Planungsministerin Abul Naga beschuldigt USA der Manipulation der Revolution
Kairo/Wien - Der Konflikt zwischen den USA und Ägypten, der laut dem
demokratischen Abgeordneten Gary Ackerman die Beziehungen in den
"Abgrund" treibt, hat nun einen Namen: Fayza Abul Naga, die mächtige
ägyptische Planungsministerin, deren Posten weder durch die Revolution
im Februar 2011 noch durch spätere Regierungsumbildungen infrage
gestellt wurde. Abul Naga ist seit 2001 im Amt.
Seit 19 Amerikanern in Ägypten (sowie 24 weiteren Personen) vorgeworfen
wird, ihre NGO-Arbeit illegal aus dem Ausland finanziert zu haben, gab
es diplomatische Versuche, die Lage zu entspannen - aber auch Drohungen
aus den USA, man könnte die 1,3 Milliarden Dollar Militärhilfe an Kairo
überdenken. Seit der Aussage Abul Nagas vor einem Untersuchungsausschuss
hat sich der Ton jedoch wesentlich verschärft. Abul Naga präsentierte
ihre Version der Revolution: Nachdem sich die USA vom ersten Schrecken
erholt hätten, hätten sie keine Kosten und Mühen gescheut, die
Geschehnisse in eine Richtung zu lenken, die den amerikanischen und den
israelischen Interessen dienlich war.
In diesen Kontext fällt auch die Arbeit der beschuldigten NGOs. Nicht
nur, dass sie Geld nahmen, um bestimmte Personen und Gruppen zu
unterstützen - was NGOs ohne Zweifel tun -, sie berichteten auch nach
Hause - was NGOs wohl ebenfalls tun. Das macht nicht alle zu Agenten.
Am Mittwoch gab es zur Krise in Washington ein Kongress-Hearing, wobei
einzelne Statements die amerikanische Verwirrung über das, was in
Ägypten geschieht, gut illustrierten: Wenn Ägypten auf dem Weg sei, der
nächste Iran zu werden, dann würden die bilateralen Beziehungen
zusammenbrechen, sagte Ackerman. Dass Abul Naga im Namen der Islamisten
agiert, ist durch nichts gedeckt - sie soll Feldmarschall Mohamed
Hussein Tantawi nahestehen und hat mit dem militärisch-industriellen
Komplex in Ägypten als Planungsministerin immer bestens kooperiert.
Der republikanische Abgeordnete Steve Chabot schlug vor, die USA sollten
als Bedingung für eine weitere Unterstützung Kairos die Entlassung der
Ministerin verlangen, die in ägyptischen Medien bereits "eiserne Lady"
genannt wird. Die staatlichen Medien in Ägypten haben sich teilweise
deren Meinung zu eigen gemacht, Al-Ahram titelte am Mittwoch:
"Amerikanische finanzielle Unterstützung (gemeint ist: für die NGOS)
zielt auf die Verbreitung von Chaos in Ägypten ab." (DER STANDARD Printausgabe, 17.2.2012)