Theorie der Korruption

Einserkastl16. Februar 2012, 19:30
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Österreich hat jetzt in einem internationalen Ranking wieder stark zugelegt

Österreich hat jetzt in einem internationalen Ranking wieder stark zugelegt, allerdings ist es eine Aufzählung der korruptesten Staaten der Welt.

Es gibt verschiedene Theorien der Korruption, eine davon lautet: Ein hoher Staatsanteil an der Wirtschaft ist Voraussetzung. Hat der Staat viel Einfluss, dann haben natürlich auch die Parteien schöne Zugriffsmöglichkeiten und bedienen sich entsprechend. Das war zuletzt vor 25 Jahren in voller Blüte, als es noch einen großen Verstaatlichte-Sektor gab, mit Skandalen von A wie AKH bis V wie Voest-Intertrading. Mit der Teil-Entstaatlichung hat sich das dann etwas gelegt. Eine Zeitlang war relative Ruhe.

Dann kam 2000 eine erneute Phase der Privatisierung. Die schwarz-blaue Regierung setzte Wolfgang Schüssels Motto "Weniger Staat, mehr privat" um.

Blöderweise gab es aber gerade in dieser Phase der Entstaatlichung einen mächtigen Schub der Korruption: Buwog und andere, von denen man jetzt vor dem U-Ausschuss hört bzw. hören wird. Ein Erklärungsmuster ist, dass die FPÖ, die davor jahrzehntelang fern der Futtertröge der Macht war, mit besonderer Intensität darauf aus war mitzuschneiden (wobei es ja wirklich eine Leistung von Strache ist, dass er mit der Haider-FPÖ trotz geistiger und personeller Kontinuität nicht in Verbindung gebracht wird). Jedenfalls wirft das Fragen auf: Mit hohem Staatsanteil korrupt, ohne auch - vielleicht ist Österreich einfach naturkorrupt? (DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)

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