Landau über Sparpaket: "Schonpaket für Multimillionäre"

17. Februar 2012, 11:28

Michael Landau, Direktor der Caritas Wien, sieht in Österreich einen "großen Grundwasserspiegel der Solidarität", warnt aber vor Neiddebatten auf dem Rücken der Schwächsten

Die Caritas hatte in den vergangen Woche alle Hände voll zu tun. Die klirrende Kälte machte besondere Hilfsmaßnahmen für Obdachlose notwendig. Für Michael Landau, Direktor der Caritas-Wien, war dabei vor allem die "Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft beeindruckend". 300 ehrenamtliche HelferInnen hätten sich gemeldet. Für Landau ist diese Hilfsbereitschaft "überwältigend" und macht deutlich, dass es in Österreich einen "großen, guten, Grundwasserspiegel der Solidarität und Mitmenschlichkeit" gebe.

In der aktuellen Diskussion ums Sparen sieht Landau die Gefahr, dass die Sorge um die Schwächsten in der Gesellschaft in den Bereich der Privatinitiative abzuwälzen. Er zeigt sich überzeugt, dass es einer Gesellschaft erst gut geht, wenn es ihren schwächsten Mitgliedern gut geht. Dahingehend hofft der Monsignore, dass die MindestpensionistInnen von der angekündigten Nulllohnrunde ausgenommen würden.

"Braves Sparen kann nicht alles sein"

Allgemein vermisst Landau beim Sparpaket den großen Wurf, "braves Sparen kann nicht alles sein". Das Sparpaket sei zwar nicht so schlecht, wie manche KritikerInnen meinen, allerdings auch nicht so gut, wie die Regierung glaubhaft zu machen versucht. Skeptisch sieht der Caritas-Direktor Einsparungen bei den Ermessensausgaben: "Da geht es um eine ganze Reihe wesentlicher sozialer Dinge", wie etwa die Finanzierung der Frauenhäuser oder der Notrufnummern. Landau warnt davor, dass in "diesen sozial sensiblen Feldern" Einschränkungen erfolgen. Gerade im sozialen Bereich ließe sich mit sehr geringen Einsparungen sehr viel Schaden anrichten.

Landau wünscht sich - ähnlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung - eine Art "Sozialverträglichkeitsprüfung" für die Maßnahmen des Sparpakets. Er habe den Eindruck, dass es sich beim Paket zum Teil um ein Schonpaket für Multimillionäre handle und dass schwächere Mitglieder der Gesellschaft überproportional stark betroffen sind. Vor einer Neiddebatte auf dem Rücken der Schwächsten warnt Landau. Wer von sozialen Hängematten spreche, habe "von der Wirklichkeit der Betroffenen keine Ahnung."

Der Caritas-Direktor vermisst sich eine klare soziale Zielsetzung der Politik. So wie es Maastricht-Kriterien gibt, wünscht er sich auch soziale Richtlinien auf österreichischer und europäischer Ebene. Ein solches Ziel könnte die Halbierung der Kinderarmut sein. (sab, derStandard.at, 17.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 30
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dakakadu
00
21.2.2012, 23:04
hier wird offensichtilich aus religiösen grüden

gegen landau gehetzt.
wäre er ein rabbiner, würden hier alle die solidarität mit den armen ausrufen.

www.solidarisch-gegen-unrecht.at
00
20.2.2012, 10:35

Wirklich konkret ist aber nur Schröpfung der Mittelschicht und Pensionisten mit rund 13.4 Milliarden, ein Drittel der von der Regierung beschlossenen Spar- und Steuermaßnahmen sind überhaupt nicht gesichert.
IM DETAIL:

Belastungen des kleinen Mannes:
Beamte 2,554 Milliarden
Pensionisten und Arbeitsmarkt 7,259 Milliarden
Halbierung Bausparverträge und Zukunftsvorsorge 2,200 Milliarden
Gesundheitsreform 1,372 Milliarden
SUMME 13,385 Milliarden

Belastungen der Vermögenden:
Umwidmungssteuer 1,500 Milliarden
Einschränkung des Vorsteuerabzuges 0,600 Milliarden
Solidarabgabe der Bestverdiener (ab 186.000pa) 0,440 Milliarden
SUMME 2,540 Milliarden

Hr. Landauer, was daran bezeichnen sie als nicht so schlecht ?

Demokrit 007
02
19.2.2012, 12:15
Es geht nicht um Köpfe !

Es geht um Vermögen! 10% der österr. Haushalte besitzen 300 Mrd. an Immovermögen. DIes können sie nicht auf den Schultern mitnehmen. Also muss / kann dieses Vermögen mit 1% p.a. versteuert werden. D.s nach Adam Riese 3 Mrd Steuereinnahmen p.a. Die Vermögenden spürens nicht - und viel Nützliches kann mit dem Geld geschehen. Verständlich ? Wer von Enteignung faselt, vergisst, dass man die Akkumulation von soviel Vermögen auch als Ergebnis von Enteignung verstehen. Capito ?

Bioberni31
01
18.2.2012, 17:34
7000 Reiche was redet Rauscher schon wieder ....

hat nicht vor kurzem erst eine Studie ergeben das Österreich eine Millionärsdichte hat wie Katar oder die Schweiz..und ob dort auch 12 % der Bevölkerung arm sind??

http://derstandard.at/130455338... ter-Stelle

Aber selbst wenns nur 1 Reicher ist, wenn der Vermögen besitzt wie der Onkel Dagobert dann lohnt es sich auch den zu besteuern, aber "Wirtschaftsjournalisten" wie Rauscher sind halt nicht unfähig beim Prozentrechnen...

Weil 1 x 1 % von 100.000.000 sind mehr als 20 x 2,5 % von 1.000.000...aber der Neoliberalismus verweigert ja sogar die Gesetzte der Mathematik, was will man auch von dieser esoterisch angehauchten Gruppe halten die an eine unsichtbare Hand glaubt...

Chris Quast
00
18.2.2012, 22:39

versuch es noch mal mit dem verstehen des von dir geposteten artikels !

kleiner tipp.

das Österreich eine Millionärsdichte hat wie Katar oder die Schweiz, stimmt nicht wirklich !!

mike1004
00
18.2.2012, 09:01
Wir bezahlen Steuern an die Banken

Wir bezahlen die Steuern (über den Umweg des Staates) an die Banken. Herr Landau.

Der Artikel gefällt mir
10
18.2.2012, 08:51
Ich finde essehr redlich vom Rau, den Direktor der Caritas zu interviewen.

Auch wenn er bei den ''vielleicht 7000'' Reichen einen anderen Standpunkt vertritt (weil Steuern dort seiner Ansicht nach nix bringen), gibt er jemandem mit andereren und überraschend profunden Ansichten Gelegenheit seine Sichtweise darzustellen! Das tun andere Journalisten nicht. (der Lingens bringt auch Gegenargumente zu seiner eigenen Position)

Diese Redlichkeit ist der Grund, warum ich Rau (noch) immer lese. mM

dakakadu
31
18.2.2012, 00:31
landau ist wirklich ein guter

ich hoffe die kirche hat noch mehr von diesen

im übrigen kann ich mich nur der meinung santa fe's anschliessen:
das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN

muss her, sonst werden wir ein 3.-welt-land in dem keiner leben möchte weil der faschismus die menschen total entwertet.

rari
15
17.2.2012, 19:54
Solidarität...

In Österreich gibt es eine zunehmende Entsolidarisierung. Hochbezahlte Meinungsmacher hetzen absichtlich Berufsgruppen und Bevölkerungsschichten gegeneinander um von wahren Ursachen abzulenken. Die irrationale Wut wächst und wird absichtlich geschürt. Nächstenliebe, Solidarität, Freiwilligkeit werden von so Sprüchen wie "Ich hab ja nichts zu verschenken" oder "Geiz ist geil" oder "Ich gönn Dir nix" von medial hoch gefeierten "Leistungsträgern" lächerlich gemacht. Wer will da heute schon ein "nützlicher Idiot" sein ?

Helmut Hromadnik21
 
22
17.2.2012, 19:34
LANDAU:...." Er habe den Eindruck, dass es sich beim Paket zum Teil um ein Schonpaket für Multimillionäre handle und dass schwächere Mitglieder der Gesellschaft überproportional stark betroffen sind. "....

Die ÖVP macht´s möglich, und was tut der Failmann, er grinst dazu.

sociovation
41
17.2.2012, 18:12
Ganz einfach, Herr Landau

Gehen Sie in die Kirchen und Pfarren und bringen Sie den Menschen bei, nicht mehr die ÖVP zu wählen.
Dann, Herr Landau, sind Sie WIRKLICH glaubhaft!

Helmut Hromadnik21
 
33
17.2.2012, 19:43
......."Dann, Herr Landau, sind Sie WIRKLICH glaubhaft!"......

Der LANDAU IST glaubhaft !

Die ÖVP ist das aller aller letzte.
Sie ist die partei der reichen, der egoisten und jener, die glauben etwas "besseres" zu sein.

Natürlich auch der bauern:
Dös woa oiwei scho so, wos onders hat`s no nia ned gem.

Nichtschweiger
 
65
17.2.2012, 16:23
Wenn es den Vielen in Österreich schlecht geht hat es die SPÖ verbockt....

...und nicht weil die Reichen zu wenig Steuern zahlen. Das Geld ist ausreichend vorhanden es wird DORT WO ES ANKOMMT ungerecht verteilt. Wenn der Häupl auf der einen Seite seine Beamten im Pensionssystem über das ohnehin schon privilegierte Beamten-System hinaus, besser stellt und das 130 Millionen pro Jahr kostet dann bestiehlt die Stadt Wien die Armen. Von einem Spitzenverdiener mit einem Höchststeuersatz (ab 60000) zu sagen du zahlst immer noch zu wenig ist schlicht gesagt auch eine Sauerei. Schlimm genug, dass karitative Organisationen dieses übele Spiel mit spielen. Ja, eine Vermögenssteuer gehört her - aber aufkommensneutral verrechnet mit EK-Steuern. Geld für die Armen durch Einsparungen bei den Privilegien, Verwaltung etc.

Nik M
00
18.2.2012, 09:58
as Geld ist ausreichend vorhanden es wird DORT WO ES ANKOMMT ungerecht verteilt.

Das scheint nicht zu stimmen. Raus Umverteilung I kann man entnehmen, dass Oe eine egalitaere Einkommenstruktur hat, und zwar ausschliesslich wegen den Sozialtransfers.

Nichtschweiger
 
20
18.2.2012, 16:32
Das widerlegt ja meine Aussage nicht!

Es kann ja statistisch gar nicht so fein aufgegliedert da es sich in allen Fällen um Durchschnittswerte handelt. Wer da im Detail was genau bekommt ist meines Erachtens nicht so exakt feststellbar.

17+4
73
17.2.2012, 15:43
hauptsache, was geredet

was soll dieser unbegründete Satz: "dass die Sorge um die Schwächsten in der Gesellschaft in den Bereich der Privatinitiative abzuwälzen",
soll er aufzählen, wo man sonst einsparen könnte, dass es einerseits was bringt und andrerseits er zufrieden ist.
Aber das hat er nicht getan.
Jedenfalls ist das Sparpaket kein Schonprogramm des Mittelstandes, denn der blutet wie immer am meisten.

prado
28
17.2.2012, 15:25
Caritas die einzige sinnvolle kirchliche Einrichtung

und Landau findet auch immer die richtigen sozialkritischen Worte

peu ou prou
21
17.2.2012, 16:33
ja

vielleicht gibts noch eine andere, die ich nicht kenne.
Die andere Seite der "Kirche" arbeitet nach dem Motto: "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott."
Bei der Kälte hiesse das: Gott gibt die Kälte und immt dir das Leben.

hutu pop1
12
17.2.2012, 15:12

super interview

danke

sehr intelligenter gesprächspartner

stop-making-sense
11
17.2.2012, 15:08
Der Herr Landau soll den Politikern endlich erklären,

dass es eine Sauerei ist, den Lohnempfängern steuerlich und über Gebühren bis zum geht nicht mehr "auszusackeln" und trotztdem brauchen wir eine Caritas weil der Staat anscheindend nicht mehr in der Lage ist für die Schwächsten in unserer Gesellschaft ausreichend zu sorgen.

Seria
27
17.2.2012, 15:07

Herr Landau,
was halten sie davon, daß die Kirche Grundsteuern zahlt und Bilanzen vorlegt?
Daß die Kirche ihr Personal selbst bezahlt?

Wäre doch mal ein Anfang, wenn man davon spricht dem Reichtum an den Kragen zu gehen und Dinge transparent zu gestalten.

Karam
22
17.2.2012, 19:12
Ganz so stimmt das nicht. Man muss schon genauer sein.

Die gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften sind von der Grundsteuer nur befreit für Grundbesitz der dem Gottesdienst, der Seelsorge, mildtätigen Zwecken und der Verwaltung dient.
Weiters sind noch viele andere Institutionen von der Grundsteuer für bestimmte Zwecke befreit: Körperschaften öffentlichen Rechts, die mildtätigen Organisationen, Feuerwehren, Sportvereine etc.
Keine Sorge, Herr Landau wird von der Kirche bezahlt und die Finanzberichte der Diözesen und Pfarren sind öffentlich.

sleepy
00
18.2.2012, 14:04
arme Kirche ...

1. Die Kirche ist vom Stiftungs- und Fondsgesetz ausgenommen. Es gibt eine Grundsteuerbefreiung für Gebäude, die etwa für Gottesdienste genutzt werden können. Steuerentgang: 53 Millionen pro Jahr !!!!

2. Kindergärten und Schulen Gehälter von Religionslehrern zahlt der Staat. Kirchen haben das Recht, konfessionelle Privatschulen zu betreiben. Es gibt etwa 335 katholische und 30 evangelische Schulen, -> deren Lehrergehälter und Erhaltungskosten der Staat (WIR) zahlt. 912 Mio !!!!

3. Medien Der ORF hat laut Vertrag Religionssendungen auszustrahlen. Die Initiative gegen Kirchenprivilegien hat berechnet, dass die gesendeten Minuten einem Wert von über 112 Millionen entsprächen.

.. hier zahlt der Staat (WIR) nur .. bekommt aber nichts zurück!

Karam
00
18.2.2012, 19:28
Milchmädchenrechnung

ad 1.) Okay, dann muss man eben auch Synagogen, Moscheen, buddhistische Tempel sowie Sportstätten etc. besteuern, die das auch betrifft.

ad 2.) Die Erhaltungskosten von konfessionellen und anderen Privatschulen haben die Träger, womit diese Schulen dem Staat sogar finanzielle Vorteile bringen. Die Lehrer an diesen Schulen würden sonst an staatlichen Schulen beschäftigt, was gleich viel kostet. Die Religionslehrer würden durch Ethiklehrer, die man bezahlen muss, ersetzt - bringt auch nichts.

ad 3.) Dann muss man allen, über die berichtet wird, die Minuten in Rechnung stellen: Unternehmen, Sportverbänden, Kulturorganisationen usw. und sogar Atheismus-Vertretern, die in Religionssendungen vorkommen ;-)

Seria
01
17.2.2012, 20:11

und wie werden die tausende Hektar Land und die Einkünfte daraus versteuert? Dient doch wohl nicht mildtätigen Zwecken und der Seelsorge, obwohl man sich großzügige Interprätationen durch Kirche und Schwarze durchaus vorstellen kann.

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