"Platonov" des Burgtheaters und "Faust I+II" der Salzburger Festspielen unter den zehn ausgewählten Inszenierungen
Wien/Berlin - Zwei österreichische Inszenierungen sind beim
prestigeträchtigen Berliner Theatertreffen 2012 vertreten. Sowohl die
Burgtheater-Produktion von Anton Tschechows "Platonov" unter der
Regie von Alvis Hermanis als auch Nicolas Stemanns Inszenierung von
"Faust I+II" für die Salzburger Festspiele in Kooperation mit dem
Thalia Theater Hamburg zählen zu den zehn "bemerkenswertesten" Werken
der vergangenen Saison, die zum von 4. bis 20. Mai abgehaltenen
Festival eingeladen werden, wie die Berliner Festspiele am
Freitag mitteilten.
Sieben Theaterkritiker hatten in der Schlusssitzung am Donnerstag die Produktionen
aus rund 430 Inszenierungen des deutschsprachigen Raumes ausgewählt. Die Jury bestand aus Vasco Boenisch, Anke Dürr, Ulrike Kahle-Steinweh, Ellinor
Landmann, Christoph Leibold, Christine Wahl und Franz Wille.
Die neue Leiterin des
Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, sieht in dem Ergebnis "ein
Festival der Neuzugänge und Extrempositionen". Mit u.a. Alvis
Hermanis ("Platonov") oder Lukas Langhoff "geben viel diskutierte
Künstler ihr Theatertreffen-Debüt, die mit ihren künstlerischen
Handschriften die aktuelle Theaterlandschaft prägen". So schaffe etwa
Hermanis "hypernaturalistische Welten hinter der vierten Wand".
Zu den Debütanten zählen auch die Performancegruppe Gob Squad mit
"Before Your Very Eyes" sowie Regisseur Milo Rau ("Hate Radio").
Beide vertreten mit Koproduktionen das Berliner Theater Hebbel am
Ufer beim Theatertreffen. Ebenso zweimal gelistet sind die Münchner
Kammerspiele mit Johan Simons Inszenierung von "Gesäubert / Gier /
4.48 Psychose" (von Sarah Kane) und Karin Henkels
Shakespeare-Aufführung von "Macbeth".
Gleich dreimal und damit am häufigsten vertreten ist die Berliner
Volksbühne. Sie bringt "Die [s]panische Fliege" unter der Regie von
Herbert Fritsch und Rene Polleschs "Kill your Darlings! Streets of
Berladelphia" ebenso nach Berlin wie die zehnstündige Ibsen-Saga
"John Gabriel Borkman", eine Gemeinschaftsproduktion des
deutsch-norwegischen Regiekollektivs Ida Müller/Vegard Vinge/Trond
Reinholdtsen. Ebenfalls mit Henrik Ibsen eingeladen ist Regisseur
Lukas Langhoff, der mit seiner Inszenierung von "Der Volksfeind" am
Theater Bonn die illustre Runde komplettiert.
Das Theatertreffen wird am 4. Mai im Haus der Berliner Festspiele
eröffnet und bietet neben den zehn ausgewählten Inszenierungen auch
ein Rahmenprogramm mit Diskussionen, Preisverleihungen, Konzerten und
Partys. Gelegenheit für Austausch und Vernetzung junger Theatermacher
soll durch verschiedene Plattformen wie dem Stückemarkt, dem
Internationalen Forum sowie einem Theatertreffen-Blog gegeben werden. (APA)
- "Faust I+II" von Johann Wolfgang von Goethe, Regie: Nicolas Stemann, Salzburger Festspiele / Thalia Theater, Hamburg
- "Platonov" von Anton Tschechow, Regie: Alvis Hermanis, Burgtheater, Wien
- "John Gabriel Borkman" von Henrik Ibsen, Regie: Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin / Nordwind Platform und Festival u.a.
- "Kill your Darlings! Streets of Berladelphia" von René Pollesch, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
- "Die [s]panische Fliege" von Franz Arnold und Ernst Bach, Regie: Herbert Fritsch, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
- "Before Your Very Eyes" von Gob Squad, Gob Squad / Campo, Gent / Hebbel am Ufer, Berlin u.a.
- "Hate Radio" von Milo Rau, International Institute of Political Murder, Berlin, Zürich / Hebbel am Ufer, Berlin u.a.
- "Gesäubert / Gier / 4.48 Psychose" von Sarah Kane, Regie: Johan Simons, Münchner Kammerspiele
- "Macbeth" von William Shakespeare, Regie: Karin Henkel, Münchner Kammerspiele
- "Ein Volksfeind" von Henrik Ibsen, Regie Lukas Langhoff: Theater Bonn