Fast hundert Prozent der Kosovo-Serben gegen Pristina

16. Februar 2012, 18:31
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Referendum der Serben im Nordkosovo - Belgrad fürchtet um weitere EU-Integration

Prishtina/Belgrad - Obwohl man im Voraus wusste, wie die Volksabstimmung in den vier serbischen Gemeinden im Nordkosovo am Dienstag und Mittwoch ausgehen würde, hat das Ergebnis neue politische Turbulenzen ausgelöst. Auf die Referendumsfrage "Akzeptieren Sie die Institutionen des sogenannten Staates Kosovo" antworteten 99,74 Prozent der Serben mit Nein. Rund 75 Prozent der 35.500 im Nordkosovo registrierten Serben nahmen an dem Referendum teil.

Die lokalen serbischen Führer erklärten, das Referendum sei "erzwungen" gewesen: Man wollte der internationalen Gemeinschaft noch einmal deutlich zeigen, dass kosovarische Serben unter keinen Umständen Teil des unabhängigen Kosovo sein wollten. Das Referendum war jedoch auch eine Warnung an die Regierung in Belgrad. Ihr werfen die Kosovo-Serben vor, im Dialog mit Prishtina Teile der staatlichen Souveränität und der territorialen Integrität aufzugeben, um Anfang März den EU-Kandidatenstatus zu bekommen. Beteuerungen, Serbien würde nie und nimmer den Kosovo anerkennen, nennen Führer der Kosovo-Serben oft heuchlerisch.

Belgrad war ausdrücklich gegen das Referendum. Es würde nur "zusätzlich die internationale Lage Serbiens erschweren", erklärte Borko Stefanoviæ, Chef des serbischen Verhandlungsteams im Dialog mit Prishtina.

In Serbien steht schon alles im Zeichen der Parlaments- und Kommunalwahlen im Mai. Die Schlüsselfrage ist, ob Belgrads proeuropäische Regierung die Wahlen auch im von den meisten EU-Staaten und den USA anerkannten Kosovo ausschreibt oder zumindest im von Serben kontrollierten Norden, wozu die serbische Verfassung und die eigene Nichtanerkennungpolitik sie verpflichten würde. Für diesen Fall ist heftiger Widerstand aus Brüssel und Washington zu erwarten. (DER STANDARD Printausgabe, 17.2.2012)

  • Nach einem Stromausfall ging in Mitrovica die Stimmabgabe im Kerzenschein vonstatten.
    foto: epa/str

    Nach einem Stromausfall ging in Mitrovica die Stimmabgabe im Kerzenschein vonstatten.

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