Berliner Theatertreffen mit zwei österreichischen Beiträgen

17. Februar 2012, 12:52

"Platonov" des Burgtheaters und "Faust I+II" der Salzburger Festspielen unter den zehn ausgewählten Inszenierungen

Wien/Berlin - Zwei österreichische Inszenierungen sind beim prestigeträchtigen Berliner Theatertreffen 2012 vertreten. Sowohl die Burgtheater-Produktion von Anton Tschechows "Platonov" unter der Regie von Alvis Hermanis als auch Nicolas Stemanns Inszenierung von "Faust I+II" für die Salzburger Festspiele in Kooperation mit dem Thalia Theater Hamburg zählen zu den zehn "bemerkenswertesten" Werken der vergangenen Saison, die zum von 4. bis 20. Mai abgehaltenen Festival eingeladen werden, wie die Berliner Festspiele am  Freitag  mitteilten.

Sieben Theaterkritiker hatten in der Schlusssitzung am Donnerstag die Produktionen aus rund 430 Inszenierungen des deutschsprachigen Raumes ausgewählt. Die  Jury bestand aus Vasco Boenisch, Anke Dürr, Ulrike Kahle-Steinweh, Ellinor Landmann, Christoph Leibold, Christine Wahl und Franz Wille.

Die neue Leiterin des Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer, sieht in dem Ergebnis "ein Festival der Neuzugänge und Extrempositionen". Mit u.a. Alvis Hermanis ("Platonov") oder Lukas Langhoff "geben viel diskutierte Künstler ihr Theatertreffen-Debüt, die mit ihren künstlerischen Handschriften die aktuelle Theaterlandschaft prägen". So schaffe etwa Hermanis "hypernaturalistische Welten hinter der vierten Wand".

Zu den Debütanten zählen auch die Performancegruppe Gob Squad mit "Before Your Very Eyes" sowie Regisseur Milo Rau ("Hate Radio"). Beide vertreten mit Koproduktionen das Berliner Theater Hebbel am Ufer beim Theatertreffen. Ebenso zweimal gelistet sind die Münchner Kammerspiele mit Johan Simons Inszenierung von "Gesäubert / Gier / 4.48 Psychose" (von Sarah Kane) und Karin Henkels Shakespeare-Aufführung von "Macbeth".

Gleich dreimal und damit am häufigsten vertreten ist die Berliner Volksbühne. Sie bringt "Die [s]panische Fliege" unter der Regie von Herbert Fritsch und Rene Polleschs "Kill your Darlings! Streets of Berladelphia" ebenso nach Berlin wie die zehnstündige Ibsen-Saga "John Gabriel Borkman", eine Gemeinschaftsproduktion des deutsch-norwegischen Regiekollektivs Ida Müller/Vegard Vinge/Trond Reinholdtsen. Ebenfalls mit Henrik Ibsen eingeladen ist Regisseur Lukas Langhoff, der mit seiner Inszenierung von "Der Volksfeind" am Theater Bonn die illustre Runde komplettiert.

Das Theatertreffen wird am 4. Mai im Haus der Berliner Festspiele eröffnet und bietet neben den zehn ausgewählten Inszenierungen auch ein Rahmenprogramm mit Diskussionen, Preisverleihungen, Konzerten und Partys. Gelegenheit für Austausch und Vernetzung junger Theatermacher soll durch verschiedene Plattformen wie dem Stückemarkt, dem Internationalen Forum sowie einem Theatertreffen-Blog gegeben werden.  (APA)

  • Die Auswahl für Berlin

- "Faust I+II" von Johann Wolfgang von Goethe, Regie: Nicolas Stemann, Salzburger Festspiele / Thalia Theater, Hamburg
- "Platonov" von Anton Tschechow, Regie: Alvis Hermanis, Burgtheater, Wien
- "John Gabriel Borkman" von Henrik Ibsen, Regie: Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin / Nordwind Platform und Festival u.a.
- "Kill your Darlings! Streets of Berladelphia" von René Pollesch, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
- "Die [s]panische Fliege" von Franz Arnold und Ernst Bach, Regie: Herbert Fritsch, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
- "Before Your Very Eyes" von Gob Squad, Gob Squad / Campo, Gent / Hebbel am Ufer, Berlin u.a.
- "Hate Radio" von Milo Rau, International Institute of Political Murder, Berlin, Zürich / Hebbel am Ufer, Berlin u.a.
- "Gesäubert / Gier / 4.48 Psychose" von Sarah Kane, Regie: Johan Simons, Münchner Kammerspiele
- "Macbeth" von William Shakespeare, Regie: Karin Henkel, Münchner Kammerspiele
- "Ein Volksfeind" von Henrik Ibsen, Regie Lukas Langhoff: Theater Bonn

ichwillandieburg
00
18.2.2012, 11:02
"das geldstück" 2013 beim theatertreffen?

das finale geht ins finale. "das duell" jetzt online auf: facebook.com/ichwillandieburg

Ignaz Hronek
31
17.2.2012, 15:13
Nicht österreichisch

Weder Platonov noch der Faust sind irgend österreichische Beiträge; Faust eine Thalia-Produktion, von Salzburg mitfinanziert; und Platonov des (ganz sachlich gesagt) durch und durch deutschen Burgtheaters (mit rund drei österreichischen Schauspielern — das gibts ja an fast allen deutschen Theatern: ein paar Österreicher).

Antagonist1
00
18.2.2012, 00:46
Missverständnis?

Es geht bei diesem Treffen doch nicht um nationale Präsentation, es geht um die an deutschsprachigen Bühnen gebotene Qualität. Die mag in Frage zu stellen sein, aber doch nicht die Auswahl der Werke bzw. Autoren....

Florian Brandner1
00
18.2.2012, 08:35
Dass ich mit Ihnen einmal die Meinung teile :-)

Florian Brandner1
11
18.2.2012, 00:23
Richtig

das heisst kein Verdi mehr auf Öaterreichs Bühnen, kein Goethe, kein Beethoven, kein Kaffee mehr in den Pausen, österreichische Bühnen den Österreichern.

Hallo?!?

IchbinIch5
21
17.2.2012, 19:19

Richtig - denn es ist ja viel besser, wenn der Russe Cechov von einem Österreicher inszeniert wird, nicht von einem bösen Letten, wo kommen wir denn da hin! (Achtung, Ironie-Alarm!) Kunst ist international - und mir ist herzlich egal, wo ein Martin Wuttke auf die Welt gekommen ist, wenn er einen tollen Platonov spielt. Was er getan hat, wie ich finde!

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