Müller-Brot ist nach Hygieneskandal pleite

16. Februar 2012, 19:05
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Maden im Mehl und Mäusekot in der Brotfabrik waren zu viel: Die traditionsreiche deutsche Bäckereikette Müller-Brot ist insolvent

Neufahrn/Freising - Maden im Mehl und Mäusekot in der Brotfabrik waren einfach zu viel: Die traditionsreiche deutsche Bäckereikette Müller-Brot ist pleite. Zwei Wochen nach dem von der Lebensmittelkontrolle verhängten Produktionsstopp in der Brotfabrik in Neufahrn bei München hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet, wie am Donnerstag aus Unternehmenskreisen zu erfahren war. Der Eigentümer-Familie Ostendorf gehört auch die Mehrheit an der österreichischen Bäckereikette Ankerbrot.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) reagierte empört, denn Müller-Brot-Eigentümer Klaus Ostendorf hatte erst vor wenigen Tagen einen Neustart angekündigt. "Die Beschäftigten durch Lug und Trug in Sicherheit wiegen und parallel das Insolvenzverfahren betreiben. Das ist wirklich das Letzte," sagte Mustafa Öz von der NGG. Ostendorf habe nach dem Bekanntwerden des Hygieneskandals offenbar das Ziel verfolgt, die Mehrheit der 1.100 Beschäftigten und die Schulden mit der Insolvenz günstig loszuwerden. Das Vorgehen der Eigentümer sei "menschenverachtend".

Die Produktion in der Fabrik war am 30. Jänner von den Lebensmittelbehörden gestoppt worden, nachdem jahrelang immer wieder gravierende Hygienemängel wie Mäusekot oder Maden im Mehl nicht abzustellen waren. Der Chef des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, berichtete am Donnerstag im bayerischen Landtag, dass die Kontrolleure seit 2009 immer wieder in verschiedenen Räumen der 55.000 Quadratmeter großen Müller-Fabrik in Neufahrn Schmutz und Schaben gefunden hätten. Deswegen wurden mehrfach Lebensmittel oder Teig vernichtet. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Massive Umsatzeinbrüche

Nach dem Auffliegen des Hygieneskandals hatte Müller-Brot massive Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. Auch die Discounter Lidl und Aldi hatten die Ware aus dem Regal verbannt. In den vergangenen zwei Wochen waren alle Maschinen in der Brotfabrik auseinandergenommen und gereinigt worden. Ursprünglich wollten die Behörden an diesem Freitag prüfen, ob die Produktion wieder aufgenommen werden kann. Darüber müssen sie jetzt zusammen mit dem Insolvenzverwalter entscheiden.

Müller-Brot habe am Donnerstag beim Landgericht Landshut Insolvenz angemeldet, sagte Gerichtsvizepräsident Christoph Fellner dem "Münchner Merkur". Zum Insolvenzverwalter sei der Rechtsanwalt Hubert Ampferl bestellt worden. "Es kann sinnvoll sein, eine insolvente Firma weiterzuführen", sagte Fellner. "Aber das setzt voraus, dass diese am Markt bestehen kann."

Nach Müller-Brot wurde unterdessen auch eine zweite bayerische Großbäckerei wegen Hygienemängeln geschlossen. Das Landratsamt Regensburg ordnete nach einer Kontrolle am Dienstag einen sofortigen Produktionsstopp bei der Bäckereikette Biendl und Weber in Donaustauf an, wie Landrat Herbert Mirbeth (CSU) am Donnerstag sagte. Die Kontrolleure fanden unter anderem Insekten und zwei tote Mäuse. (APA)

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    Nach dem Auffliegen des Hygieneskandals hatte Müller-Brot massive Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen.

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