Bausparen und Zukunftsvorsorge

Halbe Sache

Kommentar | Andreas Schnauder, 15. Februar 2012, 18:22

Gerade bei der Zukunftsvorsorge haben sich die Tücken staatlicher Intervention schmerzlich gezeigt

Österreicher fühlen sich wohl in staatlicher Obhut. Einem geförderten Bausparer, einem subventionierten Vorsorgeprodukt wird dank öffentlichen Segens volles Vertrauen geschenkt, unabhängig von der Qualität der Instrumente. Dabei haben sich gerade bei der Zukunftsvorsorge die Tücken staatlicher Intervention schmerzlich gezeigt: Die Konzentration der Veranlagung auf Wiener Aktien wurde - gekoppelt mit dem Kostentreiber Kapitalgarantie - zum Renditekiller.

Ganz so schlimm ist es beim Bausparen zwar nicht, doch auch beim Liebkind der Anleger ist die Verzinsung trotz Subvention mickrig, ohne dass die Darlehen entscheidende Vorteile bringen würden. Die Prämie scheint vor allem die üppigen Verwaltungs- und Marketingapparate zu füttern. Dazu kommt, dass die Förderung schon prinzipiell hinterfragenswert ist: Warum sollen Steuergelder in eine Anlageform fließen, deren Ertrag zum überwiegenden Teil für den Kauf von Autos, Fernsehern oder zur Finanzierung des Urlaubs verwendet wird? Offenbar stellen japanische Pkws, chinesische TV-Geräte und Fernreisen jene österreichische Wertschöpfung dar, deren drohender Verlust nun beklagt wird. So gesehen wäre die Regierung besser beraten gewesen, die beiden Prämien ganz zu kippen, anstatt halbe Sachen zu machen. Und nebenbei die Wohnbauförderung, die mehr die parteipolitischen Spielwiesen düngt, als leistbares Heim zu schaffen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2012)

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19 Postings
GERHARD MIKO1
 
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21.2.2012, 19:00
Besser hohe Sonderzahlungen progressiv versteuern

Sinnvoller wäre es, bereits ab ca. 7.500 Euro die Sonderzahlungen (13. + 14. Gehalt) nicht mehr steuerschonend mit maximal 6 Prozent zu besteuern.
1.) Sind das in guter alter Währung 2 x rd. 100.000 Schilling. 2.) Sollte das auch für Nimmersatt-Verdiener reichen - für familäre Weihnachtsgeschenke und Urlaube im Ausland.
3.) Ist Bausparen seit 1925, also seit 87 (!) Jahren auch DER Motor für die Bauwirtschaft und das Baunebengewerbe - und es ist in der derzeitigen Form die billigste und effektivste Wohnbauförderung!

RS69
 
00
21.2.2012, 19:06

Was ist an Bausparkreditern billig?

Berechenbar - ja. DAS ist das Hauptargument. Aber billig sind's definitiv nicht.

GERHARD MIKO1
 
00
21.2.2012, 19:55
"...die effektivste Wohnbauförderung."

1.) Billig oder teuer ist relativ - ich ging darauf gar nicht ein, was sie für den Kunden sind (natürlich könnten sie noch um einiges billiger sein)! Es geht um die Kosten der staatlichen Förderung - Billiger und effektiver ist sie für den Staat, als etwa die verschiedensten anderen direkten Wohnbau-förderungen, die von den (Bundes-)Ländern vergeben werden. 2.) Vom 1.1.1973 bis 8.6.1976 betrug die Bausparförderung 33 1/3 % von der Einzahlung für jedermann - davor konnte man die Beiträge von der Steuer absetzen. 3.) In der Handelsschule habe ich gelernt, daß Banken
3 Prozent(punkte) "Spanne" zwischen Einlagen- und Kreditzinsen zum (Über)leben brauchen, Bausparkassen nur 1,5 Prozent(punkte). Alles klar?!

RS69
 
00
21.2.2012, 20:21

Ah - so haben Sie's gemeint. ;-)

FatFaceRicky
02
16.2.2012, 20:36

Ah ja, das "3 Säulen"-Modell wurde es damals genannt. Die staatliche Pension, die angeblich nichts mehr bringen wird, die Betriebspension (die in den letzten Jahren ständig gekürzt wurde), und die private Vorsorge, die jetzt auch im A ist.

RS69
 
00
20.2.2012, 00:27

Das betrifft nur den kleinen Teil der staatlich geförderten Zusatzpensionen - nicht alle.

suboptimal
 
01
16.2.2012, 20:59
damals in der SCHÜSSEL-Zeit

Bundeskanzler Schüssel: Pensionssicherungsreform ist ein großer Wurf. Ein wichtiger Punkt sei das Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge, das durch die nun beschlossenen Maßnahmen abgesichert werde.
Die Eigenvorsorge als 3. Säule sei eine private Vorsorge mit Kapitalgarantie und staatlicher Förderung. "Für das Jahr 2003 erwarten wir 500.000 Abschlüsse für diese Zukunftsvorsorge", sagte Schüssel.
Quelle: Kundesbanzleramt
http://www.bka.gv.at/site/info... spx#id2897
Seine dritte Säule hat sich als professionelle Geldvernichtung durch Sparen entpuppt.

War wohl nix, Kasperl

santiago nasar
00
16.2.2012, 18:27
ein wahres

wort, herr schnauder, soweit ich weiß ist die förderung von jährlich € 36 auf € 18 reduziert worden (bei maximaleinzahlung von € 1.200). was solls?

servasgschaeft
00
16.2.2012, 16:42
eh wie immer....

zuerst reden's einem ein, dass man diese Pensionsvorsorgeform uuuuuuunbedingt machen muss, weil ja so super staatlich gefördert - und wenn man sie dann mal hat und ohnehin nicht mehr raus kann, tja, dann kommt Vater Staat und ändert g'schwind mal die Spielregeln.
aber dafür wird in den kommenden Jahren sicherlich wieder das nächste staatlich geförderte Finanzinstrument durchs Dorf getrieben, großes Tamtam allenthalben, Banken / Versicherer können endlich was neues vermarkten -
am Ende bleibt der Sparer dann eh wieder der Depp.

RS69
 
00
20.2.2012, 00:30

"am Ende bleibt der Sparer dann eh wieder der Depp"

DAS ist genau der Ansatzpunkt: Wenn die Sparer jetzt alle 1* im Jahr ein Seminar zu dem Thema machen, und sich auch sonst zu Investments weiter bilden, dann werden's immer weniger Anfällig für solche Sachen.

Die Frage ist: Wer wird schon daraus lernen, dass es nötig ist, mehr zu wissen - und wer wird nichts lernen und sein Geld ins nächste gehypte ("mit dem Siegel der staatlichen Förderung") stecken, ohne das zu hinterfragen? Meine Prognose dazu ist düster.

MagnaMater
00

Komisch, wer hat diese staatlich gestützten privat-pensionen damals eigentlich abgeschlossen? Die bank hat's dreimal bei mir versucht, musste aber aufgeben, weil ich ihr versichern konnte, dass weibliche magister der philosophie zu wenig geld für regelmässige einzahlungen haben, und völlig unverdächtig sind, jemals in ihrem Leben so etwas wie eine pension zu erhalten...

byron sully
00
16.2.2012, 14:50

richtig.

Edmund der Fröhliche
00
16.2.2012, 14:07
Zum Richtigstellen:

Die Anlagestrategie der Zukunftsvorsorge war bis Ende 2008 alles andere als ein Renditekiller und bescherte den Verträgen überdurchschnittliche Wertzuwächse.

Ad Bausparen: der Bausparer gleicht mit voller Förderung mittlerweile nur mehr die Inflation aus, mehr nicht.

okami
01
16.2.2012, 11:18
- gekoppelt mit dem Kostentreiber Kapitalgarantie -

Das ist ein echtes Schmankerl!

Wenn ich mich erinnere dass Hedgefonds von Griechenland auch eine Zinsengarantie fordern - sozusagen als Grundrecht.

Fleisch
12
15.2.2012, 22:29

Zustimmung!

Yossarian
01
15.2.2012, 19:08

Die Abgeordneten, die damals diese geförderte Zukunftsvorsorge beschlossen haben, sollten man vor den Vorhang holen.

?und
12
16.2.2012, 08:43
und jeden einzeln abwatschen - pro abgeschlossenem vetrag mal links mal rechts

Bertel Mann
01
16.2.2012, 13:28
Falsch! Abgewatscht gehören diejenigen, die solche Verträge abgeschlossen haben, weil sie das Märchen von der besseren privaten Vorsorge geglubt haben

RS69
 
00
20.2.2012, 00:32

Über private Vorsorgen kann man diskutieren.

Hier geht's nur um die staatlich geförderte Variante.

Warum tun hier die meisten so, als ob die staatlich geförderte die einzige - oder gar die sinnvollste - Variante gewesen wäre bzw ist?

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