Moniz übernimmt Verantwortung für "Katastrophe"

17. Februar 2012, 13:13
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Bullen-Dompteur kritisiert fehlendes Aufbäumen nach frühem Rückstand und verteidigt seine optimistische Taktik - Am Sonntag gegen Sturm

Salzburg - Metalist Charkiw ist für Red Bull Salzburg eine Nummer zu groß. Mit dieser bitteren Erkenntnis und praktisch ohne Aufstiegschance reisen die Salzburger nächste Woche in die Ukraine. Die Bullen waren am Donnerstag bei der 0:4-Heimniederlage gegen Charkiw chancenlos. "Es war eine Katastrophe, was wir gezeigt haben", gestand Salzburg-Trainer Ricardo Moniz nach dem Hinspiel in der Europa-League-Runde der letzten 32.

Moniz will dennoch mit dem bestmöglichen Team nach Charkiw reisen. Zuvor gilt es aber, die Mannschaft für den verspäteten Ligastart ins Frühjahr am Sonntag gegen Meister Sturm Graz aufzubauen. "In schlechten Zeiten lernt man den Charakter kennen", erklärte Moniz. "Ich übernehme die Verantwortung dafür." Zumindest in der Liga fehlen den Salzburgern bei einem Spiel weniger nur drei Punkte auf Tabellenführer Rapid Wien.

Frühe Aufgabe

Der Traum vom ersten Europacup-Achtelfinale der Red-Bull-Ära ist allerdings so gut wie ausgeträumt. Für die Bullen setzte es ausgerechnet im bisher größten Saisonspiel die höchste Niederlage ihrer Europa-League-Geschichte. Moniz kritisierte vor allem das fehlende Aufbäumen nach einem schnellen Rückstand nach kapitalem Fehler von Innenverteidiger Douglas. "Wir haben zu früh den Kopf hängen gelassen", meinte der Niederländer. "Wir hätten noch 89 Minuten Zeit gehabt, um das zu reparieren."

Mental sei sein Team immer schwächer geworden. "Wir haben nicht mehr daran geglaubt", sagte Moniz. "Das hat mich am meisten enttäuscht." Drei weitere Gegentore waren die Folge. Auf seine optimistische Taktik mit kaum gelernten Defensivkräften führte der Salzburg-Trainer das nicht zurück. "Wir haben fußballerisch keine Chancen kreiert", so der 47-Jährige. In der Gruppenphase gegen Paris St. Germain und Bilbao habe sein Team noch viel mehr Widerstand geboten.

Moniz überrascht

Die Südamerika-Auswahl aus Charkiw ließ keine Minute lang Zweifel daran aufkommen, wie der Aufsteiger heißen wird. "Das war eine überragende Vorstellung von Metalist. Aber dass der Unterschied so groß war, war eine Überraschung", gestand Moniz. "Sie waren auf allen Ebenen zu stark für uns - taktisch, technisch und in der Schnelligkeit."

Daran konnte auch das Debüt von Stürmer Jonathan Soriano nichts ändern. Der Spanier, der vom FC Barcelona B nach Salzburg gewechselt ist, sah kaum Bälle und blieb wirkungslos. "Immer dem Ball nachlaufen zu müssen, das ist er nicht gewöhnt gewesen", sagte Moniz. "Es tut mir extrem leid für ihn, er hat sich sicher ein besseres Debüt vorgestellt."

Löcher in der Defensive

Schwer wog nicht nur das Blackout von Douglas, sondern auch der Ausfall der Teamspieler Christoph Leitgeb und Franz Schiemer. Dazu schied mit David Mendes ein weiterer Defensivspieler zur Pause mit einer Oberschenkelverletzung aus. Kapitän Leitgeb fehlt wegen eines Ödems im Knie auch gegen Sturm, Schiemer könnte trotz Mittelfußprellung zurückkehren.

Ersatzmann Stefan Hierländer wirkte als rechter Außenverteidiger mehrmals überfordert. "Wir haben zu viele dumme Fehler gemacht", gestand der 21-Jährige. "In der ganzen Mannschaft war der Hund drinnen, das war kollektives Versagen." Trotzdem waren die Spieler bemüht, sich an den Strohhalm zu klammern und auf ein Wunder zu hoffen. "Wir müssen uns um 300 Prozent steigern und hoffen, dass Charkiw einen schlechten Tag erwischt", sagte Mittelfeldspieler Simon Cziommer. "Wir haben ganz einfach etwas gutzumachen." 

8.100 enttäuschte Zuschauer

Die lediglich 8.100 Zuschauer, die trotz Sonderaktionen gekommen waren, quittierten die Leistung mit einem Pfeifkonzert - und zum Teil mit höhnischen Sprechchören. Schon Anfang Dezember gegen PSG waren nicht mehr Fans ins Stadion gekommen. "Wir haben offensichtlich einiges zu reparieren", meinte Moniz. Die nächste Chance hat sein Team bereits am Sonntag gegen Sturm. (APA)

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    ... Verzweiflung.

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