Weitertrudeln geht nicht mehr

Kommentar |

Die Lufthansa hat bisher nicht bewiesen, dass sie die Probleme der AUA lösen kann

Vielleicht kommt es ja doch nicht zum Showdown, und AUA-Führung und Belegschaft einigen sich auf einen neuen Kollektivvertrag (KV). Man bräuchte nur den bereits bestehenden KV neu nehmen, den die ehemaligen Lauda-Air-Piloten bei ihrem Wechsel zur AUA bekamen und den auch alle neu eintretenden Mitarbeiter des fliegenden Personals erhalten. Dass sich die KV-alt-Piloten und Flugbegleiter nichts wegnehmen lassen wollen, ist auch verständlich - wer tut das schon freiwillig.

Jeder weiß, wie hochexplosiv und emotional die Stimmung ist, wann immer es auf das Thema Gehälter vom Bord-Personal kommt. Umso mehr verwundert es, dass das Management - allen voran Vorstand Peter Malanik, seit Jahrzehnten im Unternehmen - die Lage derart eskalieren lässt. Die Lufthansa hat die AUA 2009 übernommen, sie kannte das Unternehmen schon vorher in- und auswendig und wusste um die Probleme der Airline immer bestens Bescheid. Und dennoch wurde von 2009 bis jetzt nichts wirklich verändert.

Gut, der designierte AUA-Chef Thierry Antinori verschwand, ehe er überhaupt begann, nachdem er erkennen musste, mit seinen Ideen bei der AUA nicht landen zu können. Dann war mehrere Monate Funkstille, weil sich den Job offenbar niemand antun wollte. Dann kam Jaan Albrecht von der Star Alliance, dessen Sanierungstalent zumindest bisher noch nicht voll zum Vorschein gekommen ist.

Man kann Albrecht keinen Vorwurf machen, er nahm wie viele andere einen Job an, der ihm - von außen betrachtet - eine Nummer zu groß ist. Gut, damit hatte auch ein erheblicher Teil seiner Vorgänger zu kämpfen. Der Vorwurf richtet sich an den Eigentümer Lufthansa, der offenbar bisher nicht in der Lage oder willens war, sich mit dem Thema AUA und ihren Problemen ernsthaft auseinanderzusetzen: Man belässt ein Management, das offensichtlich nicht in der Lage ist, das Unternehmen in solide Fahrwasser zu bringen; man belässt eine großzügig besetzte Führungsebene, ohne zu hinterfragen, ob diese ihre Berechtigung hat.

Man hat es offenbar bisher nicht geschafft, sich mit den Piloten zusammenzusetzen, und den Ernst der Lage zu vermitteln: Entweder wir finden gemeinsam eine Lösung, oder es ist aus. Es gab ja schon bisher mehrere Sparprogramme, aber offenbar haben die alle den Problemnerv nicht wirklich getroffen. Jetzt wird sich entscheiden, in welche Zukunft die AUA geht: abgespeckt selbstständig oder als Zubringer für die Drehkreuze München und Frankfurt - und vielleicht als Regional-Carrier für Osteuropa.

Die Lufthansa wird die AUA nicht zusperren, denn dann wären in der Sekunde Konkurrenzfluglinien anderer Allianzen wie Air France oder British Airlines in Wien und würden sich den Markt aufteilen. Das wäre ja quasi eine Einladung an die Konkurrenz, sich vor der eigenen Haustür breitzumachen. Man braucht nur nach Budapest zu schauen: Kaum war die Malev pleite, sind Lufthansa und Ryanair vermehrt nach Budapest geflogen.

Aber vielleicht sollte man sich wieder an den Satz von Ex-Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber erinnern, der bei der AUA-Übernahme sagte: "Wir kaufen uns keine Airline, wir kaufen uns den Markt." Völlig richtig. Aber bitteschön, dann muss man daraus auch etwas machen. Nichts getan hat schon jahrzehntelang die Staatsholding ÖIAG als Haupteigentümer. Von der Lufthansa hätte man mehr erwartet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.2.2012)

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