Auf Stimmenfang um HP-Anhänger

17. Februar 2012, 09:25
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HP-Chefin Whitman fehlt noch die Vision, mit welchen attraktiven PC-Produkten sie die Konkurrenz im Zaum zu halten gedenkt

Auch wenn es für Meg Whitman 2010 nicht zum Gouverneursposten in Kalifornien reichte: Die Kunst der flammenden Rede hat die neue HP-Chefin im Wahlkampf gelernt. Nach ihrem ersten öffentlichen Debüt auf der HP-Discover im Herbst 2011 in Wien warb sie diese Woche vor einer für den IT-Konzern besonders wichtigen "Wählergruppe" um Vertrauen in die Zukunft des mehr als 70-jährigen IT-Urgesteins: den weltweit 200.000 Händlern, die etwa 70 Prozent von 127,2 Mrd. Dollar Umsatz (2011) von Hewlett-Packard lukrieren.

"Unsere DNA ist Infrastruktur."

"Bevor das im August passierte", sagte sie in Anspielung auf den gescheiterten Versuch ihres geschassten Vorgängers Léo Apotheker, die PC-Sparte zu verkaufen und HP einen Software-Stempel aufzudrücken, bevor also "das" passierte, "war HP der größte Anbieter von Informationstechnologie. Unsere DNA ist Infrastruktur. Wir machen 70 Prozent des Umsatzes mit Druckern, Servern, Speicher, Netzwerken, PCs und Workstations. Und das soll auch so bleiben. HP ist wieder da."

Aber auch wenn PCs und HP nun wieder wie Zwillinge zusammengehören sollen, mit welcher Produktstrategie sich das Unternehmen hier gegen den Wettbewerb in einem dank Tablet-Verkäufen schrumpfenden Markt behaupten will, wurde weder bei Whitmans Kampagnenrede noch auf der dreitägigen Konferenz deutlich.

Lenovo will Marktführer werden

Der chinesische PC-Hersteller Lenovo will heuer Marktführer bei PCs und Notebooks werden, vor HP, Dell und Acer. Und für den von Apples iPad dominierten, boomenden Tablet-Markt hat Hewlett-Packard nach dem Rausverkauf seines "TouchPad" durch Apotheker keine Produkte in absehbarer Zukunft. Todd Bradley, Chef der PC-Sparte, erklärte lediglich, dass sich der Hersteller hier auf Microsofts Betriebssystem Windows 8 konzentrieren würde.

WebOS auf dem Abstellgleis

Diesen Markt hätte WebOS bedienen sollen, das von Palm teuer erkaufte mobile Betriebssystem, das Apotheker wie PCs stanzen wollte. Whitman bekräftigte die im Dezember gefallene Entscheidung, WebOs nur noch als Open- Source-Projekt weiterzuführen. "Die Industrie braucht ein Open- Source-Betriebssystem. Apples iOS ist zwar großartig, aber in sich geschlossen. Und ich befürchte, dass Googles Android durch den Kauf von Motorola Mobility auch geschlossen wird." Es werde allerdings drei bis vier Jahre dauern, bis sich WebOS als Alternative etabliere, räumte sie ein.

Cloud Computing

Doch vielleicht war den HP-Händlern eine ganz andere Botschaft ohnehin wichtiger: nämlich dass sie auch im Zeitalter des Cloud Computing noch ihre Daseinsberechtigung haben. Whitman versprach ihnen hierfür weitreichende Unterstützung durch Zertifizierungs- und Qualifizierungsangebote, mit denen Händler dann aus den HP-Produkten maßgeschneiderte Lösungen für Kunden entwickeln.

Mindestens eine lautstarke Stimme erhielt "Meg" für diese Botschaft: "Wenn mich das nächste Mal jemand fragt, was für einen Eindruck ich von Meg habe, dann sage ich: She rocks!", ließ er das Publikum in der Frage- und Antwortrunde wissen.

Mitarbeiter mussten "Kopf hinhalten"

Doch nicht nur bei Händlern und Kunden will die Ex-Ebay-Chefin und Milliardärin Whitman das von ihrem Vorgänger verursachte "HP-Drama" vergessen machen: sondern auch bei 327.000 Mitarbeitern, "die dafür den Kopf hinhalten mussten". Dass sie den Konzern wieder zum von den Gründern Bill Hewlett und Dave Packard inspirierten "HP Way" einer egalitären Unternehmenskultur zurückführen will, demonstrierte sie unlängst auf sehr pragmatische Weise: Sie und die Führungscrew sind aus ihren separierten Chefbüros ausgezogen und arbeiten jetzt wie alle Mitarbeiter in einem nach oben offenen Kabäuschen im Großraumbüro, berichtet das Fachmagazin Computer Reseller News.

Niedergerissen wurde auch der Stacheldrahtzaun zwischen den Parkplätzen für die Geschäftsleitung und die Angestellten. (DER STANDARD Printausgabe, 17.2.2012)

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    Nachdem die Wähler ihr Angebot zur Sanierung des verschuldeten Kalifornien abgelehnt haben, kann Meg Whitman jetzt bei Hewlett-Packard zeigen, wie man aus dem Tal wieder herauskommt.

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