Lawinenopfer waren mangelhaft ausgerüstet

17. Februar 2012, 12:06
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Alpinpolizei-Chef vermutet "Hausberg-Syndrom"

Graz - Die beiden am Donnerstag auf obersteirischen Bergen tödlich verunglückten Tourengeher, ein 56-jähriger Alpinpolizist und ein 25-jähriger Skisportler, waren trotz guter Ortskenntnis ohne Lawinenpieps und mit mangelhafter Ausrüstung unterwegs gewesen. Eine Art "Hausberg-Syndrom" vermutet der Leiter der steirischen Alpinpolizei Siegmund Schnabl: Beide Berge, die Mugel und der Zirbitzkogel, gelten als "Schlechtwetterberge", die "Locals" wie ihre Westentasche zu kennen glauben und auch bei schwieriger Wetterlage begangen werden.

"Bei der Wettersituation, mit Neuschnee und Verwehungen durch Sturm, sind Gefahrenstellen, die du zu kennen glaubst, schwer oder gar nicht zu erkennen", warnte Schnabl allgemein, bei einer derart prekären Lawinensituation - Warnstufe 4 - überhaupt die gesicherten Pisten zu verlassen. Dass man einen Lawinenpieps, wie im Fall seines Kollegen auch privat mitführt, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit: "Ich kann mir das nur mit dem Hausberg-Syndrom erklären." Die Einschätzung war falsch, der "Spaziergang" vom Rosenkogel zur Mugel (1.630 m), den der 56-Jährige mit seiner Frau vorhatte, endete für ihn tragisch. Konkret hätte in seinem Fall auch ein LVS-Gerät (elektronisches Gerät zur Lawinenverschüttetensuche, Anm.) nichts geholfen - der Mann war schon durch die mechanischen Kräfte des Schneebretts zu Tode gekommen.

"Keine Notfallausrüstung dabei"

Im Gegensatz zum erfahrenen Alpinpolizisten war das zweite Opfer, ein 25-jähriger Skisportler aus Obdach, als Tourengeher unerfahren. Einsatzleiter Richard Dullnigg vermutet, dass ein geübter Tourengeher den Bereich am Rande des Zirbitzkogels (2.366 m) gemieden hätte: "Er hat Standardverhaltensmaßnahmen nicht eingehalten und hatte keine Notfallausrüstung dabei." Doch auch er hätte, selbst wenn er einen Lawinenpieps mitgeführt hätte, nicht überlebt: Es gab keinen Hohlraum, der junge Sportler dürfte sofort erstickt sein.

Die Lawinensituation in der Obersteiermark wurde am Freitag als nach wie vor kritisch bezeichnet, nördlich der Mur-Mürzfurche herrschte Warnstufe 4. Voraussichtlich werde diese Lage auch das Wochenende über andauern, warnten die Experten. (APA)

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