Vor Ort am Opernball

Carmen und Rockabilly in der Staatsoper

17. Februar 2012, 00:23
  • Glanz und Glamour haben den 56. Wiener Opernball dominiert. Der Ball war ganz zur Freude von Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh und "Hausherr" Dominique Meyer weniger Spektakel, dafür mehr "Ball der Künstler".

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    foto: reuters/foeger

    Mehrere Dutzend Fernsehteams aus der ganzen Welt berichteten vom "Ball der Bälle" aus der Wiener Staatsoper.

Mehrere Dutzend Fernsehteams aus der ganzen Welt berichteten vom "Ball der Bälle"

Wien - Quasi interaktiv ging es zu bei der Eröffnung: Das "Alles" kam von Ismet Özdek und Roman Svabek, die die Eröffnungszeremonie choreografiert haben. Das "Walzer" tönte ihnen dann vom Staatsopern-Parkett entgegen. 144 Debütantenpaare aus neun Ländern folgten der Aufforderung am Donnerstagabend beim 56. Staatsball am Ring. Zuvor begeisterte die Sopranistin Angela Gheorghiu mit Habanera aus Georges Bizets Carmen und I Could Have Danced All Night aus My Fair Lady. Die Musik steuerten die Philharmoniker unter der Führung von Georges Prêtre bei.

Draußen hinter den Absperrungen hatten sich bereits um 20 Uhr hunderte Schaulustige versammelt, die auf die Ankunft der Promis warteten. Einer der ersten auf dem Red Carpet war dann auch der Mann mit der Roten Kappe - Niki Lauda kam mit Ehefrau Birgit, ein paar Minuten nachdem der Einlass in die Oper begonnen hatte, sein erster Opernballbesuch seit zwanzig Jahren.
Die Securities kontrollierten die Ballgäste streng, was andererseits einen Vorteil hatte: Die tumultartigen Szenen der Vorjahre, als sich Fotografen über den Haufen rannten, um die Bilder der ankommenden Prominenten zu produzieren, sind passé.

Es war dies der zweite Ball unter Staatsoperndirektor Dominique Meyer. Aufreger-Eröffnungen à la Ioan Holender, seinem Vorgänger, der sich in einer Kutsche in den Ballsaal bringen ließ, gehören der Vergangenheit an. Die Stars und Schüler des Staatsopernballetts tanzten gemeinsam - auch das gibt es erst seit Meyer - zu den Kompositionen von Johann und Josef Strauß. Das Klimt-Jahr färbte den eigentlich mottofreien Opernball. 

Schwerpunkt Kunst und Kultur

Meyer und Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh wollten ihren Schwerpunkt, den Opernball mehr in Richtung von Kunst und Kultur zu lenken, heuer noch weiter vertiefen. Doch zusätzlich will Treichl-Stürgkh auch mehr „für die Jugend" machen: Durch das „Jugendzentrum" im sechsten Stock, wo DJs den Takt angaben.
Und durch das von Zoé By entworfene Plakat zur Nacht: An der schüchtern hinter dem Fächer hervorblickenden Ballerina irritiert nicht nur der Aufziehschlüssel im Rücken, sondern vielmehr die Rockabilly-Tätowierungen, die ihr Dekolleté zieren. 

Mehrere Dutzend Fernsehteams aus der ganzen Welt berichteten vom „Ball der Bälle". Und zeigten viele ältere Debütanten - wie Loddar und Bum-Bum. Das sind die Spitznamen des deutschen Rekord-Fußballnationalspielers Lothar Matthäus und des Tennisspielers Boris Becker. 

Und die waren nicht einmal in der Loge von Richard Lugner - dort war es aber ohnehin eng. Neben der knallrot gewandeten Dschungelkönigin Brigitte Nielsen nahmen auch Ex-James-Bond Roger Moore, das deutsche Sternchen Gina-Lisa Lohfink und Hans-Joachim Frey, der Veranstalter des deutschen Semper-Opernballs sowie die Enkelin von Charlie Chaplin, Oona Castilla Chaplin, Platz.
Der Baumeister erhielt übrigens unerwartet Unterstützung: Für Balletttänzerin Karina Sarkissova ist die Veranstaltung zwar ein Künstlerfest, „ohne Lugner und ohne Society geht es aber auch nicht". Und Treichl-Stürgkh winkte Lugner bei seinem Einzug live im TV sogar zu. 

Es kamen aber auch distinguiertere Gäste: Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon kam auf Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer, Kanzler Werner Faymann (SPÖ) hatte den kroatischen Ministerpräsidenten Zoran Milanoviæ in seiner Loge zu Gast. Und quittierte die Frage, ob in Zeiten des Sparpaketes ein Ballbesuch nicht ein wenig kontraproduktiv sei: „Wenn alle Veranstaltungen einen Gewinn wie der Opernball machen würden, wäre das der richtige Beitrag zum Sparen." Die Arbeitnehmer waren jedenfalls fleißig: Nur dreißig Stunden hatte die Opernball-Crew Zeit, um das Haus am Ring in einen weltöffentlichkeitstauglichen Ballsaal zu verwandeln. 500 Arbeiter waren mit der Metamorphose beschäftigt. Unterbeschäftigt blieb dagegen die Exekutive: Für Demonstranten hat der Ball seine Anziehungskraft verloren. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
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wizenstain
00
17.2.2012, 06:41
Für Demonstranten hat der Ball seine Anziehungskraft verloren

konservative demonstrieren nun einmal nicht auf der straße

Weiße Rose
30
17.2.2012, 08:08

Schade darum ... es hat jahrelang Demonstrationen gegeben ... was diesem sinnlosen Event wirklich Einhalt gebieten könnte, wäre keine Fernsehübertragung und keine Presse, dann würden die Logen sicherlich leer bleiben...

Proconsul
00
17.2.2012, 14:24

Als "Linker" muss man heutzutage scheinbar spassbefreit sein!

Es ist Fasching, das ist ein Fest mit Tanz und Musik und schrägen Vögeln, und Geld bringts auch noch ein für den Staat, also was solls......

Weiße Rose
00
17.2.2012, 20:34

den Satz mit "Linke(r)", fasse ich als Kompliment aus ...

Proconsul
00
18.2.2012, 02:11

Sehe mich auch als Linken, feiere aber trotzdem gerne! ;)

Tom.P
22
17.2.2012, 08:54

Sinnloser Event? Ein Event der bis nach Australien live übertragen wird und für Österreich super Marketing bedeutet. Wieso sagen sie sowas?

Frohe Weinnächte
 
22
17.2.2012, 09:47
weil das nicht jedermanns sache ist, so ein bild von seinem land in die welt transportiert zu haben.

Tom.P
10
18.2.2012, 09:27

Welches Bild würden Sie denn gerne kommunizieren? Ich glaub wir sind verdammt glücklich das wir die Geschichte haben, die wir haben. Und wenn andere das gut finden, warum es dann nicht auch promoten?

Frohe Weinnächte
 
11
19.2.2012, 20:03
schöne geschichte haben wir. da war ja niemand 1938 auf dem heldenplatz, oder? da waren auch keine kzs in mauthausen und gusen, oder? da wren auch keine österreicher in der ss, oder, höchstens ihre pferde...manno!

Weiße Rose
00
21.2.2012, 10:42

@Frohe Weinnächte, danke für Ihr Statement, alle weiteren Kommentare erübrigen sich...

Walter Kaiser.
00
17.2.2012, 12:24
Es gibt weitaus unsympathischere Bilder.

Was kennt die Welt von uns?

Neujahrskonzerte?
Opernball?
Schierfolge? (aber auch nur in wenigen Ländern)
Die Trappfamilie?
Kängurus?

hmmm ...

Weiße Rose
00
17.2.2012, 09:17

Wer profitiert denn vom Opernball? Sicher nicht jene, die es dringend brauchen würden...

Aso?Echt!
11
17.2.2012, 13:21

leute wie sie, die hier posten, z.B.

Walter Kaiser.
05
17.2.2012, 09:33
Natürlich: Das Budget. Das braucht das Geld ganz ganz dringend.

Und wer bezahlt: Die Reichen, die Firmen ...

Da reden wir von einer Reichensteuer - und wenn endlich einmal die "Reichen" freiwillig Geld abliefern, dann meckern auch wieder welche.

Mathias Steinlaus
 
13
17.2.2012, 08:47
.. sehr interessant...

... obwohl hier und in der Öffentlichkeit tausende MitbürgerInnen ständig betonen, wie sinnlos dieser Opernball in ihren Augen ist, fällt doch auf, daß sich diese Leute trotzdem sehr intensiv für dieses "sinnlosen Event" interessieren ...

Also für mich wäre die Zeit dort hinzugehen sinnvoller, als stundenweise in Foren und Blogs sich darüber aufzuregen ... ;-)

Weiße Rose
00
17.2.2012, 09:44

schwaches Argument... Lugner und Co bezahlen und profitieren gleichzeitig davon...

Walter Kaiser.
00
17.2.2012, 12:43
Das ist nun ein Argument wogegen genau?

Weiße Rose
00
17.2.2012, 12:50

Sorry, da hab ich mich vertippt, das hätte eigentlich Ihnen gelten sollen zum Thema Budget...

Walter Kaiser.
00
17.2.2012, 13:50
Ja, ok - und?

Dann versucht ein Lugner wirtschaftlich (und emotionell) zu profitieren und der Steuerzahler nimmt ordentlich Geld ein.

Sie können natürlich auch die Menschen der Gruft auf den Opernball schicken, ich hätt da auch nichts dagegen. Aber ob die von diesem Ballbesuch auch wirtschaftlich profitieren, wage ich zu bezweifeln.

Proconsul
00
17.2.2012, 14:26
Integrationsball

gibts eh auch, war ich sogar schon mal...

Weiße Rose
00
17.2.2012, 14:21

Sie haben sicher recht, aber das Leben lässt sich halt nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit reduzieren...

Walter Kaiser.
00
17.2.2012, 20:14
Also los:

Sie schrieben: "Wer profitiert denn vom Opernball? Sicher nicht jene, die es dringend brauchen würden..."

Von welchem Profit reden Sie also?

Weiße Rose
00
17.2.2012, 20:32

Bester Herr Kaiser, diesbezüglich haben Sie sich die (richtigen) Antworten ohnehin bereits selbst gegeben ... es geht wie üblich um Geld, Prestige, PR, ... und das für jene, die eh schon mehr als genug davon haben...

Weiße Rose
00
17.2.2012, 09:19

na, dann wünsche ich weltbeste Unterhaltung für den kommenden Opernball, vorausgesetzt, Sie können es sich leisten...

Mathias Steinlaus
 
00
17.2.2012, 13:28
Wer besseres zu tun hat ..

... geht weder auf den Opernball, noch hängt er stundenlang Online vor dem Computer rum und ärgert sich über den Opernball ... ;-)

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