Gewerkschafter sehen "Hazard-Situation"

16. Februar 2012, 16:53
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Das AUA-Management solle sich "nicht auf Hazard-Situationen einlassen" und bei den Sparbemühungen nicht nur auf den Kollektivvertrag konzentrieren

Wien - Die am Mittwochnachmittag von der AUA ausgesprochene Aufkündigung des Kollektivvertrags für das Bordpersonal würde für den Gewerkschafter Karl Proyer von der GPA-djp einen "Rattenschwanz an rechtlichen Problemen nach sich ziehen", wie er sagte. Bei tatsächlicher Umsetzung des AUA-Plans, 2.300 Mitarbeiter auf den billigeren Tyrolean-KV umzustellen, "müsste das Unternehmen so viele Rückstellungen machen, dass das wahrscheinlich überhaupt nichts bringt". Das AUA-Management solle sich "nicht auf Hazard-Situationen einlassen" und sich bei seinen Sparbemühungen nicht nur auf den KV konzentrieren. "Der Vorstand soll sich auch um andere Dinge kümmern."

Gewerkschafter: "Keine Pipifax-Sache"

Vida-Gewerkschafter Rudolf Kaske schäumt. Vor allem, da ihn AUA-Vorstand Peter Malanik erst im Nachhinein darüber informiert habe. In einem offenen Brief an Malanik spricht Kaske von einem "Affront gegen die gelebte Sozialpartnerschaft" - immerhin handle es sich dabei "um keine 'Pipifax-Angelegenheit'".

Dass vida-Vertreter die KV-Gespräche am Dienstag einseitig abgebrochen hätten, erscheine ihm wie ein "Scheinargument", so Kaske. "Denn wie sonst darf ich die Tatsache interpretieren, dass der Verhandler der Gewerkschaftsseite just für den Termin des Gesprächs per SMS eine kurzfristige Abberufung zum Flugdienst erhalten hat?" Zumal zuvor schriftlich zugesichert worden sei, dass der vida-Verhandlungsführer Wolfgang Hable für die Dauer der KV-Gespräche vom Flugdienst freigestellt werde.

Und selbst wenn die Verhandlungen am Dienstag von vida-Vertretern abgebrochen wurden, "hätte ich mir erwartet, dass Sie mich in sozialpartnerschaftlicher Gepflogenheit sofort anrufen, um mögliche Missverständnisse auszuräumen", schreibt Kaske an Malanik. "Sie haben den Weg gewählt, den Kollektivvertrag am 15. Februar durch die WKÖ aufzukündigen, mich telefonisch im Nachhinein zu kontaktieren und mir über die Medien ausrichten zu lassen, dass Sie sich direkt an mich gewandt haben", empört sich der Gewerkschafter.

Auch zur Kritik, dass die Belegschaftsvertreter den Jänner und Februar ungenutzt verstreichen hätten lassen, äußerte sich Kaske: Die Wirtschaftskammer habe der Gewerkschaft auf Malaniks Bestreben hin einen Termin am 23. Jänner "diktieren" wollen. Dazu habe Malanik noch die "Freundlichkeit" gehabt, der Gewerkschaft einen "einseitig neu gefassten" KV-Entwurf für das Bordpersonal zu übermitteln, der laut Gewerkschaftsjuristen an die 180 Änderungspunkte beinhalte. "Die Abarbeitung aller Änderungswünsche würde ganz sicher mehrere Monate in Anspruch nehmen und mit dem von Ihnen aufgestellten engen Zeitkorsett bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 29. Februar nicht möglich sein", so Kaske.

Er appellierte an den AUA-Vorstand, "künftig enger zu kooperieren und Fouls zu unterlassen", und betont, dass die Einigung auf einen neuen KV nur dann möglich sei, wenn sich alle Beteiligten an die Vereinbarungen halten. Protestmaßnahmen gegen das AUA-Management sind aber derzeit laut Kaske nicht geplant: "Maßnahmen kündigt man nicht an, die setzt man - wenn notwendig." Kaske schlägt vor, mit den Belegschaftsvertretern wieder in Verhandlungen zu treten. Auch das AUA-Management gab sich optimistisch. "Wenn wir jetzt eine Basis erreicht haben, um vernünftig über eine Reform der AUA zu diskutieren, dann freuen wir uns auf die nächsten zwei Wochen und auf den Verhandlungstisch", sagte ein Unternehmenssprecher.

Mitterlehner deutet Zugeständnisse an

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will, dass Lufthansa/Austrian Airlines und Gewerkschaft die seit Wochen schwelende Auseinandersetzung um Sparprogramme bzw. die Kollektivverträge rasch beilegen und mögliche staatliche Zugeständnisse angedeutet. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl meinte, Wien dürfe nicht zu einem reinen Regionalflughafen werden.

"Bei allem Respekt vor kollektivvertraglichen Gegebenheiten - die Probleme müssen jetzt und nicht später gelöst werden, wenn es dafür vielleicht zu spät ist", sagte Mitterlehner. Die AUA benötige ein "Potpourri an Maßnahmen", um Standort und Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Der Umfang der verpflichtenden Mineralölbevorratung durch die AUA werde "geprüft", zur von der AUA bekämpften Ticketabgabe gebe es ein Gespräch mit Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Leitl sagte, er hoffe nicht, dass die AUA gefährdet sei. Wien dürfe nicht auf einen "Zubringerflughafen für Frankfurt oder Zürich" reduziert werden.

Drei verschiedene Kollektivverträge

Derzeit gibt es innerhalb der AUA-Gruppe drei verschiedene Kollektivverträge: Austrian Boden (zuständig GPA-djp), Austrian Bord (vida) sowie Tyrolean Boden und Bord (vida). Eine Umstellung auf den billigeren KV würde für die betroffenen Bord-Mitarbeiter Einbußen von bis zu 25 Prozent bedeuten. Die schwer angeschlagene Lufthansa-Tochter AUA pocht auf eine "Modernisierung" der Kollektivverträge für das fliegende Personal. Allerdings sind die letzten Gespräche zwischen Gewerkschaft und Management am Dienstag gescheitert, am Mittwoch wurde dann überraschend der Bord-KV "vorsorglich" aufgekündigt. Ende Februar will das Unternehmen nämlich wissen, ob auch via Kollektivvertrag Einsparungen möglich sind. Am 29. Februar findet die entscheidende Aufsichtsratssitzung statt, bis zu der klar sein soll, ob es wirtschaftlich eine Basis für eine Zukunft der AUA gibt.

Beim Bodenpersonal - auch hier sind Einschnitte geplant - haben sich die Wogen zwischen Arbeitnehmervertretern und Management indes wieder etwas geglättet. Vorige Woche habe die GPA ein Gespräch mit den AUA-Vorständen Jaan Albrecht und Peter Malanik geführt, das "trotz der nicht leichten Situation eigentlich bemüht gelaufen" sei, sagte der stellvertretende GPA-djp-Chef Karl Proyer. Der von der AUA übermittelte KV-Vorschlag für das Bodenpersonal sei jedenfalls vom Tisch. Nun werde "mit der nötigen Verantwortung" weiterverhandelt, so der zuständige Gewerkschafter. Er stellte aber auch klar: "Zum Holen gibt's bei den Beschäftigten am Boden gar nichts. Wenn jemand mit knapp 2.000 Euro am Schalter sitzt, wirkt es dilettantisch, wenn er einen 20-Euro-Beitrag leisten soll." (APA)

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