Forscher entwickeln "Nanoroboter", der gezielt Krebszellen angreift

  • Sobald der Transporter an die Zielzelle angedockt hat, öffnet sich ein Riegel und der Wirkstoff wird freigesetzt.
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    foto: campbell strong, shawn douglas, & gaël mcgill using molecular maya & cadnano

    Sobald der Transporter an die Zielzelle angedockt hat, öffnet sich ein Riegel und der Wirkstoff wird freigesetzt.

Der winzige Transporter aus DNA dockt an Zielzelle und entlässt einen Wirkstoff

Washington - US-Forscher haben eine Art "Nanoroboter" aus DNA entwickelt, der gezielt Krebszellen angreifen kann. Der Miniaturtransporter nach dem Vorbild der körpereigenen Immunabwehr besteht aus speziell gefaltetem Erbmaterial und lässt sich im Prinzip für jede Zielzelle im Organismus maßschneidern, wie die Entwickler um Shawn Douglas von der Harvard-Universität in Boston im US-Fachjournal "Science" berichten. Bisher ist die Entwicklung allerdings erst in Zellkulturen getestet worden. Ob er jemals bei Menschen zum Einsatz kommen kann, ist noch nicht geklärt. Ähnliche Ansätze verfolgen auch andere Forschergruppen.

Der "Nanoroboter" gleicht einem sechseckigen Käfig, der nur 45 Nanometer (Millionstel Millimeter) hoch und 35 Nanometer dick ist - damit ist er rund 2.000 Mal dünner als ein menschliches Haar. Der mit einer speziellen Technik namens DNA-Origami gefaltete Käfig besteht aus zwei Hälften, die von Riegeln zusammengehalten werden. Diese Riegel sind so aufgebaut, dass sie ähnlich wie weiße Blutkörperchen die Oberfläche gewünschter Zielzellen - etwa Krebszellen - erkennen und daran andocken können. Mit dem Andocken konfiguriert der Riegel sich neu, so dass der Nanokäfig aufschwingt.

Der Laderaum lässt sich mit verschiedenen Wirkstoffen bestücken, die auf diese Weise gezielt zu ihrem Einsatzort gebracht werden können. Im Experiment belud das Team um Douglas seine winzigen Transporter unter anderem mit molekularen Botenstoffen, die das Selbstmordprogramm einer Zelle aktivieren können. Dieses Programm ist bei Krebszellen typischerweise gestört.

Erfolgreicher Test

Im Labor konnten die Forscher auf diese Weise die Selbstzerstörung bei Leukämie- und Lymphomzellen auslösen, wobei auch die molekularen Botschaften für die beiden verschiedenen Krebszellen maßgeschneidert werden mussten. Nach diesem Muster könnten verschiedene Aktionen gezielt bei gewünschten Zelltypen ausgelöst werden, erläutern die Wissenschafter.

Die Forscher, die sich für ihre Arbeit von der Funktion des menschlichen Immunsystems inspirieren ließen, bereiten nach den Worten von Douglas als nächstes Tests an Versuchstieren vor. "Das wird wahrscheinlich ein verbessertes Design erfordern, um eine stabile Zirkulation und Funktion im Blutkreislauf zu gewährleisten", schränkte der Forscher allerdings ein. "Außerdem müssen die Herstellungskosten sinken." (APA)

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