Frankreichs Finanzsteuer

Pioniertat als Bumerang

Kommentar | Eric Frey , 16. Februar 2012, 17:40

Wenn jedes Land seine eigene Version der "Tobin-Steuer" einführt, schafft das zahlreiche Chancen, die Steuer zu umgehen

Auf den ersten Blick scheint es, als ob Frankreich mit seinem Alleingang bei der Einführung einer Finanztransaktionssteuer der österreichischen Regierung einen Gefallen tut. Denn ein großer Brocken des Sparpakets hängt davon ab, ob in der EU eine solche Steuer kommt. Statt darauf zu warten, dass sich alle einigen, prescht die Pariser Nationalversammlung vor und will damit die anderen zum gemeinsamen Handeln zwingen - ganz im Sinne der heimischen Budgetpolitiker.

Aber es könnte auch anders kommen. Wenn jedes Land seine eigene Version der "Tobin-Steuer" einführt, dann schafft das viel Aufwand und gleichzeitig zahlreiche Chancen, die Steuer zu umgehen. Die französische Variante besteht aus einer Börsenumsatzsteuer, die zwar Geld bringt, aber kaum Lenkungseffekte hat, und einer Abgabe auf spekulative Kreditversicherungen (CDS), deren Ertrag wohl gegen null tendieren wird. Denn diese Verträge auf Anleihen lassen sich auch in London statt in Paris abschließen.

Viele Experten zweifeln, dass die Finanztransaktionssteuer viel bringt, einige rechnen auch mit Schaden für die Konjunktur. Der Plan, noch im März eine Entscheidung über eine EU-weite Steuer zu erzielen, scheint unrealistisch. Wenn sich Frankreichs Pioniertat als Flop erweist, dann werden die anderen Staaten noch stärker zögern.

Österreich würde sich damit ein sinnloses Experiment ersparen. Aber im Budget bliebe ein großes Loch übrig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2012)

17+4
00
17.2.2012, 11:35
eine Börsenumsatzsteuer hat es in Ö schon

einmal gegeben.

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00
17.2.2012, 08:50
Ich plädiere für den ''systemischen Ansatz''!

(was das ist, steht in einfachen Worten in meinem anderen Posting, falls es doch noch veröffentlicht wird, wenn nicht ist mir das langsam auch wurscht, posten ist eigentlich eh Zeitverschwendung)

Aber wenn ich schon dabei bin: wenn ''Macht'' von ''machen'' kommt, dann kommt die FTS (die Tobin-STeuer) sicher nicht: denn diese ''Macht'' liegt nicht bei unseren Politikern. Mag diese Steuer auch noch so gerecht und längst überfällig sein, die Finanzmärkte werden das nicht zulassen!

Und zwar ganz elegant: durch die Freizügigkeit des Kapitalverkehrs (EU-Gesetz) werden Staaten, die das einführen, locker abgestraft.

Und wer will schon der Dumme sein, auch wenn er das Richtige tut? (sinngemäß Ernst Fehr, Verhaltensökonom, CH)

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04
17.2.2012, 07:42
Wenn ich meine Wohnung aufräumen will, dann fange ich einfach einmal an!

Ich räume nicht in allen Ecken der Wohnung gleichzeitig auf, sondern arbeite mich Schritt für Schritt vorwärts. Zuerst das eine, dann das anderen.

Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt:
ich warte nicht darauf, dass alle Leute auf der Welt auch ihre Wohnung aufräumen, bevor ich mit meinen längst überfälligen und notwendigen Arbeiten beginne.

Und ich tue das, auch wenn andere Leute noch immer in einem Saustall wohnen, weil sie zu faul sind oder vielleicht auch gar nicht aufräumen wollen.

Wenn ich darauf warte, bis die ganze Welt mit mir übereinstimmt, bevor ich den ersten Schritt wage, dann warte ich lange!

mM

.581
03
16.2.2012, 22:58

Bumerang wird das nur, wenn sonst keiner mitmacht.
Also, los, ihr großen EUropäer!

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