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vergrößern 600x450Planer sitzen außen, Bauherren und -frauen innen. Beim ersten Wechsel kam es kurz zum Chaos, alles in allem waren aber die meisten von ihrem ersten "Architekten-Speed-Dating" sehr angetan.
vergrößern 600x407Stets griffbereit hatte eine Teilnehmerin Fotos und Pläne ihres Bauvorhabens. Siebenmal musste sie alles erklären.
Hier wird ein Stiegenhaus mit zackigen Fingerstrichen in die Luft gemalt, dort gleich ein ganzes Haus. Schreibboards müssen als Hauseinfahrt herhalten, Visitenkarten werden getauscht, Website-Adressen notiert. Dazwischen sagt immer wieder jemand: "Wir können das gerne nachher noch besprechen."
Ein Satz, den man oft hört am Donnerstagnachmittag in der Halle B des Wiener Messezentrums. Ein paar Organisationen haben sich zusammengetan, um erstmals ein sogenanntes "Speed-Dating" für Architekten und Bauherren abzuhalten. Sieben Bauherren und -frauen sitzen sieben Planern gegenüber, und es gibt jedes Mal nur sieben Minuten Zeit, um sich über das jeweilige Bauvorhaben auszutauschen. So weit die Theorie.
Pläne und Fotos im Gepäck
Mit einem Gongschlag geht es auf in die erste Runde, die auch im buchstäblichen Sinn eine solche ist: Im Kreis sitzen sich die Speed-Dater gegenüber. Die Planer stellen sich vor, berichten über ihre Schwerpunkte, erzählen von Referenzobjekten. Die Bauherren rattern Kürzestfassungen ihrer meist komplexen Bauvorhaben herunter: eine Altbausanierung, ein Zubau, zu viel Feuchtigkeit im Haus, eine Hofeinfahrt. Fragen nach Handwerkern werden gestellt: Hat der Planer welche, denen er vertraut? "Wo viele Gewerke zusammenarbeiten und einer auf den anderen nicht Rücksicht nimmt - so was kommt für mich nicht in Frage", sagt ein angehender Bauherr.
Ein Pärchen in den besten Jahren kommt zu spät, die beiden haben nur noch zwei Minuten mit "ihrem" ersten Architekten. Sie packt Pläne aus, erklärt die Situation: Ein altes Haus in Floridsdorf gekauft, es soll zugebaut werden, außerdem ist eine Einfahrt nötig. Kurz darauf zeigt sie auch Fotos her, hier, so sieht es aus, und so könnte es aussehen.
Dann schlägt Organisatorin Heidrun Rabl vom ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich auf ihren Gong: Die erste Runde ist zu Ende. "Bitte im Uhrzeigersinn weiterrücken!"
Sieben Minuten brutto
Leichtes Chaos bricht aus, als auf der einen Seite die Bauherren wandern, auf der anderen Seite die Planer. Rabl versucht klarzustellen: "Die, die außen sitzen, wandern weiter." Weil einige Bauherren außen sitzen, die meisten aber innen, herrscht weiter Verwirrung. Dann die Auflösung: "Die Bauherren bleiben sitzen, die Planer rücken im Uhrzeigersinn weiter."
Die zweite Runde läuft da schon längst, die sieben Minuten sind Bruttospielzeit. Wieder packt die schwarzhaarige Baufrau aus Floridsdorf ihre Pläne aus, zeigt ihre Fotos her. Der zweite ihr gegenübersitzende Planer betrachtet sie konzentriert, auch die weiteren fünf werden dies tun. Deren Zugänge sind aber grundverschieden, die Planer sind eine sehr heterogene Gruppe: der eine mehr der Holzbauer, der auf die Holzständerbauweise schwört, der andere verkauft schlüsselfertige Passivhäuser, ein dritter beliebig schachtelbare Module. Diese Heterogenität wird später in der Feedback-Runde auch kritisiert: Manche Bauherren hatten nicht mit derart unterschiedlich arbeitenden Planern gerechnet.
Mitten im Speed-Dating bleibt aber keine Zeit, um dies zu besprechen. Es ist sehr laut in der Halle, weil nebenan ein Vortrag über Photovoltaik-Module läuft und auch die Durchsagen der Messezentrale laufend den an sich schon hohen Hintergrund-Geräuschpegel übertönen.
Dampfsperre und Denkmalschutz
Weiter geht's: Gespräche über ungefähre Baubudgets ("40- bis 70.000 Euro"), über Dampfsperren und über Denkmalschutz durchdringen den Lärmteppich. Hüben wird ein Raumplan skizziert, drüben eine Broschüre überreicht, und irgendwo sagt wer: "Spengler brauchen wir da einen guten dafür." Dazwischen läutet ein Handy, es ist schon die vorletzte Runde, in zehn Minuten wird zurückgerufen. Schon geht es im Uhrzeigersinn weiter, zur finalen Runde.
Ihr Mann hat vor einiger Zeit eine Adaptierung durchgeführt, erzählt eine jüngere Teilnehmerin, jene mit den feuchten Mauern im Altbau. "Langfristig gäbe es da jede Menge zu tun." Man könne da auch vieles selber machen, sagt der bereitwillig zuhörende Planer. Von "so esoterischen Dingen, die das Wasser plötzlich in die andere Richtung fließen lassen", will er aber eher abraten, er spricht von so handfesten Dinge wie "Runtergraben und Isolieren".
Nach 49 Minuten ist das erste Architekten-Speed-Dating zu Ende. In der Feedback-Runde überwiegen die positiven Erfahrungen, es habe "Sinn gemacht, sieben verschiedene Ansichten zu hören", sagt eine Teilnehmerin, und es habe auch "niemand versucht, etwas zu verkaufen oder zu bewerben". Mancher Teilnehmer hat "Impulse bekommen", die er jetzt "sickern lassen" will.
"Viele negative Erfahrungen" im Hinterkopf
Auch die Planer resümieren durchwegs positiv, auch wenn der geballte Sieben-Minuten-Rhythmus einiges an Konzentrationsfähigkeit abverlangt habe. "Es war schon sehr dicht." Organisatorin Rabl weiß von einer normalerweise sehr hohen Hemmschwelle, wenn es darum gehe, Architekten aufzusuchen. Diese könne mit Aktionen wie dem "Speed-Dating" überwunden werden. Allerdings, so ein anderer Planer resümierend: "Es muss schon sehr viele negative Erfahrungen gegeben haben, sonst wären nicht solche Fragen gekommen." (Martin Putschögl, derStandard.at, 17.2.2012)
Hinweis
Schon am heutigen Freitag geht es weiter, da heißt es in der Halle B der "Bauen & Energie"-Messe: "In 49 Minuten zum Passivhaus".
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Wir sind alle verschieden und die Meisten sind Trottel ;), wie wohl in jeder Branche. Aber es gibt natürlich bei uns viele besondere Exemplare, die sich einbilden, sie wären Künstler. Daß wir Dienstleister sind und unsere Hauptaufgabe ist, die Wünsche der Menschen, leistbare, gesunde und lebenswerte Realität werden zu lassen vergessen die Mehrheit von uns zugunsten ihrer eigenen Formensprache, Stil, Theorie und Materialfetischismen, ect.. nur zu gern.
Bitte nicht falsch verstehen, aber wir haben auch nicht eines der längsten Studien, weil ja eh jeder was vom bauen versteht und der Baumeister Architektur genausogut kann, nur billiger. Ebenso könnten sie einem Metztger den Einkauf für ihre vegetarischen Ernährung überüberlassen.
finde das konzept zwar alles andere als überzeugend, aber die aussage "zum ersten mal" gehört zumindest richtiggestellt.
http://www.orte-noe.at/event.php?item=4600
huiwui.
architekten-speeddating. na seawas.
für massivste (anscheinend) bauprobleme eine lösung in 7 minuten zu finden ist eine herausforderung. vor allem wenn es gilt verschiedenste aspekte zu beleuchten und einem bauherrn das "bauen" zu erklären.
in meinen augen unmöglich. bauen braucht viel zeit und die sollte man sich angesichts der hohen anschaffungskosten auch nehmen. sich alles genau erklären lassen und eventuell dreimal nachfragen.
unnötiger - beinahe schon unseriöser - publicity-gag.
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