Phantom Salzstreuverbot

17. Februar 2012, 16:36
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Es könnte nicht schaden, das Thema Streusalz wissenschaftlich zu durchleuchten, etwa wie man mit halber Salzmenge einen ähnlichen Effekt erzielt

Während in kleineren Gemeinden das Salzstreuen aus Kostengründen oft stark reduziert wird, sieht es auf Autobahnen, Schnellstraßen und in Ballungsräumen im Winter aus, als gäbe es eine Mindestabnahmepflicht für Streusalz. Wenn in Wien ein Auto drei Tage an einem stark befahrenen Straßenstück steht, ist es mit einer dicken Salzkruste überzogen, genauso nach einer längeren Autobahnfahrt.

Gleichzeitig schnellen die Feinstaubwerte an den Messstellen in die Höhe, dass man etwa in Graz schon ab 13. Februar das Autofahren für den Rest des Jahres ganz einstellen müsste, weil die entsprechenden EU-Jahresgrenzwerte bereits überschritten sind (VCÖ). Auch vom Salzstreuverbot in Wien, das in der heutigen Form seit 2003 besteht, ist subjektiv nicht viel zu bemerken. Erstens gibt es viele Ausnahmen, zweitens kann es, wenn es richtig kalt ist, ganz außer Kraft gesetzt werden.

Streusalz wird zwar angefeuchtet, bevor es ausgebracht wird, weil es dann nicht verweht wird und besser wirkt, aber wenn es auftrocknet, ist der Salzstaub viel feiner und chemisch aggressiver und entsprechend gefährlicher als herkömmlicher Straßenstaub.

Klar, das Interesse, dass der öffentliche Verkehr unter allen Umständen funktioniert und die Transportwirtschaft ihrer Aufgabe nachkommen kann, liegt auf der Hand. Und die Sicherheit des Verkehrs muss natürlich auch gewährleistet werden. Es könnte aber nicht schaden, das Thema Streusalz wissenschaftlich zu durchleuchten, zum Beispiel wie man mit der halben Salzmenge einen ähnlichen Effekt erzielt, schließlich verdoppelt Streusalz mitunter den Bremsweg. Das Geld, das man in nur einer Woche einspart, wäre wahrscheinlich schon das Budget für eine ausführliche Untersuchung. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/17.2.2012)

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