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Starke Netze für Europa

17. Februar 2012, 15:12
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Neue Höchstspannungsleitungen und Investitionen in Milliardenhöhe sollen die Leistung unserer heimischen Stromnetze erheblich erhöhen sowie für mehr Sicherheit sorgen

Ein leistungsfähiges Übertragungsnetz ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die künftige Stromversorgung Europas, die weitgehend auf erneuerbaren Energien beruhen soll. Mit über 500 Millionen Einwohnern, einem jährlichen Strombedarf von fast 3,3 Millionen Gigawattstunden und einem Kraftwerkspark von 870 Gigawatt ist die Europäische Union einer der größten Strommärkte der Welt. Zum Vergleich: 870 Gigawatt entsprechen mehr als dem 40-Fachen der gesamten österreichischen Kraftwerkskapazität. Verbunden werden die Kraftwerke und die Verbraucher durch die Übertragungsnetze der Mitglieder des Verbandes der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E mit einer Gesamtlänge von mehr als 300.000 Kilometer. Das entspricht dem 7,5-Fachen des Erdumfangs. Technisch ist es am besten, wenn Strom möglichst nahe den großen Verbrauchszentren produziert wird.

Neuausrichtung der Stromnetze

Denn Stromnetze sind teuer, und jeder Stromtransport bringt auch Leitungsverluste mit sich. So lagen Kraftwerksstandorte bisher meist in der Nähe der Industriezentren und Ballungsräume. Bei Kohlekraftwerken konnten auch Standorte in der Nähe der Rohstoffe oder leistungsfähiger Transportwege von Vorteil sein. Bis zur Liberalisierung des Strombinnenmarkts 2001 wurden die Stromnetze zudem in der Hauptsache als nationale Verbindungen gebaut, grenzüberschreitende internationale Leitungen hatten dagegen meist geringere Kapazität. Die Energiezukunft verlangt eine völlige Neuausrichtung der Stromnetze: Strom wird in Zukunft vor allem dort erzeugt werden, wo die Voraussetzungen für Windkraftanlagen oder Fotovoltaik günstig sind. Das stellt die Netzbetreiber vor erhebliche Herausforderungen.

Neue Höchstspannungsleitungen und Modernisierungen

Laut der „European Wind Integration Study" (EWIS-Studie) der ENTSO-E wird die Leistung der installierten Windparks im Jahr 2020 mit rund 200 GW etwa doppelt so hoch sein wie heute. Ähnliche Entwicklungen sind auch im Bereich der Fotovoltaik zu erwarten. Um dies ohne Gefährdung für die Sicherheit des Netzbetriebes möglich zu machen, müssen rund 35.300 Kilometer an neuen Höchstspannungsleitungen errichtet und Leitungen mit weiteren 6900 Kilometern Länge modernisiert werden.

Investitionen von rund zwei Milliarden Euro

Auch in Österreich besteht dringender Handlungsbedarf. Das im Sommer 2011 beschlossene Ökostromgesetz sieht vor, die Leistung der installierten Windparks bis 2020 auf 3000 Megawatt zu verdreifachen. Bei der Fotovoltaik ist sogar eine Verzwölffachung der installierten Leistung auf 1200 MW geplant. Zwar eignen sich die heimischen Pumpspeicherkraftwerke hervorragend, um die schwankende Stromerzeugung solcher Anlagen auszugleichen, doch funktioniert dies nur, wenn sie über leistungsstarke Netze mit den Windparks und Solarkraftwerken verbunden sind. Es ist daher unverzichtbar, die Lücken im 380-Kilovolt-Leitungsring zügig zu schließen. Seitens der Übertragungsnetzgesellschaften sind bis 2020 Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in die österreichischen Netze geplant.

Energie aus der Sahara

Ähnliche Anforderungen zeichnen sich auch für ganz Europa ab. Ein großes Zukunftsprojekt beschäftigt sich unter dem Namen „Desertec" mit dem Aufbau von solarthermischen Kraftwerken in der Sahara für die Stromversorgung der Region und den Export nach Europa. Neue Leitungstechnologien sollen den Stromtransport über tausende Kilometer bei geringen Leitungsverlusten ermöglichen. Durch die Höchstspannungs- Gleichstrom-Übertragung mit Spannungen bis 800.000 Volt kann eine Leitung so viel Strom übertragen wie acht normale Höchstspannungsleitungen mit 380.000 Volt, aus denen der österreichische Höchstspannungsring besteht.

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  • Bis 2020 sind Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in die österreichischen Netze geplant.

    Bis 2020 sind Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in die österreichischen Netze geplant.

  • Ein Überblick über die europäische Stromversorgung

    Ein Überblick über die europäische Stromversorgung

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