Per Zufall ins Zentrum der (dunklen) Macht

Kopf des Tages16. Februar 2012, 19:48
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Nimmt sein Auffliegen als Erleichterung: Peter Hochegger

Ebenso geduldig wie umfassend antwortete Peter Hochegger im U-Ausschuss vier Stunden lang auf Fragen der Abgeordneten, ließ sich selbst von Peter Pilz nicht aus der Ruhe bringen. Der oberste Lobbyist des Landes entschlug sich trotz der zahlreichen Strafverfahren gegen ihn nicht der Aussage - im Gegenteil: Indem er frühere Polit-Granden wie Alfred Gusenbauer als Zahlungsadressaten nannte, handelte er sich Klagsandrohungen ein.

Das mag für Hochegger nebensächlich sein, fährt doch die Staatsanwaltschaft schwere Geschütze gegen den aus Mürzsteg stammenden Doktor der Wirtschaftswissenschaften auf. Rund um Telekom, Bundeswohnungen und Terminal Tower wird Hochegger mit Schmiergeldzahlungen in Zusammenhang gebracht.

Wie konnte der unauffällig wirkende, fast einer grauen Maus ähnelnde Stratege ins Zentrum eines mutmaßlichen Korruptionsnetzes gelangen? Begonnen hat alles mit der Beratungsfirma Hochegger & Partner, in der Bruder Paul lange Zeit mit von der Partie war. Der Klosterschüler machte sich mit überzeugenden Standpunkten bei Entscheidungsträgern einen Namen und aus der kleinen Agentur lange vor der schwarz-blauen Wende eine der führenden PR-Beratungen des Landes.

Dann kam die Zufallsbekanntschaft Walter Meischberger, den Hochegger mit einem Feuerlöscher verglich: "Wenn man ihn braucht, setzt man ihn ein." Gemeinsam sollen sie einen Masterplan aufgesetzt haben, wie die neuen Machtverhältnisse aus Sicht der eigenen Brieftasche bestmöglich zu nützen seien. Zupass kam Hochegger, dass er seit Jahren die Mobilkom kommunikativ betreute, deren Chef Heinz Sundt dann an die Telekom-Spitze avancierte und seinem PR-Mann neue Türen öffnete.

Alsbald vergrößerte "Meischi" dank besten Drahts zu Trauzeuge Karl-Heinz Grasser das geschäftliche Potenzial in Richtung Staatswirtschaft. Ob Buwog-Verkauf, ÖBB, Terminal Tower oder KHG-Roadshow: Hochegger und sein Jaguar aus dem Autohaus Grasser waren immer dabei. Wohl Profiteur der Wende, hielt der in einer Dauersuite im Intercontinental logierende Freimaurer beste Kontakte zur Opposition, die mit Barem gefestigt wurden. So gesehen kann man Hochegger fast dankbar sein für das überlieferte Sittenbild: Wenn die pekuniäre Partizipation stimmt, spielen Parteifarben keinerlei Rolle. Er selbst sieht auch Gutes an seinem tiefen Fall: "Mit dem Auffliegen der Affäre wurde mir ein Rucksack abgenommen." (DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)

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