Anton Tschechows Stück "Platonow" wird am Innsbrucker Landestheater kurzweilig inszeniert. Ein Schlachtfeld wartet
nnsbruck - Noch während das Publikum die Plätze einnimmt, finden sich
nach und nach alle fünfzehn Schauspieler auf der Bühne ein, und sie
werden sie in den folgenden dreieinhalb Stunden nicht mehr verlassen.
Sie verteilen sich, lümmelnd, sinnierend und abwartend auf den
zahlreichen Sitzgelegenheiten. Die Bühne (Katrin Kersten) ist ein
überdimensional hoher fenster- und türloser Raum, der an einen Wartesaal
erinnert.
Wir befinden uns auf einem heruntergekommenen Landgut in der russischen
Provinz. Hitze und Langeweile beherrschen die Szenerie, es wird Klavier
gespielt. Die junge Generalswitwe hat geladen, und alles wartet auf den
so eloquenten wie provokanten Dorflehrer Platonow. Mit dessen Erscheinen
läuft dann alles aus dem Ruder.
Der Zorn der Herren
Der verheiratete Platonow ist ein pathologischer Schwerenöter, der sich
den Reizen der anwesenden Damen nicht entziehen kann. Er verwickelt jede
einzelne in ein amouröses Abenteuer. Dabei vergrämt er - wenig
überraschend - seine Gemahlin und zieht den Zorn der anwesenden Herren
auf sich.
Schließlich wird ihm selbst alles zu viel, er flüchtet in den Rausch und
fällt der Eifersucht einer wütenden Geliebten zum Opfer. Regisseurin
Mona Kraushaar bringt Anton Tschechows selten gespieltes Frühwerk
Platonow - auch bekannt als Stück ohne Titel oder Die Vaterlosen - auf
die Bühne des Tiroler Landestheaters.
Es ist ihr eine wunderbar kurzweilige Inszenierung gelungen. Sie
entfesselt das Spiel, bis sich die Bühne in ein einziges Schlachtfeld
verwandelt hat. Daraus lässt sie mithilfe einiger Lampions ein
Gartenfest entstehen.
Ihr zur Seite steht ein starkes Ensemble, allen voran Frank Roeder als
Platonow mit seinen Damen: Marlène Meyer-Dunker, Christiane Paulick,
Elli Wissmüller und Sarah Jeanne Babits.
Aus der Schar der Herren sei Gerhard Kasal besonders erwähnt, dem
anzusehen ist, womit er das Geld seines Vaters in Paris verjubelt hat.
Einzige Schwachstelle des vergnüglichen Abends: das Stück selbst. (Dorothea Nikolussi-Salzer / DER STANDARD, Printausgabe, 17.2.2012)