Ein Schwerenöter in Not

16. Februar 2012, 17:15
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Anton Tschechows Stück "Platonow" wird am Innsbrucker Landestheater kurzweilig inszeniert. Ein Schlachtfeld wartet

nnsbruck - Noch während das Publikum die Plätze einnimmt, finden sich nach und nach alle fünfzehn Schauspieler auf der Bühne ein, und sie werden sie in den folgenden dreieinhalb Stunden nicht mehr verlassen.

Sie verteilen sich, lümmelnd, sinnierend und abwartend auf den zahlreichen Sitzgelegenheiten. Die Bühne (Katrin Kersten) ist ein überdimensional hoher fenster- und türloser Raum, der an einen Wartesaal erinnert.

Wir befinden uns auf einem heruntergekommenen Landgut in der russischen Provinz. Hitze und Langeweile beherrschen die Szenerie, es wird Klavier gespielt. Die junge Generalswitwe hat geladen, und alles wartet auf den so eloquenten wie provokanten Dorflehrer Platonow. Mit dessen Erscheinen läuft dann alles aus dem Ruder.

Der Zorn der Herren

Der verheiratete Platonow ist ein pathologischer Schwerenöter, der sich den Reizen der anwesenden Damen nicht entziehen kann. Er verwickelt jede einzelne in ein amouröses Abenteuer. Dabei vergrämt er - wenig überraschend - seine Gemahlin und zieht den Zorn der anwesenden Herren auf sich.

Schließlich wird ihm selbst alles zu viel, er flüchtet in den Rausch und fällt der Eifersucht einer wütenden Geliebten zum Opfer. Regisseurin Mona Kraushaar bringt Anton Tschechows selten gespieltes Frühwerk Platonow - auch bekannt als Stück ohne Titel oder Die Vaterlosen - auf die Bühne des Tiroler Landestheaters.

Es ist ihr eine wunderbar kurzweilige Inszenierung gelungen. Sie entfesselt das Spiel, bis sich die Bühne in ein einziges Schlachtfeld verwandelt hat. Daraus lässt sie mithilfe einiger Lampions ein Gartenfest entstehen.

Ihr zur Seite steht ein starkes Ensemble, allen voran Frank Roeder als Platonow mit seinen Damen: Marlène Meyer-Dunker, Christiane Paulick, Elli Wissmüller und Sarah Jeanne Babits.

Aus der Schar der Herren sei Gerhard Kasal besonders erwähnt, dem anzusehen ist, womit er das Geld seines Vaters in Paris verjubelt hat. Einzige Schwachstelle des vergnüglichen Abends: das Stück selbst.  (Dorothea Nikolussi-Salzer / DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)

  • Balzen und die Folgen seriellen Ehebruchs: Das thematisiert Anton Tschechows "Platonow" am Innsbrucker Landestheater überdeutlich.
    foto: landestheater

    Balzen und die Folgen seriellen Ehebruchs: Das thematisiert Anton Tschechows "Platonow" am Innsbrucker Landestheater überdeutlich.

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