Direktor Krepler unter Druck: "Ruinieren lieber das AKH als uns selbst"

15. Februar 2012, 20:19
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FP und VP fordern Rücktritt wegen Telefonprotokollen - Krepler: "Übertriebene, plakative und missverständliche Formulierungen"

Wien - Weil sie den ärztlichen Direktor des AKH, Reinhard Krepler, der Korruption verdächtigen, forderten der Wiener FP-Stadtrat David Lasar und VP-Gemeinderätin Ingrid Korosec in einer Pressekonferenz am Mittwoch den Rücktritt Kreplers. Sie präsentierten Überwachungsprotokolle von Telefonaten zwischen Krepler und AKH-Verwaltungschefin Elisabeth Pal.

In zwei der Protokolle vom September 2010, die dem Standard vorliegen, besprechen Krepler und Pal das weitere Vorgehen nach einer E-Mail vom Generaldirektor des Krankenanstaltsverbunds, Wilhelm Marhold, in der ihnen vorgeworfen wurde, Mitarbeiter nicht weisungsgetreu versetzt zu haben.

"Ruinieren lieber das AKH als uns selbst"

Es handelte sich um Personen, die in den Vergabeskandal um die Reinigungsfirma Ago verwickelt sein sollen. In den Telefonaten meinte Krepler, dass es nun darum gehe, "uns zu schützen" , und er "keinerlei Rücksicht" mehr nehme auf "das wirtschaftliche Wohlergehen der Stadt Wien" . Zudem soll Krepler gesagt haben: "Wir ruinieren lieber das AKH als uns selbst." Teile der Protokolle wurden am Mittwoch in der Tageszeitung Österreich abgedruckt.

FP und VP forderten zudem Bürgermeister Michael Häupl (SP) zu einer Stellungnahme auf, der auf den Fall aber nicht inhaltlich eingehen wollte, weil Abhörprotokolle für Häupl die Grenzen des Rechtsstaates verlassen würden.

"AKH zu neuer Blüte verholfen"

Krepler selbst weist die Anschuldigungen zurück: "Alle Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, wissen, dass ich und die Med-Uni Wien in den vergangenen Jahren nichts anderes getan habe, als dem AKH zu neuer Blüte zu verhelfen." Er und Pal seien damals aufgebracht gewesen, da alle Versetzungen korrekt durchgeführt worden seien und der internen Revision des AKH, die Marhold informiert hatte, ein Fehler unterlaufen sei.

Als Pal sich beim Telefonat darüber beklagte, dass man infolge der diktierten Versetzungen nun von einer externen Firma Berater zukaufen müsse, habe Krepler wie zitiert geantwortet, dass der finanzielle Aspekt nachrangig sei, so Krepler. Dabei seien auch "übertriebene, plakative und missverständliche Formulierungen" gefallen, was er bedauere. Dass die Protokolle den Weg in die Medien fanden, bedauert Krepler. Die Überwachung der Polizei in der Causa Ago sei aber gerechtfertigt. Auch bei ihm. (Rita Korunka, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)

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