EU gespalten zu Verpflichtung

17. Februar 2012, 12:30
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Vivane Reding zog ernüchternde Bilanz: Nur zwölf Prozent in den ChefInnenetagen sind weiblich - Unterstützung kommt von Heinisch-Hosek

Brüssel - Die Europäische Union ist gespalten in der Frage, ob der Frauenanteil in Führungsposten in Unternehmen notfalls mit gesetzlichen Quoten ausgebaut werden soll. Bei einem EU-Sozialministerrat am Freitag in Brüssel plädierten Österreich, Frankreich und Belgien für einen solchen Schritt auf europäischer Ebene, während sich etwa Schweden, Lettland und Zypern klar dagegen aussprachen. Auch Großbritannien und Deutschland zeigten sich skeptisch zu verbindlichen Quoten.

Die zuständige EU-Justizkommissarin Viviane Reding zog eine ernüchternde Bilanz: Der Frauenanteil an Unternehmensvorständen betrage in der EU durchschnittlich nur 12 Prozent, sagte sie. "Damit werden Talente verschwendet." Dies könne sich die EU in Zeiten der Krise nicht erlauben. Alle Studien aus der Wirtschaftswelt würden zeigen, dass Unternehmen, in denen mehr Frauen vertreten seien, profitabler seien und mehr Arbeitsplätze schaffen.

Klare Unterstützung von Heinisch-Hosek

Der stellvertretende ständige Vertreter Österreichs bei der EU, Harald Günther, sagte, Österreich unterstütze verpflichtende Maßnahmen auf EU-Ebene. Es sollte rechtliche Mittel geben, wenn dies notwendig sei. In Wirklichkeit gebe es aber bisher keine merkliche Weiterentwicklung. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek habe Redings Initiative klar unterstützt. Günther sagte, in Österreich habe sich die Bundesregierung zu einer Frauenquote in staatsnahen Unternehmen verpflichtet. Bis Ende nächsten Jahres soll damit ein Anteil von 25 Prozent und bis Ende 2018 von 35 Prozent erreicht werden. Derzeit liege der Frauenanteil bei 21,5 Prozent.

Gescheiterte Selbstregulierung

Die Vertreterin Frankreichs erklärte, in ihrem Land seien alle Selbstregulierungsmaßnahmen der Unternehmen gescheitert. Seit 2011 gebe es gesetzliche Quoten, die zu merklichen Fortschritten geführt habe. Die Vertreterin Schwedens betonte dagegen, in ihrem Land gebe es einen 24-prozentigen Anteil von Frauen in Leitungsfunktionen in Unternehmen. Dies habe Schweden ohne Quoten erreicht. Es gehe vielmehr darum, dass Arbeit und Familie besser vereinbar sein müsse. Die Väter müssten auch mehr Verantwortung für die Kinderbetreuung übernehmen.

Der Vertreter Deutschlands erklärte, aus Sicht der Berliner Bundesregierung sollte die EU-Kommission bei Empfehlungen bleiben. Weitere Maßnahmen sollten im Sinne des Subsidiaritätsprinzips Sache der EU-Staaten bleiben. Bezüglich Quoten sei die Meinungsbildung in Deutschland noch nicht abgeschlossen. Auch die britische Vertreterin sagte, Premier David Cameron wolle zwar Quoten nicht von der Hand weisen, aber zunächst einmal auf positive Maßnahmen der Unternehmen setzen. In Großbritannien müssten ab Oktober die Unternehmen über ihre Personalpolitik Bericht erstatten und Informationen offenlegen. (APA)

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