"Filmaffäre" streift grüne Spitze

16. Februar 2012, 18:26
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Fall Werthmann: Dubioser Vermittler arbeitete für Harms

Im Fall der mutmaßlichen Erpressung der EU-Abgeordneten Angelika Werthmann nach einem Streit mit einem Filmproducer um Bezahlung von PR-Videos tauchen neue Ungereimtheiten auf. Der Vermittler des Deals, der ehemalige grüne EU-Abgeordnete Frank Schwalba-Hoth, gab zu Protokoll, dass die DVD-Produktion nicht von Werthmann veranlasst wurde. Wie vom Standard berichtet, fordert F. von der Abgeordneten ultimativ rund 27.000 Euro. Sie bestreitet kategorisch, ihm je einen Auftrag gegeben zu haben.

Schwalba-Hoth versuchte Ende Jänner, den Streit zu beenden: "Mit meinem Vorschlag an Marcello, den Vorgang auf sich beruhen zu lassen - es gab nie einen direkten Kontakt zwischen Euch beiden, um einen Auftrag zu erteilen - bin ich leider nicht durchgedrungen", schrieb er an Werthmann und an F. Das Ganze seien "Missverständnisse" gewesen.

In der Parlamentsadministration glaubt man das nicht so ganz. Jeder Abgeordnete könne pro Jahr 45.000 Euro für Öffentlichkeitsarbeit - Fotos, Videos, Broschüren, Empfänge - ausgeben. Offensichtlich sei von "Beratern" versucht worden, hier ein gutes Geschäft zu machen. Hätte Werthmann den Auftrag bestätigt, hätte das EU-Parlament ausgezahlt.

Solche Praktiken bringen nun die grüne Fraktionschefin, Rebecca Harms, in Erklärungsnot. Auch sie hat Schwalba-Hoth beschäftigt. "Ich habe ihn einige Male begrenzt beauftragt", bestätigt sie. Sollte sich erweisen, dass er sich fehlverhalten habe, werde man die Beziehungen zu ihm abbrechen, heißt es bei den Grünen. (DER STANDARD Printausgabe, 17.2.2012)

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