Juden-Sager: Mölzer unterstützt in offenem Brief an Prammer "Meinungsfreiheit" des FP-Chefs
Wien - Andreas Mölzer verzichtet schweren Herzens auf seinen
Orden. In einem Brief an Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ)
teilt der FPÖ-EU-Abgeordnete mit, dass er auf die Verleihung des
Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik
Österreich verzichte. Als Grund gibt Mölzer an, dass Bundespräsident
Heinz Fischer FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache einen bereits von der
Regierung beschlossenen Orden verwehrt hatte.
Anlass für des Staatsoberhaupts ungewöhnliche Aktion waren
Aussagen Straches am Ball des Wiener Korporationsring, wo er
angesichts der Proteste gegen die Veranstaltung Ähnlichkeiten mit der
"Reichskristallnacht" geortet und die Freiheitlichen als die "neuen
Juden" bezeichnet hatte. Wiewohl der FPÖ-Chef betonte, dass die
Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen worden seien, weigerte sich
Fischer, die Ordensverleihung zu unterzeichnen.
"Nationalfreiheitliche Korporationen heutzutage eine Minderheit"
Deshalb sagt Mölzer nun Nein zur von Prammer wegen seiner
langjährigen Tätigkeit in Bundesrat und EU-Parlament vorgeschlagenen
Ehrung. Denn er unterstütze Straches Meinungsäußerung. Immerhin
deuteten die Ereignisse rund um den vergangenen WKR-Ball und die
folgenden Reaktionen darauf hin, "dass die farbentragenden,
nationalfreiheitlichen Korporationen heutzutage eine Minderheit sind,
welche mit Duldung, wenn nicht gar mit Billigung des
politisch-medialen Establishments verbaler und tätlicher Willkür
ausgesetzt ist".
"Sitzfleisch-Orden"
An sich hätte der EU-Abgeordnete seinen Orden schon gerne gehabt,
halte er Ehrenzeichen "als wertkonservativer Bürger" doch für eine
sinnvolle Sache. Auch die Verleihung von Ehrenzeichen an staatliche
Funktionsträger und Mandatare nach einer gewissen Funktionsdauer -
häufig belächelt als "Sitzfleisch-Orden" - halte er für eine
sinnvolle Usance, da hier in einem Akt formaler Fairness auch die
Vertreter oppositioneller und nonkonformistischer Gruppierungen
berücksichtigt würden. (APA)