Geldtango in der Telekom Austria

16. Februar 2012, 18:57
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Von Kurssprüngen, Schmiergeldern und Karrieren in der Telekom Austria

Verdächtig war der Deal von Anfang an: Am 26. Februar 2004 machte die Aktie der Telekom Austria (TA) kurz vor Börsenschluss einen Sprung, den rund hundert TA-Führungskräfte seit Tagen ersehnt hatten. Insbesondere der Vierervorstand rund um Heinz Sundt durfte sich freuen, er streifte den Großteil der insgesamt neun Millionen Euro an Prämien ein, die für den Kursanstieg ausgelobt worden waren.

Mit der Ruhe für Sundt und seine Vorstandskollegen Rudolf Fischer, Boris Nemsic und Stefano Colombo war es fortan perdu. Sie standen stets im Zwielicht, ihre Boni nicht reger Nachfrage nach einem attraktiven Papier, sondern göttlichem Zufall zu verdanken. Oder dem Broker Johann Wanovits, der auffällig viele TA-Aktien kaufte und so den Kurs in die Höhe trieb. Beweisen konnte die Finanzmarktaufsicht die vermuteten Manipulationen trotz mehrerer Anzeigen nie - bis im Zuge der Ermittlungen rund um den Buwog-Verkauf bei Hausdurchsuchungen in Peter Hocheggers Agentur Material auftauchte.

Die wiederum brachten den damaligen TA-Festnetz-Finanzchef Gernot Schieszler in Bedrängnis, worauf sich dieser zwecks Strafvermeidung der Justiz als Kronzeuge andiente. Er sagte aus, Wanovits hätte als "Belohnung" für die Kurspflege 500.000 Euro bezahlt bekommen. Lobbyist Hochegger schilderte die Vorgänge bei seiner Befragung im U-Ausschuss anders. Er habe von der Kursmanipulation erst 2008 erfahren, sei in die Vorgänge nicht eingeweiht gewesen. Im Gegenteil: Auf seine Frage habe TA-General Sundt damals versichert, die Gerüchte entbehrten jeder Grundlage.

Allerdings sei ihm Wanovits 2008 von Schieszler als Geschäftspartner für Windenergieprojekte in Bulgarien und in Dubai anempfohlen worden. Letztlich habe er dem hilfreichen Broker 175.000 und 90.000 Euro überwiesen. Das Geld dafür sei von der TA gekommen. Auch wie in der Telekom 500.000 Euro "Schmiergeld für Bulgarien" erzeugt worden seien, erzählte der 1997 von Sundt in die Mobilkom engagierte PR-Berater. Das Geld sei via überhöhte Honorarnoten, die er für ein Projekt zum Thema Marktbereinigung im Festnetz gelegt habe, zurück an die TA geflossen.

Ob und wie der jetzige TA-General Hannes Ametsreiter von den hauptsächlich im Festnetz unter Rudolf Fischer (amtierte von 1998 bis 2006) abgewickelten Malversationen informiert war, wird zu klären sein. Denn ab Juli 2007 war der langjährige Mobilfunk-Marketing-Chef auch für das Festnetz-Marketing zuständig. In den Holding-Vorstand stieg er im Jänner 2009 auf, wo er im März den Vorsitz von Boris Nemsic erbte. Untersucht werden auch diverse Zukäufe im Ausland, darunter jener in Weißrussland, den Finanzchef Hans Tschuden abschloss, der 2006 auf Stefano Colombo folgte. (ung/DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)

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    Heinz Sundt (2000 bis 2006) engagierte Hochegger erst in der Mobilkom, dann als Chef der TA für den ganzen Konzern. Die Kursmanipulationen, die den Managern neun Millionen Euro brachten, fielen ebenso in Sundts Amtszeit wie Zahlungen in gleicher Höhe an Hochegger. Auch die Affäre um den Blaufunkauftrag Tetron fiel in diese Amtszeit.

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    Boris Nemsic (2006 bis 2009) setzte ebenfalls auf Hocheggers Dienste. In seine Amtszeit fielen auch die umstrittenen Zahlungen von Hochegger an Hubert Gorbach bzw. die Sekretärin des früheren Vizekanzlers. Dass damit eine für die Telekom günstigere Regulierung vergebührt worden sein soll, wird von den Beteiligten heftig in Abrede gestellte.

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    Rudolf Fischer: War für die wichtige Festnetzsparte zuständiges Vorstandsmitglied und Stellvertreter Sundts. Neben den Hochegger-Kontakten wurden auch Immobiliengeschäfte mit ÖBB-Chef Huber kritisiert. Fischer räumte im Untersuchungsausschuss ein, Hochegger den Lobbyisten Walter Meischberger empfohlen zu haben.

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    Hannes Ametsreiter (seit 2009) kämpft seit der Übernahme der Telekom-Führung mit der Korruptionsaffäre. Gegner werfen ihm vor, durch seine lange Tätigkeit im Konzern kein Interesse an einer lückenlosen Aufklärung des Skandals zu haben. Vor allem die Verbindungen zur ÖVP würden von Ametsreiter gemeinsam mit Staatsaktionär ÖIAG vertuscht.

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