EU-Abgeordnete in bizarrem Korruptionsfall: "Ich werde erpresst"

Thomas Mayer aus Straßburg , 15. Februar 2012, 19:10
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    foto: apa/harald schneider

    Angelika Werthmann sieht sich von PR-Produzenten erpresst und bedroht ...

Produzent fordert von Werthmann für PR-Videos 27.000 Euro - Parlamentspräsident Schulz lässt prüfen

In den vergangenen Tagen bekamen einige österreichische EU-Abgeordnete über Fraktionen hinweg brisante Post: "Ihre Abgeordneten-Kollegin, Frau Angelika Werthmann", heißt es darin, "hat seit November die Produktion mehrerer Filme bei mir in Auftrag gegeben und erhalten, aber keinen einzigen Film bis heute bezahlt."

Der Auftragswert liege bei 27.000 Euro, schreibt der Absender unter anderem an Othmar Karas (VP) wie auch an die Grüne Ulrika Lunacek, deshalb "bitte ich Sie um Rat und um Ihre Hilfe". Denn Werthmann (die 2009 für die Liste Hans-Peter Martin kandidierte und mit diesem im Sommer 2010 wegen Vorwürfen der missbräuchlichen Verwendung von Wahlkampfgeldern gebrochen hat) antworte nicht mehr "auf meine berechtigten Forderungen".

Eine einvernehmliche Lösung wäre "sicherlich sinnvoller", heißt es weiter. "Aber was kann ich noch tun?", schließt der Autor, der seine Adressaten nebenbei wissen lässt, es "beklagen sich "mehrere Personen, von Frau Werthmann geschädigt worden zu sein" - angeblich. Inwieweit ihm die Ösi-Abgeordneten helfen könnten, bleibt unklar.

Aber die Absicht ist klar: Der Absender, der im EU-Parlament als Journalist und als Betreiber einer in Deutschland ansässigen Produktionsfirma "EU-Media" ein- und ausgeht, will den Druck auf die Salzburgerin erhöhen.

Er sieht sich absolut im Recht, wie er dem Standard sagte: "Sie hat die Filme bestellt und will nicht zahlen."

Im Österreicherlager sorgt der Fall inzwischen für große Aufregung. Denn knapp ein Jahr nach den von britischen Aufdeckerjournalisten ausgelösten mutmaßlichen Korruptionsaffären um Ernst Strasser und andere droht dem EU-Parlament der nächste Skandal, der das noch in den Schatten stellen könnte.

Es geht nicht um den Versuch, sich in Straßburg Gesetze zu kaufen. Es geht auch nicht einfach um einen Streit über einige tausend Euro für PR-Zwecke von Abgeordneten, die (zumindest zum Teil) aus öffentlichen Mitteln bestritten werden. Der Fall scheint auf geradezu atemberaubende Weise aufzuzeigen, wie im EU-Parlament nach wie vor kommerzielle Interessen mit politischer Arbeit vermischt werden; wie sich Lobbyisten oder Ex-Abgeordnete, die sich plötzlich als "Berater" oder "Producer" betätigen, mit privaten Videoproduzenten zusammentun, um mitten in den Räumlichkeiten des Parlaments ihre Geschäfte zu betreiben.

Und seit vergangenem Dienstag geht es um noch mehr: den konkreten Verdacht der Erpressung und Nötigung einer Abgeordneten. Diesen Vorwurf prüft offiziell Generalsekretär Klaus Welle, der höchste Beamte des Parlaments. Werthmann hat das angezeigt.

Das Brisante daran: Dem Akt liegt ein Schreiben bei, das eine Anfrage des TV-Produzenten F. bei einem Bekannten beinhaltet, wie er seine Forderungen in Österreich am Besten eintreiben könnte: "Ich benötige ein Inkasso-Unternehmen, dass (sic!) beim Eintreiben meiner berechtigten Forderungen nicht zimperlich ist und resolut vorgeht".

Ein Durchschlag erging an Werthmann, die sich nun auch physisch bedroht sieht: "Ich werde genötigt und erpresst. Das habe ich dem Generalsekretär ganz klar gesagt", erklärte sie im Gespräch mit dem Standard. Am Dienstag wird sich mit Präsident Martin Schulz der Präsident des Parlaments befassen. Die Behauptung, dass sie die sechs Filme um rund 27.000 Euro bestellt habe, weist sie kategorisch zurück: "Es gibt auch keinen Vertrag darüber, nichts." F. habe die Filme in Kooperation mit einem Berater "von sich aus" produziert und wolle ihr dies jetzt offenbar unterjubeln.

Grüner Mittelsmann

Dieser Mittelsmann ist der ehemalige grüne EU-Abgeordnete Frank Schwalba-Hoth, der heute auch für die grüne Fraktion den einen oder anderen Auftrag erledigt.

Hintergrund sei, so schildert es Werthmann, dass sie im November 2011 mit der grünen Fraktionschefin Rebecca Harms bei einer Veranstaltung zum Thema Energie in Brüssel aufgetreten sei. Dabei sei ihr von Schwalba-Hoth der nämliche Journalist vorgestellt worden. Die beiden hätten vorgeschlagen, "einen Film von dieser einen Veranstaltung zu machen". 1000 Euro hätte das kosten sollen.

Im Jänner habe man dann eine ganze Box mit den inkriminierten DVDs gebracht, ohne Auftrag. Und eine Rechnung gestellt, "bei der ich fast in Ohnmacht gefallen wäre", so Werthmann. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)

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Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
00

Also die ganze Geschichte mit dem Fall Strasser auch bloß zu vergleichen, ist bereits lächerlich...

fmi
00
29.2.2012, 07:45
Lobbyismus

ist der Hauptzweck der EU. Wir bekommen Spritzen, die nicht einmal in einem Mund passen und Megaliner aufgedrückt.

Promille Prolet
00
24.2.2012, 10:52

klagen...?

wenns ordenliche verträge, leistung und rechnungen etc gibt, wirds ja wohl kein problem sein.

Franz Brandtwein
00
16.2.2012, 18:09

"Ösi-Abgeordneten"? Geht's no?

skip it
01
17.2.2012, 14:47
passt...

moejoe000
03
16.2.2012, 16:32

Is doch lachhaft - dieser schmierige Typ soll sein Geld halt einklagen.

Ich hab da gar kein Mitleid mit ihm.

Dass er hier Frau Werthmanns "Arbeits"kollegen mit solchen Dingen befasst und dass er nicht den Rechtsweg sucht, sonder ein Inkassobüro befassen will, "nicht zimperlich ist und resolut vorgeht", sagt doch schon alles.

PS: Mir ist da wirklich egal, ob Frau Werthmann das nun bestellt hat oder nicht. Das sollen die Gerichte klären.

Frager21
21
16.2.2012, 15:52
Überlegung nach Lage der Fakten!

Offensichtlich gab es eine geschäftliche Verbindung von Werthmann zu jenem Unternehmer, der jetzt Geld von ihr fordert. Wie kann sie angesichts der Sachlage behaupten, sie werde erpresst. Der Unternehmer hat ja wohl von sich aus die Öffentlichkeit gesucht, um zu seinem Geld zu kommen. Das tun wirkliche Erpresser wohl eher nicht . . .

skip it
00
17.2.2012, 14:37
"offensichtlich gab es eine geschäftliche verbindung"...

...könnten sie bitte das so "offensichtliche" belegen?

verweise, belege, irgendwo?

Frager21
02
20.2.2012, 14:32
na, ja . . .

. . . aus Spaß und Langeweile wird der Journalist eine Videodokumentation erstellt haben? Wenn kein Auftrag (mündlich oder schriftlich) und kein Beleg vorhanden ist, warum meint dann die werte Frau Werthmann sie werde erpresst und macht Radau? Wer nichts bestellt hat, muß sich wohl nicht so merkwürdig aufführen und kann auch nicht "erpresst" werden! Wie denn auch?
Außerdem könnte Werthmann dann wohl jederzeit Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten! Ist sie eigentlich EU-Abgeordnete oder eine nichtsahnende Hausfrau aus Hintertupfing?

skip it
30
24.2.2012, 07:50
NOCH einmal: WO sind die belege? und WARUM inkasso IN OESTERREICH?...

...entweder des wuerschtel HAT einen bestellschein oder eben NICHT.

sie brauchen da gar net herumeiern à la "wird schon was dran sein". belege auf den tisch oder gosch'n halten, ganz einfach.

und außerdem: wieso wendet sich der an ein OESTERR. inkassobuero, wenn das geschaeft lt. angaben des pseudo-geschaedigten in bruessel vereinbart und getaetigt wurde? zustaendig ist da nach allen geltenden gesetzen eindeutig die BELGISCHE justiz, sie komiker.

warum also der umweg ueber oesterreich? duerft also doch a bisserl stinken, der fisch.

Maria Bergen
03
16.2.2012, 16:01
Dass Werthmann erpresst wird,

hat sie schon mal behauptet. Als sie nämlich nicht wie mit Dr. Martin vorher vereinbart ihr Mandat teilen wollte. Siehe hier: http://www.hpmartin.net/content/i... -juli-2010

skip it
01
17.2.2012, 14:40
sind sie verrueckt?...

...eine mit einem andern politker getroffene "vereinbarung zur mandatsteilung" waere nichts anderes als wahlbetrug.

von evtl. verfassungs- und sonstigen gesetzeswidrigkeiten ganz zu schweigen.

gewaehlt wurden die leute auf der liste, nicht jene, die der listenfuehrer dann vielleicht nach halbzeit ohne jedwede demokratische legitimierung und abseits jedweder legalitaet hineinmanoevrieren will.

Frager21
01
20.2.2012, 14:46
immer langsam

wieso ist eine Vereinbarung zur Teilung eines Mandats ein Wahlbetrug? Bei den Grünen war das sogenannte Rotationsprinzip, als sie noch grün waren, sogar ein politisches Grundprinzip. Wenn zwei Kandidaten der gleichen Liste eine Vereinbarung treffen, ist das allein deren Sache. Schäbig ist es allerdings, im Vorfeld eine solche Vereinbarungzu treffen und sich dann nicht daran zu halten - und darüber hinaus im Parlament auf der faulen Haut zu liegen. Was glauben Sie wieviele Wählerinnen und Wähler die Liste Martin wohl wegen Frau Werthmann gewählt haben?

skip it
00
24.2.2012, 07:53
weil sie nie veroeffentlicht wurde, erstens,...

...und wie kann ein listenvierter mit einer listenzweiten (oder 3.) eine mandatsteilung vereinbaren, hm?

was anderes ist ein nachruecken bei krankheitsbedingtem ausfall.

auch der sabitzerverzicht war mehr als bedenklich: fragen sie doch einfach einmal einen verfassungsjursiten oder wahlrechtsexperten.

den HamPelMann duerfen s' da net fragen: der kennt sich naemlich ueberhaupt nirgends aus.

Maria Bergen
00
17.2.2012, 20:22
?? ich kenn mich da nicht so gut aus wie Sie....

was ist es dann, wenn ein Mandatar von einer Partei zu einer anderen Partei während der Legislaturperiode wechselt? Ist das nicht auch Wahlbetrug?

skip it
00
24.2.2012, 15:01
wieso?

Peter Eichorn
00
18.2.2012, 12:34
@Maria

ich vermute, dass sich Skip It da irrt. Die Mandatsteilung wurde von der Liste Martin ja schon vor der Wahl kommuniziert und während des Wahlkampfes ist in der Öffentlichkeit immer Hr. Ehrenhauser als Nr. 2 präsentiert worden. Ausserdem waren ja eh alle auf der Liste und wurden damit gewählt. Ebenso ist es nicht einmal gegen das Gesetz, während der Periode zu einer anderen Fraktion zu wechseln. Das wurde ja schon oft ohne jeden Protest von mehreren Abgeordneten gemacht. Für mich ist das Wechseln der Fraktion - speziell zum politischen Gegner - eher ein Wahlbetrug - keinesfalls aber, wenn jemand auf sein Mandat für einen Nachfolgenden verzichtet.

skip it
00
20.2.2012, 08:31
"schon vor der wahl kommuniziert":...

...DAS, freunderl, DAS belegen s'.

muss sich ja noch ein zeitungsausschnitt finden lassen, odr?

Peter Eichorn
02
20.2.2012, 08:53
@Skip It

http://www.nachrichten.at/nachricht... 666,192807 Das habe ich jetzt auf die Schnelle gefunden - aber es gab mehrere Meldungen in den Medien darüber, dass Ehrenhauser als Nr. 2 bei der Wahl antritt. Auch auf den Flugblättern der Liste Martin wurde das so kommuniziert. Ich weis das, da ich HP Martin bei der Wahl ehrenamtlich unterstützt habe. Deshalb habe ich auch live mitbekommen, dass Fr. Werthmann die mit der Gruppe getroffene Vereinbarung sofort nach der Wahl gebrochen hat und ihr eigenes Ding durchziehen wollte. Hat aber nichts damit zu tun, dass HP Martin leider auch seine eigenen Grundsätze verraten und gebrochen hat. Ehrenhauser und Sabitzer sind hier mit Sicherheit die Anständigen aus dieser Truppe.

skip it
00
22.2.2012, 12:57
manchmal bin ich echt zufrieden mit dem gedächtnis...

...
http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_w... MARTIN.pdf

skip it
01
22.2.2012, 12:49
ehrenhauser war listen-vierter...

Frager21
34
16.2.2012, 15:36
Bizarr, bizarrer, Werthmann!

Leider ist Frau Werthmann bisher nicht durch irgendwelche Leistungen aufgefallen, sondern nur durch Skurilitäten. Politische Tätigkeit - null, Ideen - null, Glaubwürdigkeit - null. Sie hat sich offensichtlich darauf eingestellt - fünf Jahre sehr gut zu verdienen und dann in der Versenkung zu verschwinden. Hans Peter Martin ist (war) wirklich nicht zu beneiden. Wenigstens hat er inzwischen erkannt, dass er offensichtlich zu vertrauensvoll war und nicht mit der nötigen Vorsicht auf Mitkandidatensuche gegangen ist. Seine Distanzierung von Werthmann stellt sich als richtige Maßnahme heraus.

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02
17.2.2012, 15:03
der fleißige HamPelMann und die faule werthmann...

...weiter unten hat einer ihrer weihrauchschwenk-kollegen sich bemüßigt gefühlt, werthmanns plenardebatten-beitraege aufs korn zu nehmen.

nun, ich hab' dasselbe fuer ihre hehre wichtgestalt getan.

was meinen sie, was dabei herauskam?

werthmann: 497 ergebnisse fuer die 7 wahlperiode
hpm: 87 (siebenundachtzig)

die wahlperiode begann immerhin im oktober 2009.

hpm ist eine schande fuer den parlamentarismus.

skip it
00
17.2.2012, 14:42
geht der schas mit tem HamPelMann schon wieder los?...

...wenn sie werthmann der "unauffaelligkeit" zeihen, was ist dann hpm? ein schwarzes loch?

nun ja, fuer zu unrecht bezogene eu-gelder auf alle faelle, das konzedier' ich ihnen.

Heimatkind
00
16.2.2012, 15:31
Ich habe gehört Sabitzer (arbeitet jetzt für Ehrenhauser) war auch mal bei ihr angestellt

Ebenso war es Nicole Baumgartner.

Wie war es denn da mit der Bezahlung, hat Werthmann die von ihrem Budget gezahlt?

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