Träge Dorfpunks im australischen Busch

  • Rumlungern und warten, was der nächste Tag so bringt: Rowan McNamara und Marissa Gibson als Titelhelden "Samson & Delilah"
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    Rumlungern und warten, was der nächste Tag so bringt: Rowan McNamara und Marissa Gibson als Titelhelden "Samson & Delilah"

Warwick Thorntons Teenagerdrama "Samson & Delilah" kommt nun doch in Wien ins Kino - Musik und Gesten sind darin wichtiger als viele Worte

Wien - Die beiden Teenager haben nicht viel, aber sie haben Musik. Morgens wacht Samson mit dem Country-Wunschradio auf, dann stört er mit einem wilden Gitarrensolo die Ska-Combo seines Bruders bei ihrer endlosen Proben-Routine, bevor er sich nach seinem eigenen Rhythmus durch den Tag treiben lässt.

Delilah zieht sich nachts heimlich in einen Jeep zurück und hört eine Kassette mit traurigen mexikanischen Balladen. Einmal schließt Samson währenddessen draußen sein Radio an den Band-Verstärker an und rockt allein und selbstvergessen vor der Hütte. Und für Delilah, drinnen in ihrem Rückzugsort, legt sich zu diesem attraktiv zuckenden Tänzerkörper ihr mexikanisches Liebeslied. Das ergibt einen traumartigen Moment lang Glück - bis Samsons Bruder wütend den Stecker zieht.

Die Musik ist im Langfilmdebüt von Autor, Kameramann und Regisseur Warwick Thornton also ein ganz wesentliches Element, und die Darsteller haben den Großteil davon selbst beigesteuert. Schon in den ersten zwölf Minuten, die einen Tag und eine Nacht skizzieren und in denen kaum ein Satz gewechselt wird, wird man so sensibilisiert für Klänge und Töne. Und man wird eingestimmt auf eine lakonische Erzählung, die klug reduziert und nicht das Besondere (und Dramatische) betont, sondern zunächst einmal einen Alltag (und seine Wiederholungen und kleinen Schrullen) ausarbeitet.

Samson (Rowan McNamara) ist der Dorfpunk in einer ärmlichen Siedlung im australischen Busch. Nachdem er allmorgendlich die Band geärgert hat, schnappt er sich zum Beispiel einen Rollstuhl. Dann lungert er darin herum. Überhaupt wird viel herumgelungert, es ist heiß und staubig, und da empfiehlt es sich nicht, sich groß anzustrengen. Gegen Hunger hilft Flüssigklebstoffschnüffeln.

Delilah (Marissa Gibson) führt zunächst noch ein vergleichsweise behütetes Leben bei ihrer Oma, die vom Verkauf traditioneller Malereien lebt. Nach deren Tod ist Delilah allerdings auf sich allein gestellt. Eines Nachts machen sich die beiden Teenager davon. Das geklaute Auto bleibt auf der Strecke liegen, die beiden gehen zu Fuß weiter. Immer der Markierung nach, bis sie am nächsten Tag in der Stadt stranden.

Als Lichtgestalt mit struppigem Haar und Alkoholproblem begegnet ihnen dort ein gewisser Gonzo, den Scott Thornton verkörpert, der Bruder des Regisseurs. Mit anderen Begegnungen haben Samson und Delilah weniger Glück. Der Film wechselt an diesem Schauplatz noch einmal markant die Tonart.

Bereits 2009 hatte diese einnehmende, ungewöhnliche Arbeit in der Reihe "Un Certain Regard" beim Filmfestival in Cannes Premiere und wurde dort als bestes Debüt ausgezeichnet. Das Schikaneder-Kino beamt Samson & Delilah nun doch auch hierzulande noch auf die große Leinwand.  (Isabella Reicher / DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)

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