Grüne Urmutter

Die allererste Pflanze ging aus einzigartiger Vereinigung hervor

17. Februar 2012, 14:14
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    foto: science/aaas

    Die schematische Darstellung der urtümlichen Algenart Cyanophora paradoxa. Die Erbanlagen dieser einzelligen Alge verraten so Einiges über den Ursprung der Pflanzen.

Vor eineinhalb Milliarden Jahren "verschlang" ein Einzeller eine Bakterie, die der Photosynthese mächtig war

Wien - Die mittlerweile eineinhalb Milliarden Jahre alte Erfolgsgeschichte der Pflanzen geht offenbar auf eine einzige folgenreiche Vereinigung zweier unterschiedlicher Lebewesen zurück. Damals hat sich ein Einzeller eine Bakterie einverleibt und deren besonderer Fähigkeit übernommen: aus Sonnenlicht Energie zu gewinnen. Aus dieser äußerst erfolgreichen Beziehung der beiden Organismen stammen alle heutigen Pflanzen, Grün- und Rotalgen ab.

Auch die urtümlich scheinende, einzellige Alge Cyanophora paradoxa ist Abkömmling dieser Verschmelzung. Ihr Erbgut hat ein internationales Forscherteam mit österreichischer Beteiligung untersucht, um die Theorie der Endosymbiose zu untersuchen, und zu erfahren, wie wohl die erste Pflanze auf der Erde aussah. Die Ergebnisse haben die Wissenschafter in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht.

Evolutionäres Einzelereignis

Offensichtlich ist es im Laufe der Evolution bloß ein einziges Mal passiert, dass ein geeigneter Protist (ein Einzeller mit Zellkern und Mitochondrien) und ein geeignetes Cyanobakterium diesen unglaublich komplizierten und langwierigen Vorgang der Endosymbiose durchgezogen haben. Das zeigt der Vergleich des Erbguts der einzelligen Alge Cyanophora mit dem von Pflanzen, Grün- und Rotalgen, so der an der Studie beteiligte Biochemiker Wolfgang Löffelhardt von den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien.

Dabei spielt es keine Rolle, dass sich die photosynthetisch aktiven Bereiche der Zelle (Plastiden), die sich aus den eingeschlossenen Cyanobakterien entwickelt haben, in den verschiedenen Gruppen des Pflanzenreiches mittlerweile ziemlich in Farbe, Form und Funktionsweise unterscheiden. Ein weiterer, für Löffelhardt eindeutiger biochemischer Beweis für die Endosymbiontentheorie ist eine Zellwand bakteriellen Ursprungs. In diese sind nur die Plastiden der Cyanophora-Algen immer noch gehüllt, obwohl sie schon seit Jahrmillionen geborgen im Inneren ihres Wirts leben.

Photosynthese statt Verdauung

Auch Gene von anderen Bakterien, sogenannten Chlamydien, haben die Forscher in der einzelligen Alge gefunden. "Es wird seit einigen Jahren diskutiert, dass Chlamydien Transporter geliefert haben, die für den Beginn der Beziehung zwischen Protist und Cyanobakterium wichtig waren", sagte Löffelhardt. "Damit der Protist das Cyanobakterium, wenn er es verschluckt hat, eine Zeit lang beibehält, muss er darin einen Vorteil sehen. Solange das Cyanobakterium noch intakt und damit photosynthetisch aktiv ist, müssen Transportwege angeschaltet werden, die die Produkte der Photosynthese in die Wirtszelle bringen, sodass der Wirt darauf verzichtet, die Beute kurzerhand zu verdauen."

In einem komplizierten, sehr lang andauernden Prozess wird das Cyanobakterium abhängig gemacht, erklärt Löffelhardt. Es verliert den Großteil seiner Gene, viele davon werden im Zellkern der Wirtszelle heimisch. Die Produkte dieser Gene müssen dann durch einen speziellen Transport-Mechanismus wieder in den Endosymbionten geliefert werden, der sich mittlerweile zu einem photosynthetisch aktiven Zellbereich (Organelle) entwickelt hat.

Überraschend für Löffelhardt war, dass die einzellige Cyanophora-Alge nicht so primitiv ist, wie sie auf den ersten Blick aussehen mag. Sie hat ein relativ kleines Erbgut, auf dem aber mit knapp 28.000 Genen mehr sitzen als beim Menschen. "Es beinhaltet eine einzigartige Kombination aus altertümlichen, neuen und 'geborgten' Genen", schreiben die Wissenschafter rund um Dana Price von der Rutgers University in New Brunswick (US-Bundesstaat New Jersey), "der Zellkern von Cyanophora stellt also ein genetisches Mosaik dar, ähnlich dem Erbgut anderer Pflanzen." (APA, red)

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Posting 1 bis 25 von 45
1 2
Dramaqueen
50
20.2.2012, 21:25
Es gibt sie seit 20 Jahren auch bei uns, als Nahrungsergänzung!

Die lange DNA dieser Cyanobakterien (AFA-Algen) hilft auch unseren Zellen sich zu regenerieren:

http://www.algavital.com/New/start... =1&spkz=dt

matthias_87
11
20.2.2012, 15:48
wann Gott das nicht gemacht hätte würde es uns wohl kaum geben

:)

Gonga
 
00
21.2.2012, 15:22

photosynthetisierst du?

:-)

Hippo Krates
 
00
21.2.2012, 13:13

danke für den erklärenden smilie zum schluss -- mein blutdruck war grad dabei durch die schädeldecke zu schießen...

Der Artikel gefällt mir
03
18.2.2012, 10:21
Wie beschliesst eine Zelle, etwas absichtlich nicht zu verdauen?

Und kann ich das auch: wenn ich etwas esse, das mit gut tut, es einfach nicht verdauen, weil ich es einfach so beschliesse, mit Fingerschnippen, es nicht zu verdauen?

Oder umgekehrt: könnte ich zB Gift schlucken, und meine Zellen beschliessen dann, es nicht zu verdauen, weil es für mich schädlich ist? Das wäre schon praktisch!

Funktioniert Evolution wirklich so?

''Man soll die Dinge so einfach wie möglich sagen, aber nicht einfacher!'' Albert Einstein

dirry
00
19.2.2012, 17:02
selektive verdauung

ähnliches gibt es tatsächlich auch beim menschen. zwar wird alles verdaut, der körper kann durch hormone steuern ob bestimmte nährstoffe aufgenommen werden oder nicht. das allerdings nur mit nahrungsmitteln die (relativ) unverarbeitet sind. also obst und gemüse.

und ja, auch gift verträgt der körper, solange die menge nur klein genug ist.

grandw
00
18.2.2012, 13:46

Es ist wohl eher so, dass es dauernd Mutationen gibt und manchmal eine davon ein Vorteil ist.

Was ein Vorteil ändert sich aber auch im Laufe der Zeit.

ilbe1
11
18.2.2012, 13:42
halbwissen ist manchmal weniger hilfreich

Im Buch "Geschichte des Ursprung des Lebens" von Dawking bekommst du es erklärt.

Und wenn du nicht ein unbelehrbarer Kreationist bist, wirst es verstehen, sonst nie.

Der Artikel gefällt mir
00
19.2.2012, 12:14
Ironie ist in posting-foren offenbar heikel:

hier bitte: <ironie-tag>

p.S.: Der Mann, dessen Buch Sie mir anempfehlen heißt noch immer ''DawkinS''! http://de.wikipedia.org/wiki/Rich... rd_Dawkins

R58
00
13.3.2012, 15:38
Noch ein "S" vergessen" :

"Geschichte des UrsprungS des Lebens"

denk mal
01
18.2.2012, 18:04
Während das Namedropping "Dawking" Sie jetzt als Doppelwissenden outet!

Juergen84
 
01
18.2.2012, 16:38

Vielleicht hätte er seinen Beitrag mit Ironie-Tags versehen sollen, dann hättest du ihn auch verstanden ;)

curricula
00
18.2.2012, 10:14
Sie werden assimiliert werden .Widerstand ist zwecklos.

her wig
00
18.2.2012, 09:22

Zum Glück haben solche Mechanismen für GMO keinerlei sicherheitsrelevante Bedeutung.

West Hampstead
00
17.2.2012, 22:14

Freut mich auf jeden Fall fuer den Wolfgang Loeffelhardt, dass er ein Science Paper hat.

AndiBacher1985
173
17.2.2012, 19:24

ist jetzt nicht unbedingt eine neue erkenntnis für den interessierten Laien. Aber gut dass derstandard das trotzdem auch für die Allgemeinheit unter die Leute bringt.

twertwert
02
17.2.2012, 23:06
So wie ich das verstanden habe..

..hat man neue Forschungsergebnisse zu der bereits bekannten Theorie der Endosymbiose.

Dramaqueen
00
20.2.2012, 21:26
aber bekannt ist, dass alle Pflanzen aus diesen Cyanobakterien hervorgingen!

Magic Washroom
312
17.2.2012, 20:30

wow! sie wissen also jetzt schon mehr, als die forscherInnen die gerade aktuell daran forschen - erstaunlich. das thema ist - wenn man es so martialisch ausdfrücken will - die front der erforschung des unbekannten, aber der gute AndiBacher1985, der normalerweise wissenschaft und forschung verteufelt, der weiss schon vorher bescheid. gratulation!

wassoll's
00
21.2.2012, 09:55

ich hab das vor 10 jahren auch schon in der schule gelernt ;-)

... vielleicht waren die wissenschaftler ehemalige glaeubige die sich erst vor kurzem vom kreationismus weg und der wissenschaft zugewandt haben!?
...und jetzt "von allein" draufgekommen sind.
"sehr brav" eigentlich

NONE
01
18.2.2012, 10:55

Er hat zwar rot bekommen, auch von mir, aber in einem Punkt gebe ich dir nicht Recht:

Dieser Artikel hat keine ERKLÄRUNG gegeben sondern postuliert das es so oder so war, ohne das er einen BEWEIS erbringen kann.

Ich zweifle die Endosymbiontentheorie nicht an, sie ist logisch. Alleine der Gentransfer zwischen den beiden Genomen ist evident.

Aber so wie der Artikel es suggerieren möchte, ohne das er dies erklärt, ist einfach unbrauchbar für die Wissenschaft. Sorry.

fauler Student
01
17.2.2012, 23:01

Mach dir keine Mühe, dass der nicht ernst genommen werden kann, stellt er permanent unter Beweis.

Cthulluh
03
17.2.2012, 17:18

Zitat "bloß ein einziges Mal passiert, dass ein geeigneter Protist (ein Einzeller mit Zellkern und Mitochondrien)" - jetzt frage ich mich, wann - offenbar um einiges früher - hat sich der Stamm-Urprotist die ebenfalls zuvor eigenständige Ur-Mitochondrien-Bakterie einverleibt?

Dramaqueen
00
20.2.2012, 21:28
eigentlich war es schon vor 3,5 Milliarden Jahren, dass Cyanobakterien H2O spalteten

und dieses eine O bildete über Jahrmilliarden die Atmosphäre, die erst Leben an Land ermöglichte.

Cthulluh
00
21.2.2012, 09:53
Cyannobakterien sind aber Prokaryoten,

die hat es natürlich schon viel früher gegeben. Im Artikel geht es aber um Eukaryoten, welche - anders als die kernlosen Cyanobakterien - einen Zellkern aufweisen und mittles Mitochondrien zum Sauerstoff-Stoffwechsel fähig waren. Mitochondrien konnten sich erst entwickeln, nachdem die Cyanobakterien genügend Sauerstoff hergestellt hatten.

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