Die Galerie Meyer Kainer präsentiert Lesbares und schwer Lesbares von Liam Gillick, Siggi Hofer und Stefan Sandner zu den unterschiedlichsten Themenbereichen
Mit einem herzhaften "Willkommen daheim! Schatzi" wird man in der Ausstellung
Schrift Bild begrüßt. In Zeiten von E-Mail und SMS wirkt der
handschriftliche Satz auf dem Post-it, das Stefan Sandner gefunden und auf
Leinwand übertrug, fast so ausrangiert wie der Ausstellungstitel. Im
Kunstkontext hat man diesen schon mehrfach verwendet.
Dass die Miteinbeziehung von Schrift in das Bild längst kein Novum mehr ist,
scheint aber auch den versammelten Künstlern nicht neu zu sein. Schließlich
widmen sie sich in ihren "Schriftbildern" sehr unterschiedlichen Themen.
Jenseits des Schriftaspekts - als kleinstem gemeinsamem Nenner - bringt man die
Arbeiten nicht wirklich zusammen.
Während das gefundene Post-it von Sandner im Eingangsbereich noch
Zugänglichkeit suggeriert, fordern die von der Decke hängenden
Aluminium-Schilder von Liam Gillick die grafologischen Fähigkeiten der
Betrachter heraus: "The Day Before The Closure Of An Experimental Factory" steht
dort in einer ornamentalen Schrift, und "Redundancy Following The Lure Of
Infinite Flexibility" (Arbeitslosigkeit folgt den Verlockungen unbegrenzter
Flexibilität).
Diese industriell produzierten Schilder sind Teil eines Projektes, in dem
sich Liam Gillick mit einem in den 1960er-Jahren von Volvo initiierten Versuch
befasste. Darin ging es um die Produktion von Automobilen jenseits von
Fließbandarbeit. Die Geschichte dieser mittlerweile geschlossenen Fabrik hat der
Künstler in einer - die Schilder umfassenden - fiktiven Erzählung in die
Gegenwart geholt.
Anders als Gillick, der Schrift als Mittel der Narration benutzt, setzt
Stefan Sandner die Aneinanderreihung von Buchstaben ein. Seine großformatigen
Gemälde erinnern an Notizzettel, auf denen der Künstler die Malerei mit den
Methoden der "Écriture automatique" reflektiert: "Ich kann meine Handschrift
malen, ich kann sie nicht schreiben", heißt es da beispielsweise, aber auch
"blablabla", "Quatsch" oder "Does this make sense at all?".
Während Lesbarkeit und Interpunktion dabei eine der freien Assoziation und
dem Schreibfluss nachgeordnete Rolle spielen, rückt Siggi Hofer gerade den
"Satzbau" in den Vordergrund. Mit Pastellkreide, Acryl und Bleistift hat er
seine Ängste (u. a. "Vor mir ein weißer Bogen"), aber auch Beobachtungen ("Ich
war im Irrenhaus, bin aber nicht verrückt") und Interessen (u. a. "Fantom. The
Oldest Gay Club In Poland") in die für ihn typischen bildhaften Baukastensätze
verpackt. (Christa Benzer, DER STANDARD - Printausgabe, 16. Februar 2012)
Bis 25. 2., Galerie Meyer Kainer
Eschenbachgasse 9, 1010 Wien