, die Konjunktur zu beleben, warnte Riess. Die Ex-Politikerin zeigte sich daher "zuversichtlich, dass es doch noch eine Gesprächsbasis mit der Politik gibt".

Finanzierungsleistung stieg 2011

2011 haben die heimischen Bausparkassen ihre Finanzierungsleistung kräftig um 10,6 Prozent auf 3,46 Mrd. Euro gesteigert. Das Darlehensvolumen (Ausleihungen) wuchs um 6,3 Prozent auf 18,711 Mrd. Euro, die Bauspareinlagen legten um 3,0 Prozent auf 19,263 Mrd. Euro zu. Die Zahl der Bausparkonten in der Sparphase blieb mit 5,188.621 (+0,2 Prozent) fast unverändert. Die staatliche Bausparprämie sank wegen der zinsbedingt geringeren staatlichen Förderung auf 114 Mio. Euro, ein Minus von 15,4 Prozent.

Bei den langfristigen Bauspardarlehen erwarten die Institute an sich - ohne Effekte einer mit dem Sparpaket gekürzten Förderung - einen weiteren Zuwachs, da das Volumen der Zwischendarlehen 2011 um 16,4 Prozent auf 4,673 Mrd. Euro geklettert ist.

Auch in den vergangenen Jahren haben die Ausleihungen des Bausparsektors schon stärker zugelegt als die Einlagen, betonte am Freitag ABV-Generaldirektor Erich Hackl, dessen Institut derzeit den Vorsitz im "Arbeitsforum österreichischer Bausparkassen" hat. Die aushaftenden Darlehen wuchsen binnen fünf Jahren (von 2006 bis 2011) um 4 Mrd. von 14,5 auf 18,7 Mrd. Euro, die Bauspareinlagen im selben Zeitraum aber nur um 1,5 Mrd. von 17,8 auf 19,3 Mrd. Euro. Insbesondere seit 2008 hat sich der Abstand zwischen Einlagen und Ausleihungen stark verringert.

Zu den über die Bausparkassen abgewickelten "Sanierungsschecks 2011" wurden im Vorjahr 70,7 Mio. Euro Fördersumme vergeben, die insgesamt Investitionen von 690 Mio. Euro auslösten. Der Großteil davon (58 Prozent) floss in die Wärmedämmung. Einreichungen für den "Sanierungsscheck 2012" sind ab Montag, 20. Februar, möglich. (APA)

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    Das Bausparsystem sehen die Chefs der Bausparkassen gefährdet.

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