Ein Tormann hat Sehn­sucht nach Beschäftigung

16. Februar 2012, 12:55
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Rapid Goalie Lukas Königshofer steht das erste Derby bevor. Der 22-jährige Sohn des Radwelt­meisters neigt dazu, nicht aufge­regt zu sein: "Mir ist alles wurscht."

Wien - Stimmt die Behauptung, dass alle Tormänner einen Pascher haben, dann hat Lukas Königshofer folgenden: "Mir ist alles wurscht. Man kann mich auch aus zwei Metern anschießen, ins Gesicht treffen. Mir ist es wurscht, ich stehe auf, als wäre nichts passiert. Das ist wahrscheinlich nicht ganz normal. Zähne sollte ich aber nicht unbedingt verlieren."

Neue Nummer eins

Königshofer ist seit Ende November die Nummer eins von Rapid und hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag dieser Tage bis 2014 verlängert. Er genießt das Vertrauen von Peter Schöttel, der Trainer begründet das simpel: "Weil er es verdient."

In fünf Ligapartien hat Königshofer erst zwei Gegentore kassiert, am Samstag folgt der sechste Einsatz. Und der ist aus ungefähr 25 Gründen ein ganz spezieller, der Einfachheit halber seien nur drei Argumente angeführt. Es ist das 300. Derby zwischen Rapid und der Austria. Die vergangenen 299 mussten ohne Königshofer auskommen. Zudem hat er nie zuvor im Happel-Stadion als Fußballer gearbeitet, er kennt diese Stätte nur aus Sicht des Zuschauers, aus Sicht des Rapid-Fans.

Als Bub und Jugendlicher hat er sich auf der Tribüne einige Derbys gegeben, jenes im Mai 2005 ist haften geblieben. Die Kung-Fu-Attacke von Austrias Tormann Joey Didulica an Stürmer Axel Lawaree, der Rapidler erlitt mehrere Brüche im Gesicht. Königshofer: "Das war jenseitig, so etwas darf ein Tormann nie tun."

Der Sohn des Weltmeisters

Lukas ist der Sohn von Roland, der war ein berühmter Radsportler, dreifacher Weltmeister. In einer Disziplin, die zumindest nicht unoriginell war und praktisch abgeschafft wurde. Der Papa drehte in der Halle mit dem Rad hinter einem Motorrad sehr viele Runden. Steherrennen nannte man das. Gestanden ist der Motorradlenker, es war meist der legendäre Karl Igl. Laut war es. Lukas Königshofer: "Manchmal schauen wir alte Videos an, schon leicht schräg."

Vom Vater und auch von Mutter Monika, die in den Achtzigern das Tor der Handballnationalmannschaft bewachte, hat er gelernt, "wie der Spitzensport funktioniert und worauf es ankommt. Auf Konsequenz, Fleiß, Konzentration, Selbstvertrauen, die richtige Ernährung."

2009 ist der Wiener Königshofer von Austria Kärnten zu den Rapid Amateuren gewechselt. Natürlich sei es nie einfach gewesen. Ein Kreuzbandriss hat ihn zurückgeworfen. "Aber ich habe nie an mir gezweifelt." Dass er Helge Payer verdrängt hat, sieht er emotionslos. "Jeder will spielen, wir haben ein gutes Verhältnis."

Königshofer bestreitet, dass es im Land eine Tormannkrise gibt. "Es gibt Talente, sie brauchen halt Zeit, Geduld und Praxis. Das Nationalteam kann für mich noch kein Thema sein. Wenn es kommt, ist es da."

Acht tolle Paraden

Das erste Derby wird er ungefähr so angehen "wie ein zweites oder drittes Spiel gegen Wiener Neustadt. Ich neige nicht dazu, aufgeregt zu sein." Er wünscht sich acht tolle Paraden und ein 1:0 für Rapid. "Keine tollen Paraden und ein 1:0 für Rapid wären mir auch recht. Aber ein Tormann hat Sehnsucht nach Beschäftigung."

Als Vorbild nennt er Pepe Reina von Liverpool, der Spanier komme dem Idealbild sehr nahe. "Und Liverpool ist mein Traumverein im Ausland."

Schöttel sagt über den 1,91 Meter langen und ungefähr 90 Kilo schweren Königshofer: "Er ist ruhig, für seine Jugend stabil, dirigiert die Verteidigung. Aber natürlich ist noch ausreichend Luft nach oben vorhanden." Die wahren Prüfungen, weiß Königshofer, "kommen erst. Das 300. Derby ist sicher nicht wurscht."(Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 17.02.2012)

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    Lukas Königshofer bleibt wo er ist.

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