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Proteste gegen Acta, ein internationales Abkommen zur Durchsetzung des Urheberrechts im Internet: In etlichen Städten haben am vergangenen Wochenende vor allem junge Leute für ihre "digitale Freiheit" demonstriert. Sie kritisieren: Sie, die User, hätten bei Acta nicht mitreden dürfen, das sei alles "hinter verschlossenen Türen" ausgehandelt worden. Das ist nicht ganz falsch, und man sollte wohl den einen oder anderen Acta-Punkt noch diskutieren (dürfen). Aber dass gegen die längst zur Gewohnheit gewordene Verletzung des Urheberrechts im Internet (und auch gegen Produktpiraterie) vorgegangen werden muss, steht für mich fest.
Wer ein Produkt herstellt, das andere haben wollen, der soll für dieses Produkt auch bezahlt werden. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um ein materielles oder ein geistiges Produkt handelt. Das war bis vor kurzem allgemein akzeptierte Meinung. Geistiges Eigentum ist durchs Urheberrecht geschützt. Wer sich fremdes geistiges Eigentum einfach aneignet, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Das war - mehr oder weniger - unbestritten, solange etwa die Herstellung von "Raubdrucken" , Raubkopien" oder "Raubpressungen" mit erheblichem Aufwand verbunden war.
Das ist nun ganz anders geworden. Auf elektronischem Weg können Filme, Musikstücke, Werke der bildenden Kunst und der Literatur so einfach vervielfältigt werden, wie man sich das vor ein paar Jahrzehnten noch nicht hat vorstellen können. Ist etwas einmal digitalisiert und "ins Netz gestellt" , dann kann jeder damit tun, was er will. Er darf es nicht, aber er kann, also tut er es. Viele tun es. Dass die, um deren geistiges Eigentum es dabei geht, sich dagegen wehren wollen, ist verständlich. Also verlangen sie, die Künstler nämlich, dass das Urheberrecht an die neuen Gegebenheiten angepasst wird. In Österreich wurde die Initiative "Kunst hat Recht." gestartet.
Guttenberg ein Avantgardist?
Doch da gibt es nun - offenbar durch die gut vernetzten Proteste gegen Acta inspiriert - eine "Gegeninitiative" aus den eigenen Reihen (wobei das noch zu hinterfragen sein wird, ob das wirklich die eigenen Reihen sind). Neue experimentelle Kunstformen seien, heißt es, gefährdet, wenn man sich wirklich um Urheberrechte kümmern müsste. Die Kunst des Sampelns etwa.
"Netzcommunitys und PiratInnen" , heißt es dazu beispielsweise in einem Leserkommentar von Tina Leisch in der Onlineausgabe des Standard (30. 1.) "lehnen alle Versuche ab, das freie Fließen der Informationsströme im Sinne des alten Urheberrechts zu reglementieren." "Viele der jüngeren, mit den Konzepten der Tausch- und Geschenkökonomie im Internet sozialisierten KulturmacherInnen" seien daher über Acta wie über die Initiative "Kunst hat Recht." verärgert.
"Tausch- und Geschenkökonomie" , das ist eine nette Formulierung, nur wird aus ihr nicht klar, dass hier Dinge getauscht und verschenkt werden, die jemand anderem gehören. Sorry, auch wenn man es gern hätte und wenn das heute so einfach geworden ist, kann man sich nicht einfach nach Belieben an fremdem geistigen Eigentum bedienen. Sonst dürfte - auf den Bereich Wissenschaft umgelegt - ein Karl-Theodor zu Guttenberg nicht länger als Plagiator gelten, sondern müsste eigentlich als Avantgardist gepriesen werden, nämlich als einer der Erfinder der gesampelten Dissertation.
Vom Urheberrecht profitierten, wird von den Anti-Acta-Aktivisten behauptet, ja gar nicht die wahren Urheber, sondern nur die "großen Konzerne" . Das ist nicht viel mehr als ein Appell an die antikapitalistischen Affekte, die in den meisten von uns schlummern. Gegen die "großen Konzerne" sind wir doch alle, eh klar. Nur stimmt die Behauptung selbst im Film- oder Musikgeschäft nur so halb-halb, weil die, mit deren Werken das "große Geld" gemacht wird, in der Regel auch recht ordentlich verdienen. In den Bereichen bildende Kunst oder Literatur stimmt die Behauptung ganz sicher nicht. Die Verlage, in denen meine Bücher erscheinen, verdienen daran gewiss nicht viel mehr als ich. Und dass sie etwas verdienen, ist mir sehr recht, sie könnten es sich sonst nämlich nicht leisten, meine Bücher zu verlegen.
Bemerkung am Rande: "Gegen-Initiative" -Proponent Konrad Becker meinte in einem Kommentar an dieser Stelle (26. 1.): "Keines der großen Hip-Hop-Alben der 1980er-Jahre könnte heute noch produziert werden" und Andy Warhol hätte nicht zum großen Pop-Art-Künstler werden können. Dieser Einschätzung kann man zustimmen oder auch nicht, doch verliert das Argument an Gewicht, wenn man weiß, dass die Schöpfer dieser "großen Hip-Hop-Alben" oder Andy Warhol durchaus nicht auf ihre Einkünfte aus der urheberrechtlichen Verwertung ihrer Arbeit verzichtet haben.
Es fällt auch auf, dass diese "Gegeninitiative" von Leuten getragen wird, die selbst offenbar nur sehr wenig geschaffen haben, was einen Ertrag aus urheberrechtlich geschützter Verwertung bringen könnte. Sofern sie nicht überhaupt nur Theorie produzieren, schaffen sie Kunst ohne Marktwert. Dagegen ist nichts zu sagen. Der Marktwert besagt nicht viel. Was keinen Marktwert hat, kann hohe Kunst sein (muss aber nicht). Andererseits kann aus der Tatsache, dass ein Kunstwerk für mehr als drei Personen interessant ist oder gar ein sehr großes Publikum findet, nicht abgeleitet werden, dass das keinesfalls hohe Kunst sein kann.
Wohltäter Staat?
Jeder soll das halten, wie er will. Wer mag, der soll, was er an Kunst produziert, ins Netz stellen und den Damen und Herren Usern sagen: Freut euch dran, verändert es nach eurem Gutdünken, macht damit was ihr wollt! - Andere sollen aber auch sagen dürfen, dass sie - wenn's irgendwie geht - von ihrer Köpfe Arbeit auch leben möchten. Das sind zwei grundverschiedene Vorstellungen von Kunstausübung, und beide müssen möglich sein.
Das geht aber nur, wenn jene, die - absichtlich oder gezwungenermaßen - nicht für einen Markt produzieren, nicht allen anderen ihre Alternativmodelle aufzwingen können. Wer in einem Spiel nicht mitspielen will, kann nicht dessen Regeln bestimmen.
Tina Leisch schlägt vor, wir Künstlerinnen und Künstler sollten eine Lösung des leidigen Problems, dass wir halt von irgendwas leben müssen, jenseits des Marktes suchen und uns "an PolitikerInnen oder LehrerInnen orientieren. Die müssen für ihre Dienstleistungen auch nicht bei jedem jeweils Profitierenden kassieren, sondern werden für ihren Dienst an der Allgemeinheit mit Steuergeldern bezahlt." Davon abgesehen, dass der Staat uns eh nicht bezahlen wird wollen - davor bitte graut mir. Nein, ich möchte von meiner Arbeit leben und nicht permanenter Subventionsempfänger sein - abhängig vom Wohlwollen von Politikern und Kulturbürokraten. Und ich weiß mich darin mit vielen Kolleginnen und Kollegen einig. Dafür brauchen wir freilich ein Urheberrecht, das dafür sorgt, dass wir auch weiterhin selbst über unsere Arbeit verfügen können.
Man mag und darf - aber ja! - davon träumen, dass alles, was es gibt auf der Welt, allen gemeinsam gehört und von allen kostenfrei genutzt werden darf. Doch steht die Abschaffung des Privateigentums noch nicht unmittelbar an, und die allgemeine Enteignung aller wird noch eine Weile auf sich warten lassen. Warum also schon jetzt ausgerechnet bei den Künstlern damit anfangen? (Walter Wippersberg/DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)
Autor
Walter Wippersberg, Jg. 1945, lebt als Schriftsteller und Filmemacher in Wien und in Losenstein, OÖ.
der autor ist mitglied von kunst hat recht, und kunst hat recht wird von der skills gruppe betrieben.
die skills gruppe betreut außerdem monsanto, philipp morris usw
alles klar?
das sind allesamt bezahlte beiträge, angeblich haben die eine 6 stellige summe zur verfügung, für die initiative.
schaut euch mal die unterstützerliste an: da sind lauter unbekannte künstler dabei, die nix mit internet am hut haben, aber gut "vernetzt" sind, und viel geld brauchen.
das letzte aufbäumen eines untergehenden systems.
die presse hat bereits einen artikel eines gewissen herrn amon, der war hier auch aktiv, aus dem netzt genommen. es wäre schön, wenn auch hier nachvollziehbar wäre, daß das eine promotion ist.
ahoy
hellboy
bundesvorstand der Piraten
Ein "echter" Schriftsteller? Was macht ihn echter als andere?
p.s. Der (auch von mir geschätzte) Gaiman kann sich das absolut leisten, er hat millionenfach verkauft und hat auch gutes Geld von den Filmrechten auf der hohen Kante liegen.
Es ist ok, wenn er sich so entscheidet. Das kann aber bittschön nur freiwillig sein und nicht erzwungenerweise.
das internet bietet künstlern die möglichkeit, publisher zu umgehen und ihre werke nun selber direkt abzusetzen, ohne einem konzern, der am eigentlichen schaffensprozess der kunst gar nicht mitwirkt, abgaben zahlen zu müssen. acta ist der erbärmliche versuch dieser firmen, ihre existenz zu rechtfertigen.
Fünf, setzen! Nix verstanden?
Kreativität basiert meist auf anderen Werken, und die Kreativen sind es die mit ACTA leichter verklagt werden weil sie ideen oder Werk-Teile anderer Schaffender bei ihren Werken einbauen, selbst wenn es ihnen nicht bewüßt ist.
ACTA schützt nur die Konzerne, nicht die Künstler!
Deshalb sind ja die Leute auch nicht bereit nur einen einzigen Cent für Hostingplattformen auf denen der "illegale" Content liegt auszugeben, die Millionen Euro die täglich auf Fundraisingplattformen aufgebracht werden müssen auch vom Himmel fallen und diese Donate-Buttons von PayPal auf den Seiten unabhängiger Kleinstentwickler sind auch nur zur Zierde.
Von Flattr und kachingle erst garnicht zu sprechen, pff, was erwarten sich diese Leute eigentlich? Is ja eh alles gratis im Internet, oder?
Dem Verfasser werden Unzurechnungsfähigkeit aufgrund des Alters (!!! was eine eindeutige Diskriminierung darstellt) und Bereitschaft zum Kopieren vorgeworfen (also Verleumdung), ihm wird vorgeworfen, seine Produkte mit Gewalt unters Volk bringen zu wollen (?!! er tut nur seine Meinung kund, das ist sein gutes Recht), zum Schluss wird ihm gar sein Mensch-sein abgesprochen ( und wie viel brauchts dann bis zum unwerten Unmenschen? Was für Gewaltansätze stecken in solchen Ausdrucksweisen!!!)
Zitat gefällig?
"Gehen Sie in sich, werden Sie Mensch."
Der poster bejammerte anschliessend meine Kritik, er hätte ihm mit dem Satz kein Menschsein abgesprochen. Was aber noch nicht ist, muss ja bekanntlich erst werden.
"Es fällt auch auf, dass diese "Gegeninitiative" von Leuten getragen wird, die selbst offenbar nur sehr wenig geschaffen haben, was einen Ertrag aus urheberrechtlich geschützter Verwertung bringen könnte. Sofern sie nicht überhaupt nur Theorie produzieren, schaffen sie Kunst ohne Marktwert."
Der Artikel strotzt nur so von lächelnder Herabwürdigung und Bevormundung einer ganzen Generation und internationalen Community.
Beleidigungen und Elitismus austeilen können aber nachher nicht einstecken? Das ist es, was manche am Internet nicht ausstehen können: Sie können sich nicht hinter einem Verlag verstecken, es gibt direktes und schonungsloses Feedback. So mancher Staatskünstler ist halt die Konfrontation mit dem Publikum nicht mehr gewohnt.
"Dagegen ist nichts zu sagen. Der Marktwert besagt nicht viel. Was keinen Marktwert hat, kann hohe Kunst sein (muss aber nicht). "
Welcher Methoden müssen Sie sich denn bedienen, wenn Ihnen jemand nicht nach dem Mund redet?!
Danke für den nächsten Beweis. Das Internet also ist für Sie definiert als Möglichkeit, Menschen unter Umgehung der üblichen Umgansformen und jeglicher Menschlichkeit (man darf ja, wie Sie andeuten, auch das Menschsein gleich absprechen, wenn die Meinung desjenigen grade nicht genehm ist) zu attackieren : und zwar- IHR ZITAT-
"schonungslos".
Sie wissen schon, wie man solche Verhaltensweisen üblicherweise nennt?
Das tun wir doch die ganze Zeit ! Ein ganz großer Teil des usergenerierten content ist ohne kommerziellen Hintergedanken. Eine Erfahrung in Foren geteilt, ein selbstgeschossenes Bild mit Standortdaten, oder ein Video einer Begebenheit.
All das gratis und unentgeltlich der Welt zur Verfügung gestellt.
Im Vergleich ist Ihre Kritik an der Kritik regelrecht kleingeistig.
ich würde gern dafür bezahlen, von diesem Schmafu verschont zu werden!!!!
nur weil einer glaubt mit "All cops are bastards"-Grafities mit fünf Rechtschreibfehlern seine Mitmenschen beglücken zu müssen, heißt das noch nicht, dass er im Gegenzug gratis konsumieren kann, dass die Schwarte kracht!!!!!
Ein Rat ist keine Kunst.
p.s. Proffessioneller Rat kostet übrigens.
Das macht eben den Unterschied aus- die Person hat dafür studiert, gearbeitet, sich qualifiziert-.
Interessant, dass diese Leidtungen oft von jenen, die keine erbringen, abgewertet werden.
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