Personal Tools

Was wird Google machen?

Kolumne | 16. Februar 2012, 09:50

Vor drei Jahren titelte ein Buch mit der rhetorischen Frage: "Was würde Google tun? - Was macht jetzt Google?

Vor drei Jahren titelte ein Buch mit der rhetorischen Frage: "Was würde Google tun?" Das blühende Online-Imperium schien unaufhaltsam und war ein unbestrittenes Vorbild für Erfolg.

Internetzeit ist bekanntlich schneller als Normalzeit getaktet, und im heurigen Jahr des Börsenhypes für Facebook werden Bestseller-Autoren fragen, was Zuckerberg tun würde. Hingegen muss sich der Noch-Champ fragen: Was macht jetzt Google?

Sinnkrise

Google ist jung in eine Sinnkrise von Microsoft'scher Dimension geschlittert. Das Kernprodukt bleibt trotz eines Bauchladens an Produkten die Suche samt angeschlossener Werbevermittlung, der Google seinen Reichtum verdankt - vergleichbar Microsofts Fundamenten Windows und Office.

Einer für alles

Daneben will Google längst alles für alle sein: eine Alternative zu Microsoft durch Chrome-Notebooks und Web-Apps, die Office ersetzen können. Eine Alternative zu Apple mit Android-betriebenen Handys und Tablets und einem Musikladen. Eine Alternative zu Facebook und Twitter mit Google+. In Arbeit ist eine Art Youtube+ als Alternative zu Videoangeboten von Netflix, Hulu, Amazon und anderen.

Motorola-Übernahme

Ja, und dann wäre da noch die langsam sichtbar werdende Hardware-Seite von Google. Eben haben US- und EU-Wettbewerbshüter Google grünes Licht für die Übernahme von Motorola gegeben, einem Handy-, Tablet- und Settop-Boxen-Hersteller. Zwar sind noch einige regionale Genehmigungen nötig, aber man kann von einem Vollzug ausgehen.

Als der Kauf - mit 12,5 Mrd. Dollar der bei weitem größte in Googles Geschichte - im Vorjahr bekannt wurde, galt Motorolas Patentschatz als Grund. Das sollte andere Hersteller von Android-Handys, vor allem Samsung, beruhigen, dass sie nicht künftig mit Google selbst konkurrieren.

"Android@ Home"

Aber inzwischen sieht es mehr danach aus, dass mit dem Kauf die Weichen zur direkten Konkurrenz mit Apple und Amazon, in der Folge auch mit anderen Hardwareherstellern, gestellt wurden, Googles Online-Jobbörsen, die früher vorwiegend Softwareentwickler suchten, sind voller Angebote für Hardware-Ingenieure. Gerüchte über ein geheimnisvolles "Entertainment-Device" machen die Runden. Schon vor einem Jahr hat Google das Konzept eines Multiraum-Mediaplayers (Übersetzung: iPod, iPad und Amazon Kindle im ganzen Haushalt) als "Android@ Home" demonstriert.

Gefahren

Die Gefahren für Google sind offenkundig: Facebook muss am Suchkuchen mitnaschen um nach dem Börsengang weiter zu wachsen. Das ist für das Netzwerk leicht: Die Technik kommt von Microsofts Bing, gefundene Inhalte werden in bewährter Weise im Facebook-Rahmen präsentiert. Ausflüge zu Google werden überflüssig.

Bei Musik und Video dominieren Apple und Amazon, die ein ganzes "Ökosystem" anbieten, vom Gerät bis zum Onlineangebot. Darum, und weil andere Anbieter beginnen, das Feld "Video on Demand" zu besetzen, wird es für Google auch hier eng. Und andere Projekte wie Google Wallet (Zahlen mit Handy) kommen nicht voran, weil ein breites Hardwareangebot fehlt. Was wird also Google machen?(helmut.spudich@derStandard.at, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2011)

Kommentar posten
12 Postings
Jasper Perky
00
17.2.2012, 15:48
Google ist jung in eine Sinnkrise von Microsoft'scher Dimension geschlittert.

Ja, klar :-)

Philipp Wrann
00
17.2.2012, 15:09
In einigen Jahren wird das alles noch viel "grusliger" werden.

Augmented Reallity, Informations- und Werbebereitstellung zu jeder Zeit an jedem Ort, visuelle Wegweise mit Alternativvorschlägen von bevorzugten Partnern... Google ist ein Rieße aber noch lange nicht ausgewachsen. Es wird spannend, soviel ist klar aber ob das alles auch gut ist?

brittonberkan
02
16.2.2012, 18:32
Seltsamer Artikel...

...Google positioniert sich absolut eindeutig im Cloud-Computing-Segment. Die Hardware wird zur Nebensache, der Content ist online gespeichert.

Was Google tut ist für jeden gut zu sehen, ob es einem gefällt ist eine andere Frage. Unumstritten ist jedoch, dass andere diesen Weg ebenso gehen (Windows Live, Apple iCloud usw)

Mag. Nicht
13
16.2.2012, 18:32
Google ... Sinnkrise ... lol

Lesen sie sich den Lebenslauf von Sergey Bryn durch, denken sie 3 Minuten darüber nach wie dieser Mensch tickt und dann lesen sie mal ihren Text.

Die bestbezahlten Leute bei Google arbeiten nicht an Mail, Youtube oder sonstigen Spielchen. Haben sie sich schoneinmal V8 (Google Chrome Java Wollmilchsau) angesehen? Alles was Google momentan macht zeigt in eine Richtung. Augmented Intelligence/Reality.

Die Arbeit an der Fotosuche ... Die Algorithmen zu Google Books. Das sind keine Entwicklungen als kleine nutzlose Tools. Das sind alles Vorzeigewerkzeuge für AIs. Glauben sie mir. Google hat eine Strategie ... bis 2030.

derunbestechliche
00
17.2.2012, 13:20

Google wird sich weiterhin sehr stark mit Werbung (Haupteinnahme) und der Suche auseinandersetzen. Ebenso sind sie tendenziell stärker im Firmengeschäft, in Betriebssystemen und Plattformen engagiert. Weiterhin werden sie Firmenübernahmen tätigen, stark in ihre Infrastr. investieren und ihre Mitarbeiteranzahl aufstocken. Google wird zukünftig verstärkt Suchergebnisse mit detaillierteren Informationen anreichern, siehe bspw. harvardbusinessmanager http://goo.gl/We204

Google ist nicht in einer Sinnkrise. Page hat im letzten Jahr das Ruder übernommen. Sogleich hat er viele unrentable Projekte gestoppt und sich auf einige wenige, aber erfolgreiche Projekte reduziert. Der Aktienkurs gibt ihm Recht.
Revoolution bei Google: MM
http://goo.gl/VFkLu

Mag. Nicht
00
17.2.2012, 16:44

Googles Position zum Thema Haupteinnahmequelle: "Money? We make it!" - Die Finanzwelt wird Google niemals verstehen. Schmidt hat es nicht geschafft, hat Page und Brin aber werken lassen. Ob sie jetzt ein paar Projekte stoppen oder nicht, ist für den "Markt" ein großes Zeichen, für die beiden aber recht egal. Es ist als ob bei einem Genetic Algorithm ein Strang ausstirbt.

Schmidt hat bis jetzt die Welt von Page und Brin ferngehalten. Jetzt kümmert sich Page darum, dass sich Google so präsentiert, dass sie die Finanzwelt verstehen kann, während Brin an etwas ganz anderem tüftelt.

Was das ist finden sie sehr leicht heraus, wenn sie sich nur 10 Minuten mit der Person Sergey Brin beschäftigen. =)

georgheh
00
17.2.2012, 09:07

sie haben node.js vergessen. das ist sicher eines der absolut coolsten projekte auf v8 basis.

aber moment - damit macht google kein geld, und wirds auf weiteres auch nicht.
das alles sind "tools" um direkt oder indirekt werbefläche in der suche zu verkaufen.

ich denke das ist mit "sinnkrise" gemeint. 97% des umsatzes kommen aus einem geschäftsfeld, und 3% aus ~20 anderen.

Jeder hat das Recht auf meine Meinung
01
16.2.2012, 16:09
Facebook ist die

dot.com Blase 2.0....

georgheh
00
17.2.2012, 09:09

schauma mal.

das haben leute vor längerer zeit übers handy auch gesagt, dasman sich bald wieder von dieser "ekelhaften überall-erreichbarkeit" befreien wird und handys wieder aussterben werden...

Gle Goo
02
16.2.2012, 11:08
denke nicht dass es google geht wie MS

ebenfalls denke ich nicht, dass ich meine suche künftig über facebook abwickeln werde!

fb ist ohnehin die nummer 1 der nächsten .com blase !!!

nestrus
00
16.2.2012, 11:03
"In Arbeit ist eine Art Youtube+ als Alternative zu Videoangeboten von Netflix, Hulu, Amazon und anderen."

Hoffentlich auch in at!

Gerhard Rohrer
00
16.2.2012, 10:07
Naja

"Google ist jung in eine Sinnkrise von Microsoft'scher Dimension geschlittert."

...

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.