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Mit dem ersten Glas fängt alles an, auch der schlimmste Exzess.
Es ist ein eher einfach gebautes Molekül: sechs Wasserstoff-, zwei Kohlenstoff-Atome und ein Sauerstoff-Atom. Ethanol, im Alltag schlicht Alkohol genannt, ist vermutlich das älteste Rauschgift der Menschheit, eine immer wieder umstrittene Substanz, fest verankert in unserer Kultur.
Mit dem ersten Glas fängt alles an, auch der schlimmste Exzess. Ein Krügerl Bier, ein Viertel Wein, und schon beträgt die Alkohol-Konzentration im Blut, je nach Körpergewicht, 0,3 bis 0,5 Promille. Die vollständige Aufnahme des Stoffs aus Magen und Darm dauert allerdings mindestens eine halbe Stunde. Als erfahrener Konsument spürt man bei solchen Werten noch keine Einflüsse. Aber sie sind da. Einschränkungen des Gesichtsfelds lassen sich nachweisen, auch das Konzentrationsvermögen ist bereits beeinträchtigt. Das Ethanol entfaltet seine toxische Wirkung vor allem an den Synapsen. Im Gehirn werden Neurotransmitter-Systeme gestört. Wenn dann noch weitere Gläser, vielleicht auch noch ein Schnaps zwischendurch, folgen, steigt der Alkoholpegel, überschreitet die Ein-Promille-Grenze.
Zwar wird vom Körper gleichzeitig auch Alkohol abgebaut und ausgeschieden, aber nur in einem Tempo von 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde. Inzwischen lockert sich die Zunge, mitunter sprudelt der Redefluss geradezu, euphorische Gefühle machen sich breit. Die Welt ist schön, oder zumindest fühlt sie sich gerade so an. Glückshormone wie Serotonin werden vermehrt ausgeschüttet. Ein nüchterner Beobachter entdeckt dafür bei trinkenden Menschen immer stärkere Anzeichen von Kontrollverlust. Es kommt zu Schwierigkeiten beim Anzünden einer Zigarette, der Gang zur Toilette wird leicht schwankend, und die Aufmerksamkeit schwindet zunehmend.
Immer betrunkener
Ab einem Alkohol-Blutwert von circa 1,5 Promille beginnt der echte Rausch. Bacchusjünger lallen immer stärker, sehen doppelt, fallen mitunter vom Stuhl. Aufstehen gelingt nur noch unter großen Schwierigkeiten. Das Erinnerungsvermögen setzt aus. Wer jetzt immer noch weitertrinkt und auf die Drei-Promille-Marke zusteuert, verliert irgendwann das Bewusstsein. Das Nervensystem wird vom Alkohol regelrecht gelähmt. Bei etwa vier Promille oder mehr besteht akute Lebensgefahr, es gibt jedoch auch immer wieder Personen, die bereits ab drei Promille der Tod ereilt.
Die allermeisten aber wachen nach einem schweren Suff am nächsten Tag zum Glück wieder auf - und leiden am berühmt-berüchtigten Kater mit all seinen Symptomen. Den Zecher plagen Kopfschmerzen und Übelkeit. Er ist dehydriert, hat großen Durst, fühlt sich oft trotz vieler Stunden Schlaf erschöpft. Die physiologischen Ursachen dieser Qualen sind durchaus komplex.
Hormone entgleisen
So stört Alkohol zum Beispiel die Produktion des Hormons Vasopressin, das für die Regulierung der Harnmenge verantwortlich ist. Deshalb fließt der Urin reichlicher, es kommt zu Flüssigkeitsverlust. Oft heißt es auch, der Elektrolyt-Haushalt des Körpers werde durch Ethanol aus dem Gleichgewicht gebracht, ihm fehlen nach einem Trinkgelage Salze. Dementsprechend gelten unter anderem Hering, Kraftbrühe und Mineralwasser als gute Kater-Bekämpfungsmittel. Mit Elektrolyt-infusionen lässt sich der Kater bei Alkoholvergiftung mildern.
So weit die kurzfristigen Folgen eines Rauschs, die keine bleibenden Verheerungen hinterlassen. Dauertrinkern drohen dafür bekanntlich allerlei medizinische Horrorszenarien wie Leberzirrhose, Krebs und bei Mangelernährung sogar das Korsakov-Syndrom, ein geistiger Totalschaden. Keine Frage also, dass exzessiver Alkoholkonsum ein ernsthaftes gesellschaftliches Problem darstellt - auch sozial und wirtschaftlich. " Fünf Prozent der erwachsenen Österreicher sind alkoholkrank", erklärt der Suchtforscher Alfred Uhl vom Wiener Anton-Proksch-Institut. Auf die gesamte Lebenszeit gerechnet beträgt das Erkrankungsrisiko gar zehn Prozent, so Uhl. Doch wo liegen die Ursachen? "Die Leute trinken zu viel, weil sie Grundprobleme haben." Viele, die später Alkoholprobleme bekommen, verwenden Ethanol quasi als Medikament, meint der Psychologe.
Wolfgang Dür, Soziologe am Ludwig Boltzmann Institute for Health Promotion Research pflichtet ihm bei. "Alkohol ist eine psychoaktive Substanz, mit der sich das Leben besser ertragen lässt." Die Betroffenen neigen zu "forciertem Entspannen". Die Wurzel des Alkoholmissbrauchs liege demnach in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die häufig zu starken Belastungen im Alltag führen. Für eine erfolgreiche Bekämpfungsstrategie müsste man "den Lebenskontext insgesamt anpacken", sagt Dür.
Auch Alfred Uhl meint: "Den Alkohol an sich für die Probleme verantwortlich zu machen bedeutet in den meisten Fällen, das Pferd von hinten aufzäumen."
Eine verbesserte Präventionspolitik muss in erster Linie Personengruppen wie die Belegschaften von Betrieben ansprechen, erklärt Wolfgang Dür. Zeitlich befristete, allgemeine Aufklärungskampagnen seien dagegen wenig erfolgversprechend. Gerade im Rahmen einer betrieblichen Gesundheitsförderung gibt es gute Chancen, den Leuten Stresskompetenzen zu vermitteln, ihnen zu helfen, mit Belastungen des Alltags zurechtzukommen, glaubt der Soziologe: "Das ist noch nie flächendeckend versucht worden." Familienorientierte Präventionsarbeit sei jedoch ebenfalls notwendig. Alfred Uhl fordert eine verstärkte und vor allem frühere Behandlung von psychischen Problemen, um der "Selbstmedikation" mit Ethanol vorzubeugen. Eine Verteufelung des Stoffs lehnen beide Experten ab. "Alkohol hat in unserer Gesellschaft auch viele positive kulturelle Wirkungen." (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2012)
Wissen: Wer ist alkoholkrank?
Die Menge macht's. Mehrere Studien weisen auf eine gesundheitsfördernde Wirkung mäßigen Alkoholkonsums hin. Herz und Kreislauf scheinen von geringen Dosen zu profitieren. Gering heißt: maximal 20 Gramm reinen Alkohols täglich, das entspricht in etwa einem halben Liter Bier oder einem Viertel Wein. Diese Menge bewegt sich unter der "Harmlosigkeitsgrenze", bei deren Einhaltung Gesunde langfristig kaum Schäden zu befürchten haben. Allerdings seien abstinente Tage überaus sinnvoll, betonen Ärzte.
Die "Gefährdungsgrenze" beginnt bei einem täglichen Konsum von 60 Gramm Alkohol für Männer oder 40 Gramm für Frauen. "Ab dieser Menge steigt das Gesundheitsrisiko so stark, dass es unverantwortbar ist", meint Suchtforscher Alfred Uhl. Alkoholverträglichkeit ist nicht nur geschlechtsspezifisch unterschiedlich, sondern auch individuell stark verschieden. Mancher verträgt einfach mehr als andere, dafür gibt es physiologische, konditionelle und sogar genetische Ursachen. "Man sollte fühlen, wenn es zu viel ist", meint Wolfgang Dür. Und rechtzeitig aufhören. Wo fängt Alkoholismus an? Feste Grenzwerte gibt es nicht. Dür: "Wenn man danach giert, jeden Tag Alkohol zu trinken, wenn es zu einem drängenden Gefühl wird, dann ist Abhängigkeit eingetreten." (deswa)
Das Risiko, an alkoholbedingten Krankheiten zu sterben, steigt mit zunehmender Dichte von Lokalen um den Wohnort
Belohnungssystem des Gehirns verändert sich während dieser Phase
Vor allem zur Reduzierung des weiteren Konsums - Behandelbare chronische Erkrankung - Rückfälle gehören dazu
Kopfverletzungen und Verletzungen der unteren Extremitäten sind oft Folgen von Gewaltausbrüchen nach Alkoholeinfluss
Erhöhter Stress am Ehrentag - Vor allem bei Männern steigendes Risiko für Unfälle durch hohen Alkoholkonsum
Bei hohen Umgebungstemperaturen birgt Alkoholkonsum besondere Gefahren für den menschlichen Organismus
Ein höherer Mindestpreis für alkoholische Getränke senkt die Zahl der Todesfälle deutlich, zeigt eine kanadische Studie
Ursache und Wirkung der Suchterkrankung in Alpbach diskutiert - Experte fordert Realisierung patientenorientierter Therapiekonzepte
5,5 Prozent der EU-Bürger haben ein akutes Problem - Allgemeinmediziner sollen Gefährdete erkennen, bevor Alkoholkrankheit daraus wird
Nicht die Promille sind dafür ausschlaggebend, wie betrunken ein Mensch ist - Vom Volksmund wird der Begriff "betrunken" irgendwo in der Mitte lokalisiert
Paradigmenwechsel in Therapie: Abstinenz nicht mehr das alleinige Ziel
Einer Innsbrucker Studie zufolge verbessert sich die Knochendichte bei alkoholabhängigen Patienten bereits nach einer achtwöchigen Abstinenz
Spray soll für Sekunden Gefühl der Trunkenheit vermitteln - Möglichkeit zu Alkoholkonsum ohne Nebeneffekte
Alkohol verändert die Selbstwahrnehmung - Menschen finden sich umso attraktiver, je mehr Alkohol sie konsumieren
Komasaufen gilt als eine der Hauptursachen für gewaltsame Ausschreitungen - Alkohol soll teurer werden
Alkoholabhängige Menschen haben Probleme, Erkenntnisse aus der Psychotherapie im Alltag umzusetzen
Das Risiko, an einer Leberzirrhose zu erkranken, hängt von vielen Faktoren ab
Etwa 19 Prozent seien dagegen "Bewältigungstrinker", die mit Hilfe des Alkohols versuchen, Probleme zu vergessen
Dieser Diskussion könne man aus gesundheitspolitischer Sicht etwas abgewinnen, meint Gesundheitsminister Stöger
Laut Experten kommen einige hundert Kinder jährlich mit Schädigungen durch den Alkoholkonsum werdender Mütter zur Welt
Eine Wohngemeinschaft in Wien bietet Lebensraum für Alkoholkranke und hat erstaunliche Erfolge
der österreichische grant und aufgehetzte hass gegen änderung besteht aus 50% hang over und 50% kurzentzug. das entspricht den interessen der gewaltherrschaft von 1% weltbevölkerung.
zukünftige geschichtsforscher werden distanzbedingt in der lage sein, den einfluss des alkohols auf unsere gesellschaftliche entwicklung zu erkennen, die hoffentlich doch nicht wieder in einem neuen welt(bürger)krieg enden wird.
man hat die soldateska seit undenklichen zeiten mit alkohol zu besinnungsloser brutalität hingejunkt.
heute ist es unmöglich, das klarzumachen, da 99% des abendländischen denkens unter alkoholeinfluss stattfindet, unter dem wir schon gezeugt werden. wir werden als akloholsucht-inklinierte individuen geboren.
Nicht dass ich generell widersprechen würde, aber DIESES Ausmaß und DIESEN Einfluß von Alkohol auf die Gesellschaft? Hm.
Es gibt nicht wenige Gegenden auf der Erde, wo NICHTS gesoffen wird und auch sonst keine Drogen dieser Art genommen werden.
Viel besser - konflikttechnisch - läuft's da auch nicht ab, oft sogar im Gegenteil.
Stimmt: Hanf erzeugt (statistisch gesehen) keine Gewalt, bloß (harmlose) Zombies... ;-)
"Statistisch gesehen" übrigens deshalb, weil Gras zu Psychosen führen kann, und Psychotiker sehr wohl auszucken können.
Stimmt NICHT: Gras ist sehr wohl giftig. Die hirnschädigende Wirkung ist nachgewiesen.
Man kann ewig drüber streiten, ob Alkohol oder Gras "schlimmer" seien. Gras ist dennoch bei weitem nicht so harmlos, wie es gerne dargestellt wird.
und erklärt wird alles mögliche nur nicht das. Die WHO definiert Alkoholkrankheit ganz genau und die genannten Kriterien von Dür sind nur ein kleiner Teil!
Für alle, die es interessiert, hier also die komplette Liste:
A cluster of behavioural, cognitive, and physiological phenomena that develop after repeated substance use and that typically include a strong desire to take the drug, difficulties in controlling its use, persisting in its use despite harmful consequences, a higher priority given to drug use than to other activities and obligations, increased tolerance, and sometimes a physical withdrawal state.
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