Langbürgner See

RAG versetzt Bayerns Naturschützer in Rage

Birgit Baumann, 16. Februar 2012, 18:48

In Bayerns ältestem Naturschutz­gebiet im Chiemgau will die RAG Austria nach Erdgas bohren. Der Widerstand von Bürgern und Politikern ist groß

Still und starr ruht der Langbürgner See im bayerischen Chiemgau. Vereist ist er, aber im Gemeindeamt in Breitbrunn rät man, die Eisfläche nicht mehr zu betreten: Einbruchgefahr!

Kühl ist auch das Verhältnis zwischen den Bewohnern in Breitbrunn sowie den angrenzenden Gemeinden und der RAG Austria (Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft). Die RAG, an der die Energieversorger EVN, Eon, Salzburg AG und die Steirische Gas-Wärme GmbH beteiligt sind, will unter dem Langbürgner See, der Teil einer Seenplatte ist, nach Erdgas bohren und hat beim Bergamt München einen entsprechenden Antrag gestellt.

Doch das Ansinnen der Österreicher kommt im Nachbarland Bayern nicht gut an. "Es ist ein extrem unsensibler Akt, solche Bohrungen im ältesten bayerischen Naturschutzgebiet vornehmen zu wollen. Von dort beziehen wir unser Grundwasser, niemand kann garantieren, dass keine Schäden angerichtet werden", sagt der Rechtsanwalt Bernhard Fricke zum Standard. Er ist Chef der Bürgerinitiative "David gegen Goliath" und koordiniert den Widerstand gegen das Projekt.

Die Politiker der Region hat er auf seiner Seite. "Niemand will diese Bohrungen", sagt auch Johann Thalhauser (CSU/Freie Wähler), der Bürgermeister von Breitbrunn. Was ihn am meisten empört: "Wir dürfen wegen des Naturschutzes auf unserem See nicht einmal mit dem Schifferl fahren. Also wehren wir uns auch dagegen, dass da herumgebohrt wird."

Bei einer Bürgerversammlung mit Vertretern der RAG haben die bayerischen Wutbürger auch auf Niedersachsen verwiesen. Dort ist vor kurzem Benzol im Erdreich nahe einer Erdgasförderstätte gefunden worden. Eines hat die Bürgerinitiative in Bayern bereits geschafft: Das Verfahren ruht derzeit, wie das Bergamt in München bestätigt.

Alternativen werden geprüft

"Wir nehmen die Sorgen ernst und wollen Konsens mit den Bürgern", sagt RAG-Sprecherin Elisabeth Kolm. Der große Widerstand habe das Unternehmen "ziemlich überrascht". Sie betont auch: "Wenn man, wie Deutschland, aus der Atomkraft aussteigt, entsteht eine Versorgungslücke, die durch Erdgas gefüllt werden kann." Sorgen um den Naturschutz müsse sich niemand machen: "Die RAG gibt es seit 75 Jahren, wir haben Erfahrung." Die RAG sucht jetzt nach Alternativen in der Gegend.

Doch die Bürger beruhigt das nicht. "Es geht nicht darum, ob die Bohrstelle um ein paar hundert Meter versetzt wird. Hier soll überhaupt nicht gebohrt werden." Nachsatz: "Wenn die RAG hier bohren will, dann wird ihr das nur unter massivem Polizeischutz gelingen." Bald soll es wieder einen Bürgerdialog in Bayern geben.(Birgit Baumann, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17.2.2012)

Winteridylle am Langbürgner See im bayerischen Chiemgau. Die RAG Austria will hier nach Erdgas bohren, die Einheimischen aber wehren sich vehement dagegen.

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keamgauer
00
24.2.2012, 18:42

zwischen techniker (meine technik ist unfehlbar!) und betroffenen (was schiefgehen kann geht schief!) wird es keine einigung geben, weil sie die dinge verschieden bewerten. in diesem fall trägt der techniker kaum ein risiko, wir chiemgauer aber das ganze, weil bei einem wie auch immer unwahrscheinlichen fehler unwiederbringliches zerstört sein kann. aber auch ohne unfall gibt es keinen grund, noch eine industrieanlage mit allen nachteilen an diesem naturjuwel zu plazieren, noch nicht mal einen finanziellen. und zum thema 'drohung': in jeder gesellschaftsform muss es das recht geben, sich zu wehren. das hat man uns bei der bundeswehr bei der frage 'recht auf widerstand gegen ungerechte befehle'beigebracht,je ungerechter,desto mehr widerstand

Uniquin
 
00
17.2.2012, 15:47

rag bohrte ein paar tausend mal in den letzten 75 jahren in oberösterreich und salzburg, folglich müssten die salzburger und oberösterreichischen seen allesamt ölige kloacken sein.

Thomas Geißler
00
17.2.2012, 19:55

Gewinnt/speichert die RAG in Österreich in/unter Naturschutzgebieten?

Und dass ein moderner Industriebetrieb keine öligen Kloaken hinterlässt ist wohl das Geringste, dass man sich erwarten kann.

pleistocene
00
18.2.2012, 01:08

naja zum bsp. im Grundwasserschutzgebiet Weilharter Forst.

Thomas Geißler
00
18.2.2012, 12:09

Ist das jetzt ein Grundwasserschutzgebiet oder ein Naturschutzgebiet?

Das ist nämlich nicht dasselbe.

Ein Naturschutzgebiet ist ein Schutzgebiet nach Landesrecht (nach Bundesnaturschutzgesetzes in Deuschland), ein Grundwasserschutzgebiet ein Schutzgebiet nach Wasserrechtsgesetz (nach Wasserhaushaltsgesetz in Deutschland)

pleistocene
00
18.2.2012, 14:47

der herr obergescheite reüssierer: ist das so schwer zu verstehen? ein grundwasserschutzgebiet ist potentiell noch vulnerabler (trinkwasserversorgung). d.h. der umgang mit solchen quellen ist routine. und wenn sie so wollen: das ibmer moor am weilharter forst IST das grösste Moor österreichs und auch ein naturschutzgebiet.

Thomas Geißler
00
18.2.2012, 15:34

Danke für die Info.

sylli1
00
17.2.2012, 10:41
also bitte:

deutschland steigt aus dem atomprogramm aus, also brauchen sie dort mittelfristig alternativen. die energie aus den windparks in norddeutschland kommt nur dem norden zu gute, weil es keine leistungskapazitäten nach süddeutschlang gibt. speicherkraftwerke zu errichten ist auch nicht möglich, also bleibt nur erdgas zur energiegewinnung.
ihr glaubts auch alle, der strom für eure computer kommt aus der steckdose, oder?

Thomas Geißler
01
17.2.2012, 11:52

Strom kommt nur aus der Steckdose und Erdgas gibt's nur unter Bayerns ältestem Naturschutzgebiet.

sylli1
00
17.2.2012, 15:44

offensichtlich, sonst würde man wo anders fördern.

Thomas Geißler
00
17.2.2012, 19:48

Es ist wahrscheinlich das letzte Erdgasvorkommen in Mitteleuropa.

Ich wollte Sie mit "Erdgas gibt's nur unter Bayerns ältestem Naturschutzgebiet" eigentlich darauf hinweisen, dass der Vorwurf einer verkürzten Denkweise (Strom kommt nur aus der Steckdose) vielleicht auch auf Sie zutrifft.

bildungsoffensive
00
17.2.2012, 11:17

http://www.spiegel.de/wissensch... 40,00.html

http://www.focus.de/wissen/wi... 78417.html

puuh, da gibts zig links. der spiegel-link war nur der erste. suchen sie sich einen aus. sogar hier im standard gabs einen bericht darüber.

WBR
00
17.2.2012, 17:22
Auf den ersten Blick nicht schlecht, ...

... aber wenn man "das Kleingedruckte" liest, d.h. sich über die technischen Details informiert...

Habe den Haken bei diesem Kraftwerk in diesem Posting zusammengefasst:

http://derstandard.at/plink/131... id23608343

Aber um auch ein bißchen was positives beizutragen: Hier eine interessante Studie, die sich mit dem Potenzial für Stromspeicherung in Deutschland befasst:

http://www.dbresearch.de/PROD/DBR_... ewende.pdf

sylli1
00
17.2.2012, 15:52

kosten/nutzen? und wo liegen diese hybridkraftwerke? hmmm? oh, im norden, na ja - schade, aber netter versuch.

Seria
02
17.2.2012, 09:07

schade, daß sich kaum jemand bemüht sich über die Sache zu informieren und trotzdem sehr starke Meinungen kund tut.
Ist es das "vox populi vox ..." Prinzip?

Thomas Geißler
00
17.2.2012, 11:55

Information ist eine Bringschuld der RAG, dass die Erdgasgewinnung in einem Naturschutzgebiet ein "heißes Thema" ist dürfte wohl jedem klar sein.

Wenn man auf offensive Kommunikations- und Informationspolitik verzichtet, überlässt man die Deutungshoheit den Natur- und Umweltschützern und kommt somit an den Punkt, an dem wir jetzt sind.

Uniquin
 
01
17.2.2012, 15:51

das naturschutzgebiet ist oberirdisch, das gas befindet sich 2km tiefer. die oberirdischen aktivitäten waren nicht innerhalb des naturschutzgebietes vorgesehen. noja, unwesentliche details wenn das schreien der alleswisser einmal begonnen hat

Thomas Geißler
00
17.2.2012, 20:04

Nur haben unterirdische Abbautägigkeiten, sei es jetzt im Untertägigen Bergbau oder in der Erdöl/-gasgewinnung einen Einfluss auf die Oberfläche.

In der Erdöl/-gasgewinnung sind Senkungen bis zu 17m dokumentiert.

Woher ich Alleswisser dieses unwesentliche Detail weiss?

Aus der Vorlesung Grundzüge der Bergschadenkunde.

pleistocene
00
18.2.2012, 00:46

17 m .. geh bitte das habens nicht amal im feld matzen bi weitem nicht (dort gibts wiederholte nivellement messungen). das ist so ähnlich wie wenn sie sagen die grössten (durch sturm verursachten) wellen sind 100 m und reden dabei vom plattensee. woher ich das weiss? ich hab das buch geschrieben!

pleistocene
00
18.2.2012, 14:59

wo aus norwegen bitte - haben sie nicht aufgepasst? normalerweise sind das langsame vorgänge die über jahrzehnte gehen.
wenn sie in sämtlichen österr. lagerstätten gar kein problem damit haben, die aber gewaltig mehr öl enthielten wirds im bereich dieser minilagerstätte schon gar keine mehr geben.

Thomas Geißler
00
18.2.2012, 11:48

Das Extembeispiel ist glaub' ich aus Norwegen, Rückfragen einfach an Ass.Prof. Dr. Pilgram richten.

Über jedem Grubenbau und Abbaufeld gibts hoffentlich Feinnivellments schließlich werden sie von der Markscheideverordnung vorgeschrieben.

Wie große Senkungen würden Sie denn unter dem Langbürgner See erwarten?

pleistocene
00
18.2.2012, 15:02

wo aus norwegen bitte - haben sie nicht aufgepasst? normalerweise sind das langsame vorgänge die über jahrzehnte gehen.
wenn sie in sämtlichen österr. lagerstätten gar kein problem damit haben, die aber gewaltig mehr öl enthielten wirds im bereich dieser minilagerstätte schon gar keine mehr geben.

Thomas Geißler
00
18.2.2012, 16:01

Nein, in der letzen Einheit haben wir nochmal den Inhalt der Lehrveranstaltung diskutiert, da ich Rohstoffingenieurwesen studiere focusiert sie sich auf Bergschäden im Bergbau. Der Professor hat aber als Extrembeispiel für Senkungen die 17m in Norwegen in der Erdgasgewinnung erwähnt.

Die Senkung wird wohl ähnlich wie in einem Grubenbau von der Teufe der Gasblase und dem Entnommenen Volumen/dem reduzierten Druck in der Blase abhängen.

pleistocene
00
18.2.2012, 18:14

mit sicherheit und dem reservoir (z.b. sandstein oder dolomit) sowie dem überlagerten material.

suedsee insulaner
 
00
17.2.2012, 08:17
Ich sehe kein problem....

ANTRAG EINFACH ABLEHNEN, punctum.

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