Über 80 Prozent der Schildkrötenarten vom Klimawandel bedroht

16. Februar 2012, 14:45
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Deutsche Wissenschaftler untersuchen den Einfluss der Temperaturänderungen und ermitteln mögliche Verlierer und Gewinner

Welche Schildkröten-Arten zählen in Zukunft zu den Verlierern und welche zu den Gewinnern des Klimawandels? Eine Gruppe deutscher Forscher hat den Einfluss der Klimaveränderungen auf globale Biodiversitätsmuster untersucht und dabei festgestellt, dass sich mindestens 86 Prozent aller Schildkröten auf neue Lebensbedingungen werden einstellen müssen.

Die acht Forscher der herpetologischen Arbeitsgruppe des Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig Bonn (ZFMK) nutzten moderne Verfahren der Habitatmodellierung um zu analysieren, wie der Klimawandel die Verbreitung der Tiere beeinflussen könnte und in welchen Regionen der Klimawandel einen besonderen Stressor für die lokale Schildkrötendiversität darstellt. Durch die Verbreitungsmodellierung war es den Wissenschaftern möglich, das Muster der aktuellen Verbreitung und Diversität für 199 Schildkröten Arten genau einzuschätzen, und "Diversitäts-hot-spots" zu identifizieren.

Die Verbreitungsmuster der meisten Schildkröten zeigten bereits unter heutigen klimatischen Bedingungen eine starke Abhängigkeit von jahreszeitlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen, die gut mit bekannten physiologischen Eigenschaften der Tiere übereinstimmen. Insbesondere die zur erfolgreichen Entwicklung der Eier notwendigen Umweltbedingungen stellen eine kritische Phase im Lebenszyklus dar, zumal bei der Mehrzahl der Taxa das Geschlecht über die Inkubationstemperatur bestimmt wird.

Regional unterschiedliche Auswirkungen

"Die heutige Schildkrötendiversität wird von zukünftigen Änderungen des Klimas betroffen sein, wobei die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich ausfallen können." erklärt Flora Ihlow, korrespondierende Autorin der Studie, die in der Fachzeitschrift "Global Change Biology" erschienen ist. "Unsere Prognosen zeigen, dass innerhalb der nächsten Jahrzehnte 86 Prozent aller Schildkrötenarten in ihren heutigen Arealen deutlich veränderte Klimabedingungen vorfinden werden."

"Nicht nur, dass sie wechselwarm und daher besonders anfällig für jegliche klimatische Veränderung sind, auch die erfolgreiche Inkubation und Geschlechterfixierung der Nachkommen ist bei Schildkröten temperaturabhängig", erläutert Dennis Rödder, Leiter der Studie. "Es war bereits vor unseren Analysen zu vermuten, dass der Klimawandel ernsthafte Konsequenzen für die globale Schildkrötenbiodiversität haben könnte. Nun haben wir starke Anhaltspunkte für die Richtigkeit der Annahmen." (red)

  • Die Dickhalsschildkröte (Siebenrockiella crassicollis) zählt zu jenen Arten, deren heutiges Verbreitungsgebiet durch den Klimawandel maßgeblich beeinträchtigt wird.
    foto: f. ihlow

    Die Dickhalsschildkröte (Siebenrockiella crassicollis) zählt zu jenen Arten, deren heutiges Verbreitungsgebiet durch den Klimawandel maßgeblich beeinträchtigt wird.

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