Wer immer strebend sich bemüht

17. Februar 2012, 10:40
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Der neue Hyundai i30 geht gerade noch als kompakt durch. Und begegnet der etablierten Konkurrenz aus Europa und Japan auf Augenhöhe

Es war ein geradezu faustisches Unterfangen. Vom belächelten, billigen Lowtech-Niemand rauf in den Olymp des Automobilbaus. Den etablierten, scheinbar unerreichbaren Herstellern aus Europa und Japan dereinst auf Augenhöhe begegnen, das wär' was. Im Falle Hyundai-Kia im Jahr des Herrn 1990: völlig undenkbar. 2000: Erholung nach Beinahepleite. 2012: Ziel erreicht. Und jetzt werden sie geerntet, die Früchte rastloser, konsequenter Arbeit. Wer immer strebend sich bemüht.

Dabei tummelt sich der i30 im härtesten überhaupt vorstellbaren Konkurrenzumfeld, kernkompetenter sind die Europäer (abgesehen vom deutsch dominierten Premiumbereich) vermutlich nirgendwo, VW Golf, Ford Focus, Opel Astra, Renault Mégane, Peugeot 308, Citroën C4, Fiat Bravo, Seat Leon, alles bekannte Namen, alles super Autos. Nur eben: Super kann Hyundai inzwischen auch.

In den meisten Bereichen unterscheidet sich der i30 - auch der Vorgänger war schon ein tüchtiges Auto - kaum mehr von seinen Gegnern, wenn, dann müsste man das nun mit dem Begriff Markenphilosophie belegen, Lenkung, Fahrwerk, Sitze-Seitenhalt etwa.

Erstaunlich fein ist die Innenraumanmutung, Kunststoffe können also doch gefällig wirken, das demonstrieren die Koreaner. Außerdem sind die gerade dabei, eine echte Markenidentität zu finden, außen wie innen sind die aktuellen Hyundais inzwischen ganz gut als genau solche zu erkennen.

Auch motorisch hat man gleichgezogen. Klar, in der leistungskonservativen 90- bis 135-PS-Palette würde man sich eine flotte Topmotorisierung à la Golf GTI (210 PS) wünschen, aber die Masse der Kundenwünsche ist schon mal befriedigt. Vorerst setzt man lieber Effizienzakzente, indem der i30 nämlich laut Normtest günstigstenfalls 3,7 l / 100 km konsumiert, ungünstigstenfalls 6,7. Besagter Optimalwert betrifft den 1,6-Liter-Diesel (110 und 128 PS) mit - oben lang übersetzter - 6-Gang-Schaltung und Start-Stop-Funktion, und diese ist Bestandteil des auch bei den anderen Aggregaten verfügbaren optionalen (350 €) Verbrauchsoptimierungspakets Bluedrive. Damit die Umwelt nicht den Blues kriegt. Oder so. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/17.2.2012)

  • Er ist ein echter Europäer, sagen die Koreaner: Konstruiert im Entwicklungszentrum Rüsselsheim, gestaltet vom deutschen Designchef Thomas Bürkle, gebaut im tschechischen Noschowitz.
    foto: stockinger

    Er ist ein echter Europäer, sagen die Koreaner: Konstruiert im Entwicklungszentrum Rüsselsheim, gestaltet vom deutschen Designchef Thomas Bürkle, gebaut im tschechischen Noschowitz.

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