Bank-Austria-Chef hat keine Sorge um eigenes Banken-Rating bei neuerlicher Überprüfung
Wien - Der Chef der Bank Austria, Willibald Cernko, geht davon aus, dass es noch ein weiter Weg sein wird, bis Österreich sein Triple-A-Rating zurück hat. Vielleicht würde es drei bis sechs Jahre dauern, bis die Republik das AAA-Rating wieder sicher in der Tasche habe.
Um das Rating der Bank Austria, der Österreich-Tochter der italienischen UniCredit, macht sich Cernko aktuell keine Sorgen - selbst wenn die Agentur Moody's heute 114 europäischen Banken eine Überprüfung und damit schlechtere Noten angedroht hat. Standard & Poor's habe das Rating der Bank Austria vorigen Freitag belassen, während die Mailänder Mutter UniCredit in Italien zurückgestuft wurde. Cernko macht dafür die gute Kapital- und Liquiditätsausstattung der Bank Austria verantwortlich, aber auch das im Vergleich zu Italien viel bessere Staatsrating.
Schritt in die richtige Richtung
Das neue Sparpaket der österreichischen Regierung wertet Cernko bloß als ersten Schritt in die richtige Richtung. Für bedenklich hält er, ein Stabilitätsprogramm an Aussagen festzumachen, "was kostet es den Mateschitz und den Treichl." Ihn selbst koste das Paket (namentlich die Solidarabgabe für Spitzenverdiener, Anm.) einige zehntausend Euro, sagte Cernko auf Nachfragen.
Generell vermisst der Manager im Sparpaket Strukturreformen. Auch seien viele Positionen mit Fragezeichen drin, etwa was die Finanztransaktionssteuer und die Abgeltungssteuer auf Vermögen in der Schweiz betrifft. Es reiche auch nicht, einige Großbaustellen zurückzunehmen. "Es fehlen die großen Wachstumsimpulse. Da muss noch einiges nachkommen." Man habe da 27 Milliarden Euro an Maßnahmen addiert. "Netto sieht die Welt schon ganz anders aus."
"Europa kann sich Griechen-Pleite nicht leisten"
Anders als Erste-Chef Andreas Treichl hält Cernko einen
Euro-Austritt Griechenlands nicht für realistisch. "Europa wird sich das dreimal
gut überlegen, jemanden austreten zu lassen." Das würde das ganze Projekt Europa in Frage stellen. Europa könne es sich nicht leisten, Griechenland in eine unkontrollierte
Insolvenz schlittern zu lassen. Für Cernko wäre dies ein Armutszeugnis. Das
Problem Griechenlands werde freilich nicht in einer Generation zu lösen sein,
vermutet er. Es reiche dabei auch nicht, aus den Griechen das letzte
Sparpotenzial herauszupressen. "Wir sehen zu wenig Wachstumsimpulse."
Wie eine "kontrollierte" Pleite vonstattengehen könnte, weiß Cernko auch
nicht. Als die Probleme mit Griechenland begannen, hätte wohl ein zweistelliger
Milliardenbetrag gereicht, "und man würde heute das Thema Griechenland nicht
mehr diskutieren müssen." Nun sei man so weit, dass "eine Dramaturgie
durchlaufen werden muss, wo am Ende fast eine Katastrophe steht." Europa muss
sich laut Cernko fragen, ob in solchen Krisen das Einstimmigkeitsprinzip
aufrechterhalten bleiben kann.
Auf ihren Bestand an Griechenland-Anleihen hat die Bank Austria mit der zu
Jahresende fällig gewordenen neuerlichen Abwertung um 100 Mio. Euro im Jahr 2011
in Summe 400 Mio. Euro abgeschrieben, berichtete Cernko.
Im dritten Quartal hat die Bank teure Firmenwertabschreibungen auf Osttöchter
vorgenommen. In Ungarn mussten für Kredite zudem noch 60 Mio. Euro rückgestellt
werden. Trotz allem wird die Bank Austria 2011 ein positives Jahresergebnis
ausweisen. Details nennt die Bank erst im März. Auch die Tochter in Ungarn habe
Gewinn gemacht, so Cernko heute. Ungarn und Rumänien sind aber jene Länder, in
denen die Bank Austria ihr Filialexpansionsprogramm gestoppt bzw. auf Eis gelegt
hat. (APA)