Ausstellung

Schilder, Notizen und Baukastensätze

Christa Benzer , 15. Februar 2012, 18:58
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    foto: galerie meyer kainer

    Liam Gillick, Siggi Hofer und Stefan Sandner bringen in der Galerie Meyer Kainer Schrift ins Bild. 

Die Galerie Meyer Kainer präsentiert Lesbares und schwer Lesbares von Liam Gillick, Siggi Hofer und Stefan Sandner zu den unterschiedlichsten Themenbereichen

Mit einem herzhaften "Willkommen daheim! Schatzi" wird man in der Ausstellung Schrift Bild begrüßt. In Zeiten von E-Mail und SMS wirkt der handschriftliche Satz auf dem Post-it, das Stefan Sandner gefunden und auf Leinwand übertrug, fast so ausrangiert wie der Ausstellungstitel. Im Kunstkontext hat man diesen schon mehrfach verwendet.

Dass die Miteinbeziehung von Schrift in das Bild längst kein Novum mehr ist, scheint aber auch den versammelten Künstlern nicht neu zu sein. Schließlich widmen sie sich in ihren "Schriftbildern" sehr unterschiedlichen Themen. Jenseits des Schriftaspekts - als kleinstem gemeinsamem Nenner - bringt man die Arbeiten nicht wirklich zusammen.

Während das gefundene Post-it von Sandner im Eingangsbereich noch Zugänglichkeit suggeriert, fordern die von der Decke hängenden Aluminium-Schilder von Liam Gillick die grafologischen Fähigkeiten der Betrachter heraus: "The Day Before The Closure Of An Experimental Factory" steht dort in einer ornamentalen Schrift, und "Redundancy Following The Lure Of Infinite Flexibility" (Arbeitslosigkeit folgt den Verlockungen unbegrenzter Flexibilität).

Diese industriell produzierten Schilder sind Teil eines Projektes, in dem sich Liam Gillick mit einem in den 1960er-Jahren von Volvo initiierten Versuch befasste. Darin ging es um die Produktion von Automobilen jenseits von Fließbandarbeit. Die Geschichte dieser mittlerweile geschlossenen Fabrik hat der Künstler in einer - die Schilder umfassenden - fiktiven Erzählung in die Gegenwart geholt.

Anders als Gillick, der Schrift als Mittel der Narration benutzt, setzt Stefan Sandner die Aneinanderreihung von Buchstaben ein. Seine großformatigen Gemälde erinnern an Notizzettel, auf denen der Künstler die Malerei mit den Methoden der "Écriture automatique" reflektiert: "Ich kann meine Handschrift malen, ich kann sie nicht schreiben", heißt es da beispielsweise, aber auch "blablabla", "Quatsch" oder "Does this make sense at all?".

Während Lesbarkeit und Interpunktion dabei eine der freien Assoziation und dem Schreibfluss nachgeordnete Rolle spielen, rückt Siggi Hofer gerade den "Satzbau" in den Vordergrund. Mit Pastellkreide, Acryl und Bleistift hat er seine Ängste (u. a. "Vor mir ein weißer Bogen"), aber auch Beobachtungen ("Ich war im Irrenhaus, bin aber nicht verrückt") und Interessen (u. a. "Fantom. The Oldest Gay Club In Poland") in die für ihn typischen bildhaften Baukastensätze verpackt. (Christa Benzer, DER STANDARD - Printausgabe, 16. Februar 2012)

Bis 25. 2., Galerie Meyer Kainer

Eschenbachgasse 9, 1010 Wien

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